Salam Pax postet wieder

Florian Rötzer 25.03.2003

Der Blogger, der angeblich in Bagdad lebt und somit der einzige irakische Augenzeuge wäre, der online vom Alltag berichtet, ist wieder da und führt weiterhin seine geheimnisvolle Internet-Existenz

Kurzzeitig war der geheimnisvolle Blogger Salam Pax, der angeblich in Bagdad lebt und - wenn dies denn stimmt - wohl der einige Iraker wäre, der über das Internet aus der bombardierten Stadt berichtet. Am Freitag, den 21. März hatte er zuletzt berichtet, als er auf den Angriff der von Großbritannien gestarteten B-52-Bomber gewartet hat.

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Er berichtet, wie immer mehr mit Öl gefüllte Gräben angezündet worden sind. Dann kamen immer wieder Angriffe, auch ohne Sirenenwarnung. Die Bombardierung hatte er auch im Fernsehen - nicht im irakischen, sondern auf arabischen Sendern oder bei BBC - gesehen und erst am nächsten Tag sich draußen die Schäden angesehen:

"today my father and brother went out to see what happening in the city, they say that it does look that the hits were very precise but when the missiles and bombs explode they wreck havoc in the neighborhood where they fall. Houses near al-salam palace(where the minister Sahaf took journalist) have had all their windows broke, doors blown in and in one case a roof has caved in. I guess that is what is called 'collateral damage' and that makes it OK?"

Salam Pax - wer und wo immer er auch sein mag - ist jedenfalls weder ein Anhänger von Saddam Hussein noch einer der angreifenden Befreiungsarmee. Er wäre die einzige authentische Online-Stimme, die regelmäßig aus dem Land berichtet - auch das eigentlich höchst verwunderlich im Informationszeitalter, in dem sonst fast ausschließlich professionelle Beobachter die Welt mit Informationen zu versorgen scheinen. Dass er ein Propagandainstrument für eine Seite sein könnte, darf man bezweifeln, selbst wenn er die Berichte aus dem Zentrum von Bagdad nur fälschen würde. Und er hat Angst vor dem, was kommen könnte, wenn die Angreifer nicht so schnell siegen, sondern in Stadtkämpfe verstrickt werden:

"If Um Qasar (the port of Umm Qasr in the south) is so difficult to control what will happen when they get to Baghdad? It will turn uglier and this is very worrying."

Angeblich hat das Pentagon neben zahlreichen Flugblättern auch wieder Emails an die Iraker verschickt. Allerdings gibt es den Absender nicht an. Drei der Mails hätten sich an die Militärs gerichtet und zwei an die Öffentlichkeit. Hingewiesen werde in diesen auf die Frequenzen der amerikanischen Radiosendungen, vor allem auf "information radio".

Verraten will Salam Pax nicht, wer er ist. Das ist ganz verständlich, sollte er tatsächlich in Bagdad leben. Paul Boutin von Slate hat vor wenigen Tagen wenigstens einmal versucht herauszufinden, was sich herausfinden lässt, nachdem er auf eine Mail mit der Bitte um einen Beweis für seinen Aufenthaltsort eine abschlägige Antwort erhalten hat.

Salam, der sagt, er sei ein 29 Jahre alter Architekt, soll sich angeblich über den staatliche irakischen Provider Urukline über einen web-basierten Maildienst von New Musical Express verbinden. Aus den IP-Adressen seiner Mail-Headers hätte sich dies zwar nicht verifizieren lassen, aber sie würden dem auch nicht widersprechen. Boutin will sie aber nicht veröffentlichen. Über eine Whois- und Traceroute-Suche sei er bis zu Transtrum gekommen, das zu dem libanesischen ISP TerraNet gehört. Transtrum wiederum benutzt über die britische Firma SMS über eine Satellitenverbindung ebenso wie Uruklink mit dem Internet konnektiert.

Der Blog selbst wird von der blogspot.com in Kalifornien gehostet. Der Ableger von Google gibt allerdings die IP-Logs von Salam Pax nicht heraus. Boutin glaubt, dass er tatsächlich in Bagdad lebt, sagt aber, dass dies eine Glaubenssache bleibt. Und damit sind wir auch nicht viel schlauer, wer nun dieser geheimnisvolle Mensch ist, der aus den Tiefen des Internet seine Botschaften postet.

Sicherer ist jedenfalls, dass April Hurley vom Iraq Peace Team (Voices in the Wilderness) aus Bagdad berichtet. Sie sagt, es sei gegenwärtig nicht einfach, als Amerikanerin in einer Notaufnahme zu sein, wo die Verwundeten der Bombenangriffe wie die 13jährige Nada Adman eingeliefert werden: "I wish that George Bush was here with his answers to their outrage." Politisch argumentiert Hurley nicht, sie versucht, die Perspektive der Opfer wahrzunehmen, die sie sieht.

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14456/1.html
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