Im Inneren eines Asteroiden

Neuer Einblick in die Entstehung unseres Sonnensystems

Ein deutsch-französisches Wissenschaftler-Team hat die mineralogische Geschichte eines Steinmeteoriten genauer unter die Lupe genommen. Sie veröffentlichen in der neuesten Ausgabe des Magazins Nature ihre Ergebnisse.

Der Schichtenaufbau des Inneren eines Asteroiden, der an eine Zwiebel erinnert. Die H-Chondriten stammen vermutlich von einem Mutter-Asteroid. Sie werden je nach ihrer Zusammensetzung durch Nummern kategorisiert. H6-Chondriten stammen aus dem heißen Innern des Asteroiden, H3 aus der kühleren äußersten Schicht. Bild

Chondrite sind die häufigste Form der Steinmeteoriten, mehr als 85% der auf der Erde aufschlagenden Gesteinsbrocken gehören zu dieser Kategorie. Sie sind die ursprünglichsten Meteoriten, denn sie stammen aus der Zeit der Entstehung des Sonnensystems. Ihre Struktur und Zusammensetzung lässt Rückschlüsse auf ihren Entstehungsprozess zu, vor allem über Schmelztemperaturen und Abkühlgeschwindigkeiten.

Ein Teil von ihnen beinhaltet eine Menge Nickeleisen, deshalb werden sie nach der englischen Bezeichnung "High-Iron" H- Chondrite genannt. Sie werden durch Nummern in verschiedene petrologische Klassen unterteilt (vgl. H-Chondrite). In der Planetologie gibt es schon seit geraumer Zeit die Theorie, dass die H-Chondrite möglicherweise alle von einem Mutter-Asteroiden stammen.

Mario Trieloff (Mineralogisches Institut der Universität Heidelberg), Elmar Jessberger (Institut für Planetologie, Universität Münster), Ingrid Herrwerth (Max-Planck-Institut für Kernphysik), Jens Hopp (Mineralogisches Institut, Heidelberg) sowie Christine Fiéni, Marianne Ghélis, Michèle Bourot-Denise und Paul Pellas (Paris Muséum d'Histoire naturelle) haben nun einen tiefen Blick in die H-Chondrite geworfen und bestätigen diesen Ansatz. Das Team untersuchte Proben dieser Meteoriten und stellte fest, dass sie alle Bruchstücke eines Asteroiden sind und bei dessen Formung verschieden starker Hitze ausgesetzt waren.

Diese Erkenntnisse über die Kleinplanetenbildung gibt einen neuen Einblick in die Entstehung unseres Sonnensystems. Dieser Prozess begann vor nach der Bildung der Ursonne aus einer interstellaren Wolke aus Gas und Staub vor ungefähr 4,6 Milliarden Jahren. Die Sonne war inmitten dieser Wolke und um sie herum klumpte sich die Materie zu kleineren festen Körpern, den so genannten Planetesimalen zusammen, aus denen dann in der Folge auch die Planeten entstanden. Zwischen Mars und Jupiter kreisen aber immer noch kleinere Objekte, die Asteroiden. Diese kalten Gesteinsbrocken stoßen immer wieder zusammen, zerbrechen, werden aus ihrer Bahn geworfen und gehen dann im Zweifelsfall auch als Sternschnuppenschauer auf die Erde nieder (vgl. Crash im Asteroidengürtel).

Die Forscher untersuchten mithilfe der Thermochronometrie gezielt die Temperaturgeschichte der Meteoritenproben. Dabei fassten sie vor allem die Zerfallswärme verschiedener Isotopen ins Auge, die zu einer Aufheizung des Innern des Asteroiden geführt haben. Der Hauptautor, Mario Trieloff erklärt:

Unsere Forschungsergebnisse erlauben die detaillierte Rekonstruktion der Abkühlungsgeschichte eines Asteroiden im frühen Sonnensystem. Sie zeigen, dass die Zerfallswärme des kurzlebigen Isotops 26Al zur effektiven Erwärmung der Kleinplaneten geführt hat. Somit muss die Planetesimalbildung sehr schnell erfolgt sein.

