Hotel in Basra, in dem sich das Büro von al-Dschasira befindet, wurde beschossen

Florian Rötzer 02.04.2003

Wird das Problem des störenden Senders wieder nach der schon in Afghanistan vom US-Militär praktizierten Methode gelöst?

Wie schon während des Afghanistan-Krieges, als al-Dschasira als einziger Sender in Kabul eine Vertretung hatte und Bilder von Bombardierungen, aber auch Videos mit Bin Laden senden konnte, stieß der Sender aus Katar auch im Irak-Krieg durch seine Berichterstattung auf Kritik seitens der US-Regierung. Und möglicherweise hat man nun das Problem wieder mit derselben Methode zu lösen gesucht, wie man auch sonst politische Probleme angeht: militärisch.

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Im Afghanistan-Krieg verirrte sich eine amerikanische Präzisionsbombe und traf ausgerechnet das Büro von al-Dschasira in Kabul. Der Sender hatte nicht nur Bilder von amerikanischen und britischen Kriegsgefangenen gesendet, was die Militärs der Alliierten gar nicht mochten (Krieg der Bilder), die aber ungeniert zulassen, dass wie heute Bilder von irakischen Gefangenen um die Welt gehen, die gezwungen werden, sich nackt auszuziehen. Die Reporter von al-Dschasira, die sich in Basra aufhielten, hatten auch schnell eine der ersten Propagandalügen der Alliierten widerlegt, dass in Basra ein Aufstand stattfinden soll (Fallen der Propaganda). Und dann wurden auch noch schreckliche Bilder von verletzten und getöteten Erwachsenen und Kindern gezeigt, die den Bombardements zum Opfer fielen.

So macht man sich nicht beliebt und erntet man den Vorwurf, ein Sprachrohr des irakischen Regimes zu sein. Der Korrespondent des Senders wurde aus der Börse in New York ausgeschlossen, dann folgte auch noch ein offenbar gut angelegter Angriff auf die arabische und die eben erst eröffnete englischsprachige Website, die tageweise nicht mehr erreichbar waren. So wurde verhindert, wer dies auch immer gemacht haben mag, dass die Menschen aus aller Welt andere Informationen aus einem unterschiedlichen Blickwinkel erhalten konnten (Zensur im Internet). Jetzt startet der Sender sicherheitshalber überdies einen SMS-Nachrichtendienst.

Aber das hat alles noch nicht gereicht. Anscheinend wurde jetzt, wie der Sender berichtet, das Hotel, in dem sich die Mitarbeiter von al-Dschasira in Basra aufhielten, heute Vormittag beschossen. Das Hotel sei direkt von der Artillerie der Alliierten mit vier Granaten getroffen worden. Verletzt wurde niemand. Die Mitglieder des Fernsehteams waren die einzigen Gäste im Hotel.

Ein Sprecher des Senders sagte, dass man dem Pentagon alle wichtigen Informationen über seine Reporter mitgeteilt habe, die über den Krieg berichten. Dazu hatten auch die Adressen der Redaktionen in Basra, Mosul und Bagdad gehört. "Es ist nicht klar, ob der Beschuss ausschließlich auf das Sheraton-Hotel gerichtet gewesen ist", sagte ein Mitarbeiter des Senders, der die Situation als "sehr gefährlich" schilderte. Das zumindest ließe auch eine andere Interpretation zu.

Auch in Afghanistan waren die US-Militärs über den Ort des Redaktionsbüros informiert. Vermutlich wird man auch jetzt wieder wie bei anderen Bombardierungen sagen, bei denen es zivile Opfer gegeben hat, dass man dem Vorfall nachgehe, aber nichts Genaues wisse. Und dabei dürfte es auch erfahrungsgemäß bleiben. Als in Bagdad beispielsweise vor kurzem ein Markt bombardiert worden war, reagierte man im US-Hauptkommando so, dass man von einer Bombardierung nichts wisse und dies vermutlich irakische Luftabwehrraketen gewesen seien (Die andere Seite). Heute wurde eine Geburtsklinik in Bagdad getroffen. Es soll wieder Tote und Verletzte gegeben haben. Das Zentralkommando in Doha gab die übliche Mitteilung an die Presse:

"US Central Command is continuing its investigation into an allegation that Coalition aircraft bombed a Red Crescent maternity hospital in Baghdad, Iraq earlier today. Central Command officials are reviewing targeting data for Coalition air missions around the time of the alleged incident. Additional information will be released as it becomes available. Coalition forces target only legitimate military targets and go to great lengths to minimize civilian casualties and damage to civilian facilities."

Dass nur "legitime militärische Ziele" angegriffen werden, dürfte mit jeder Bombe, die - wie immer auch - daneben geht, stärker bezweifelt werden. Auch ansonsten ist der Umgang mit Journalisten auf der Seite der Alliierten nicht so ganz viel anders als auf der des irakischen Regimes, von dem man nichts anderes erwartet. Die Organisation Reporter ohne Grenzen rügt den Umgang der alliierten Truppen mit den Medienvertretern:

"Viele Journalisten sind unter Beschuss geraten, andere wurden festgenommen und mehrere Stunden lang verhört, und manche wurden von den Koalitionstruppen misshandelt, geschlagen und gedemütigt. Überdies wurde das Informationsministerium zweimal bombardiert, obwohl sich in ihm, wie jeder weiß, die Büros internationaler Medien befinden.

Besonders über das Verhalten gegenüber den nicht-eingebetteten Journalisten zeigte sich Ménard besorgt und forderte das Militär zu einer internen Untersuchung auf. Er verwies u.a. auf den Fall der Gefangennahme von zwei israelischen und zwei portugiesischen Journalisten am 25. März. Obgleich sie Presseausweise mit sich trugen, wurden sie bedroht, misshandelt und 36 Stunden festgehalten.

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14518/1.html
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