Die Gewinner des Krieges

12.03.2003

Schon jetzt werden von der US-Regierung Verträge für Wiederaufbauarbeiten im Post-Hussein-Irak vergeben, darunter auch an den Konzern Halliburton, dessen Direktor US-Vizepräsident Cheney war und von dem er noch immer Gelder bezieht

Vor zwei Tagen wurde bekannt, dass die US-Regierung bereits damit beginnt, Aufträge für den Wiederaufbau des Irak zu vergeben. Interessant für die amerikanischen und britischen Unternehmen, die dann bevorzugt zum Zug kommen werden, ist etwa die Wiederherstellung und Modernisierung der Anlagen für die Erdöl-Förderung und -Verarbeitung. Zufälligerweise hat Dick Cheney just ein amerikanische Unternehmen bis zu seiner Ernennung als Vizepräsident geleitet, das davon besonders profitieren könnte.

Die ersten Aufträge für den Wiederaufbau und Bau von Flughäfen, Straßen und Brücken, Schulen und Krankenhäusern, des Elektrizitäts-Netzwerks sowie der Erdölindustrie, die große Einnahmen und möglicherweise auch Gelder für die Kosten der Militäraktion verspricht, sollen demnächst vergeben werden. Aussichten auf diese Aufträge im Umfang von insgesamt 900 Millionen Dollar haben allerdings nur fünf große US- Baufirmen wie Bechtel Group, Fluor Corporation oder Halliburton. Es müsse schnell gehen, wurde von USAID versichert, überdies handele es sich um amerikanische Steuergelder.

Noch hat der Irak Verträge mit chinesischen, französischen oder russischen Ölkonzernen, doch eine von den USA kontrollierte Regierung könnte diese für ungültig erklären. Zum Zuge kämen dann Exxon Mobil (Texas!) und die britischen Konzerne Royal Dutch/Shell oder BP. Doch wer schon mit den ersten Verträgen für den Wiederaufbau im Lande ist, dürfte viele Vorteile für weitergehende Aufträge im künftigen El Dorado des Erdöls haben. Allein die Technik für die Erschließung des zweitgrößten Erölvorkommens auf der Welt könnte bis zu 40 Milliarden Dollar kosten. Schon in den ersten Jahren geht es um Milliardenaufträge - und Halliburton ist neben anderen amerikanischen Firmen hier in guter Position.

Die Verbindungen der Bush-Regierung zu den Energiekonzernen ist bekanntlich besonders eng (Bush-Cheney Inc.). Das liegt bei Präsident Bush auf der Hand, Condoleeza Rice war bei Chevron und Dick Cheney fünf Jahre lang Direktor bei Halliburton. Kellogs Brown & Rost (KBR), die zu Halliburton gehört, hat bereits einen Vertrag erhalten, um einen Plan zur Bekämpfung von brennenden Erdölquellen auszuarbeiten. Bekanntlich hatte Hussein 1991 kuwaitischen Quellen anzünden lassen, was zu großen Verlusten geführt hat. Man geht davon aus, dass er zu diesem Mittel auch jetzt bei einem Angriff greifen könnte (Öl - die andere Massenvernichtungswaffe). Halliburton wäre dann schon einmal bestens informiert und vor Ort, um weitere Aufträge zu gewinnen.

Die Rückendeckung durch den Vizepräsidenten oder überhaupt durch die US-Regierung dürfte einen noch größeren Vorteil versprechen. KBR, mit der Cheney schon als Verteidigungsminister unter Bush sen. zu tun hatte, hat schon vom Bosnien-, Kosovo- und Afghanistan-Krieg profitiert, ist für Stützpunkte in Usbekistan oder auf den Philippinen zuständig und hat etwa das Lager in Guantanamo aufgebaut. Zudem ist KBR unter der Bush-Regierung der einzige Logistikversorger für die Navy und die Army geworden - auf 10 Jahre und ohne Kostenobergrenze, die sonst üblich ist.

Nach Informationen des Guardian liegt dies auch noch näher, da offenbar Cheney zwar seinen Posten bei Halliburton durch einen guten, aber wohl nicht sauberen Deal als schwerreicher Mann verlassen hat, aber weiterhin noch Gelder erhält. Wegen des Vorwurfs des Betrugs der Aktienbesitzer von Halliburton wurde Cheney übrigens von Judicial Watch angeklagt. Pro Jahr soll er fünf Jahre nach seinem Abgang Kompensationszahlungen bis in Höhe von einer Million Dollar erhalten. Das soll die Abfindung sein, die dann über fünf Jahre gestreckt zumindest Steuervorteile bietet. Möglicherweise dürfte man bei Halliburton dafür auch etwas erwarten. Sein Büro stritt natürlich ab, dass der erste Vertrag mit Halliburton damit etwas zu tun haben könne. Und Halliburton gehört auch zu den fünf auserwählten Konzernen für den USAID-Auftrag.

Cheney hatte sich auch im Rahmen der Energy Task Force mit den Energiekonzernen zusammen getan, um ein politisches Programm zu erarbeiten (Mit dem Öl der frommen Denkungsart). Das Gemauschel, das Cheney als Vizepräsident mit amerikanischen Ölkonzernen für den Bericht "National Energy Policy" vorgenommen hatte, muss trotz Verlangen seitens des Kongresses nun doch nicht veröffentlicht werden. Dass die Energiepolitik, die Versorgung mit Öl und damit auch der Mittlere Osten und der Irak hohe Priorität in der US-Regierungspolitik haben, ist dort ausgewiesen, auch die Annahme, dass die USA von wachsenden Ölimporten in der Zukunft abhängig sein werden.

Cheney, der eher im Hintergrund agiert, gilt manchen als wichtigster Berater des US-Präsidenten. Er gehört auch zu den Falken in der Regierung, die am stärksten hinter den Kriegs- und Invasionsplänen stehen.

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