Spyware und unsterbliche Cookies

22.03.2003

Google für Big Brother-Award vorgeschlagen

Daniel Brandt aus dem texanischen San Antonio wird von der US-amerikanischen Presse gern als "Mr. Anti-Google" tituliert. Jetzt machte der Webmaster der Datenbank NameBase seinem Namen alle Ehre: er schlug die Suchmaschine Google für den diesjährigen "2003 U.S. corporate Big Brother of the Year" vor.

Die nicht sehr schmeichelhafte Auszeichnung wird von der Bürgerrechtsorganisation Privacy International während der 13. Conference on Computers, Freedom and Privacy im April in New York vergeben werden.

"Privacy International" arbeitet in den USA, in Europa und in Asien mit zahlreichen Menschenrechtsorganisationen zusammen. Seit 1999 wird der "Big Brother" auch in europäischen Ländern an Firmen oder Organisationen überreicht, die den Datenschutz mit Füßen treten oder dadurch aufgefallen sind, dass sie Methoden und Software entwickeln, die ausschließlich dazu dienen, die Bürger auszuspionieren.

Brandt führt verschiedene Argumente an für seine These, Google sei eine "Zeitbombe" für den Schutz der Privatsphäre:

Google amounts to a privacy disaster waiting tohappen. Thosenewly-commissioned data-mining bureaucrats in Washington can only dreamaboutthe sort of slick efficiency that Google has already achieved.

Google sei die erste Suchmaschine, die Cookies setze, die bis zum Jahr 2038 gültig sein werden.

Im Kampf gegen Cookies hat Daniel Brandt reichlich Erfahrung. Vor einem Jahr beschwerte er sich beim CIA, auf einer deren Websites unzulässig ausspioniert zu werden - ein dort gesetzter Cookie war bis 2010 gültig. Brandt erstellte aus verschiedenen Quellen ein Diagramm des internen CIA-Netzes und dessen IP-Adressen. Mike Stepp, der Webmaster des Geheimdienstes, reagierte sofort:

The Central Intelligence Agency Website doesNOT use the 'cookies' that some Web sites use to gather and storeinformationabout your visits to their sites.

Das entpuppte sich als Falschinformation, wie Brandt dokumentierte. In den USA gelten für Cookies strenge Regeln. David Ho von "Associated Press" schrieb im März 2002

The government issued strict rules for how federal agencies may usecookies in2000 after it was discovered that the White House drug policy office hadusedthe technology to track computer users viewing its online anti-drugadvertising.The rules ban the use of "persistent" cookies, which track Web habits overyears.

Diverse Mails Daniel Brandts an David Krane, Googles "Director of Corporate Communications", zur Praxis der Suchmaschine, "unsterbliche" Cookies zu setzen, wurden jedoch vage oder gar nicht beantwortet. Der NameBase-Webmaster wirft Google außerdem vor, so viele Daten wie möglich von den Nutzern zu protokollieren, ohne zu verraten, wozu diese Daten verwendet würden. Googles Toolbar sei "spyware":

Thismeans thatif you have the toolbar installed, Google essentially has complete access toyour hard disk every time you phone home. Most software vendors, and evenMicrosoft, ask if you'd like an updated version. But not Google.

Die harschen Vorwürfe Brandts haben auch einen subjektiven Hintergrund. In einem Interview in CounterPunch charakterisiert Mark Hand, Direktor von PressAction.com Brandt als "Ein-Mann-Geheimdienst". Dessen Website NameBase, die er seit über 30 Jahren betreibt, ist eine Online-Datenbank mit tausenden von Zitaten prominenter US-Bürger. Farhad Manjoo von salon.com schreibt:

The system is principally designed for researchers who want to findbooks andnewspaper articles that mention a specific person. For example, ifyou're tryingto find out who this character "Donald Rumsfeld" you keep hearing abouton thenews is, you'd type it into NameBase and find about 50 books andarticles thatmention the man.

Brandts Datenbank wird von Googles "Page-Rank"-System nicht so eingeordnet, wie die Bedeutung der Quellen es inhaltlich nahe legten. Brandt hält das für "asozial".

The other problem is that geeks have a poor record on socialethics,and Google is very geeky. They don't know what the word "publicinterest" means;it's completely outside their frame of reference.

Das sehen mittlerweile auch einige andere Webmaster in den USA so, obwohl sie den Google-Kritiker zunächst aus mehreren Webmaster-Forem hinausgeworfen hatten. Danny Sullivan von Search Engine Watch kritisiert jedoch, dass viele, die sich um die Optimierung der Meta-Tags in Website bemühten, um vom Google-Robot optimal indiziert zu werden, die Bedeutung von "Page Rank" überschätzen und die Methode, wie Google Seiten einordne, grob vereinfachten.

To determine rank order, Google looks at more than just links from"important"sites - it looks at the context of those links, the link text, and dozens ofother characteristics. The tech press, early on, looked for a reason whyGooglewas so good, and Google told them about PageRank. It was a good story and itcaught on. But the truth is that Google's ranking formula is a very closelyguarded secret, and it goes well beyond PageRank.

Google sei eine Autorität im Web geworden, so Daniel Brandt, und so mächtig, dass die Praxis der Suchmaschine genau beobachtet werden müsste. Seine Website, die sich speziell der Kritik an der populärsten Suchmaschine widmet, verteufele diese nicht, sondern weise auf "anti-demokratische" Tendenzen hin:

By doingthis, we hope to play a small part in maintaining the web as aninformation toolthat is more useful for the masses, than it is for the elites.

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