Wir haben Meteoritengestein, das aus unterschiedlichen Tiefen eines solchen nicht aufgeschmolzenen Asteroidenstammt, mit verschiedenen hochpräzisen Datierungsmethoden untersucht, die den Zerfall der natürlichen radioaktivenIsotope 40K und 244Pu nutzen. Dadurch konnte die Abkühlgeschichte dieses Asteroiden detailliert rekonstruiertwerden. Es zeigte sich, dass die am stärksten - bis auf etwa 850°C - erhitzten Gesteine am längsten - etwa 160Millionen Jahre - zur Abkühlung bis auf etwa 120°C benötigten, also aus dem Zentrum des Körpers stammen.

Die Resultate der Gruppe bestätigen die aktuellen Theorie, dass sich die Planeten in den Staubhüllen unserer Sonne sehr schnell gebildet haben (vgl. Sterne aus Nebel geboren). Das gilt aber vermutlich nicht nur für unser Sonnensystem, sondern auch für allen anderen im Universum und bedeutet, dass Planetenbildung ein sehr wahrscheinliches sowie häufig vorkommendes kosmisches Phänomen rund um Sonnen ist.

Trieloff und Kollegen legen eine umfassende Aufschlüsselung der Temperaturgeschichte eines speziellenPlanetesimals vor, die sie aus den Eigenschaften der Meteoriten abgelesen haben, die einst in verschiedenenSchichten innerhalb dieses Asteroiden residierten. (...) Diese Forschungsarbeit ist ein posthumer Triumph desCo-Autors Paul Pellas, dessen Hauptlebenswerk in der Entwicklung der Fission-Track-Methode bestand,

kommentiert John Wood vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in seinem begleitenden News&Views-Artikel.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Kommentare lesen (11 Beiträge) mehr...
Anzeige

All-Blick auf Ort prähistorischer Katastrophe

Eindrucksvolle Bilder aus dem All lassen Ausmaß des Impacts erahnen - NASA stöberte Rand des Chicxulub-Kraters mittels früheren Shuttle-Radarmessdaten auf

Nicht entfernte Verwandte, sondern eng verbundene Vettern

Von Meteoren, Kometen und Asteroiden

Quaoar zeigt Pluto die rote Karte

Neue Vermessungen zeigen, dass der im Kuiper-Gürtel kreisende Quaoar das größte Objekt jenseits des Pluto ist

Kosmischer Airbag

Die Angst vor einem verheerenden Meteoriteneinschlag auf der Erde führte schon zu einer Menge bizarrer Ideen, die neueste ist ein gigantisches Weltraum-Kissen

Sancho beobachtet Hidalgo

Mit dem Projekt Don Quijote will die europäische Weltraumbehörde ESA die Möglichkeit testen, einen auf die Erde zurasenden Asteroiden aus seiner Bahn zu lenken

Meteoritenschauer in die Kinderstube der Erde

Neue Analysen von sehr altem Gestein beweisen, dass unser Planet vor fast vier Milliarden Jahren einem gewaltigen Meteoritenschauer ausgesetzt war

Entwarnung für 2019

Astronomen kritisieren die Medienaufregung nach der Meldung, dass nach ersten Berechnungen der Asteroid 2002 NT7 der Erde gefährlich nahe kommen könne

Myriaden kosmischer Zeitbomben tummeln sich zwischen Mars und Jupiter

Astronomen haben jetzt berechnet, dass im Asteroiden-Gürtel doppelt so viele Asteroiden treiben wie erwartet

Ein großer Asteroid flog heute nahe an der Erde vorbei

Entdeckt wurde der potenziell gefährliche Asteroid erst Ende Dezember, was nahe legt, dass aus dem Himmel immer einmal wieder gefährliche Überraschungen kommen könnten

Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige

Amok: Der ausschlaggebende Auslöser Antidepressiva?

Torsten Engelbrecht 12.09.2015

Der Psychiater David Healy zum "Medikamentenaspekt" des Amokflugs 4U95254 und bei Amokläufern

weiterlesen

"Independence Day: Wiederkehr": Zum Kern vorgedrungen

Warum man jeden neuen Emmerich-Film gesehen haben sollte

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.