Give Peace A Chance: Abführen!

Michaela Simon 08.03.2003

Das amerikanischste aller Foren, das T-Shirt, hat ein Problem mit der freien Meinungsäußerung

Das T-Shirt ist geschlechtsneutral und paßt gut zu schwarzer, weißer, gelber und roter Haut. Das Bekleidungsstück der Informationsgesellschaft bietet auf Brust und Rücken Werbeflächen für ethnische, erotische und politische Appelle der Trägerin/des Trägers

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Wenn man etwas auf ein T-Shirt drucken kann, dann ist es eine Äußerung

so hatte Informatikprofessor David Touretzky bei seiner Aussage im DeCSS-Prozess illustrieren wollen, dass Code eine Meinungsäußerung sein kann. Die Firma Copyleft, die ein "OpenDVD"-T-Shirt angeboten hatte, wurde dann jedoch in einen Prozess involviert und gerichtlich vorgeladen (vgl. Geek Chic).

Zur Zeit wäre vielleicht ein Code manchmal unverfänglicher als eine Äußerung. Im verbalen Gerangel um den Irak-Konflikt kommt die heilige Kuh der freien Meinungsäußerung in den USA nicht selten unters Messer:

Als er sich weigerte, sein T-Shirt auszuziehen, auf das die Worte "Give Peace A Chance" und (auf der anderen Seite) "Peace On Earth" gedruckt waren, riefen Sicherheitsleute die Polizei, welche dem 6ojährigen, der sich mit seinem Sohn in einem US-amerikanischen Einkaufszentrum aufgehalten hatte, Handschellen anlegte und ihn abführte. Der Mann, ein Anwalt, hatte das T-Shirt, wegen dem er des Hausfriedensbruchs bezichtigt worden war, übrigens in eben dem Einkaufszentrum gekauft, das ihn verklagte. Die Klage, die ihn bis zu zwei Wochen ins Gefängnis hätte bringen können, wurde jetzt wieder fallen gelassen, nachdem mehr als 150 Menschen in bedruckten Friedens-T-Shirts in die Mall strömten um zu protestierten.

Die "Give Peace A Chance"-T-Shirts, welche von den Initiatoren der Protest-Demonstrationen verkauft wurden, boten einen ungewöhnlichen Preisnachlass: Drei Dollar weniger zahlte, wer bereit war, sein T-Shirt anzubehalten, auch wenn er darin verhaftet würde. Es kam allerdings zu keinen weiteren Festnahmen. Shopping Malls haben, obwohl sie öffentliche Versammlungsorte sind, als private Unternehmen das Recht, Menschen, die störend auffallen, des Geländes zu verweisen. Bereits mehrere Schüler wurden in den USA des Unterrichts verwiesen, weil sie T-Shirts mit regierungskritischen Aufdrucken trugen.

Das erinnert an einen Fall in Deutschland: Wegen "Missbrauchs von Titeln, Ehrenabzeichen und Berufsbezeichnungen gemäß § 132 a StGB" bekam letztes Jahr ein Stuttgarter DJ eine Strafanzeige, weil er ein dunkelgrünes T-Shirt mit der Aufschrift "Pozilei" trug (vgl. Am Anfang war das Logo). Obwohl die grünen Freunde und Helfer selbst bunte Kinder-T-Shirts mit Polizeinsignien verkaufen und Herbert Achternbusch ungestraft die Polizei cineastisch mit dem Logo "Polyzeit" als Müßiggänger outen durfte, war DJ "Pozilei" auch hier offenbar genau zu richtigen Zeit am falschen Ort.

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14324/1.html
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