Neue Aufgabe für den "führenden Islamophobiker"

10.04.2003

US-Präsident Bush nominiert Daniel Pipes in den Vorstand eines Washingtoner Think Tanks und löst damit heftige Proteste unter amerikanischen Muslimen aus

Man nennt ihn "Blitzableiter im Kampf gegen den Terror", "Muslim-Basher" oder gar die "Nemesis" des militanten Islam: Daniel Pipes (siehe Der Club der rechten Schlaumeier). Dem Direktor des Middle East Forums, gerngesehener Gastexperte im amerikanischen TV-Sender "Fox" und Autor zahlloser Schriften und Artikel über die "islamische Gefahr" ist jetzt von höchster Stelle eine weitere Aufgabe zugewiesen worden.

Daniel Pipes

Pipes soll auf Wunsch des US-Präsidenten den Nachfolgeposten für Zalmai Khalilzad, der momentan als Berater der US-Administration im Irak gebraucht wird, im Direktorium des US Institute of Peace antreten. Für die muslimische Vereinigung CAIR (Council on American Islamic Relations) ist das eine "unangemessene Auswahl" und ein "falsches Signal". Ob deren Proteste allerdings den amerikanischen Senat davon abhalten werden, die Wahl des Präsidenten zu bestätigen, ist sehr fraglich.

Das USIP (Institute of Peace) ist einer der zahllosen Washingtoner Think Tanks. Es beschreibt sich selbst als "unabhängige, überparteiliche föderale Organisation", die vom amerikanischen Kongress gegründet wurde, um "präventive Maßnahmen und die Organisation von friedlichen Lösungen für internationale Konflikte zu fördern". Zu diesem Zweck treffen sich die Mitglieder des Direktoriums sechs Mal im Jahr und bekommen dafür 400 Dollar am Tag, so die Washington Post.

Geld spielt bei der Vergabe dieses Postens allerdings nicht die Hauptrolle, selbst wenn die Washington Post darauf hinweist, dass dem Institut derzeit jedes politische Aufsehen äußerst unwillkommen sei, da man sich gerade inmitten einer Finanzierungskampagne befinde, um Spenden für das neue Hauptquartier in zentraler Lage in Washington zu sammeln.

Allerdings erregt die Berufung von Daniel Pipes Aufsehen. Es geht nicht um irgendeinen Job. Think Tanks - das Wort entstand übrigens während des zweiten Weltkriegs, als man für Wissenschaftler und Miltärplaner einen sicheren Raum zur Verfügung stellte, damit sie dort die besten Strategien ausklügeln konnten - haben in den Vereinigten Staaten großen Einfluss auf die Politik. Im Gegensatz zu ähnlichen Instituten in anderen Ländern, so der amerikanische Autor Donald E. Abelson nehmen sie direkt und indirekt am Gestaltungsprozess der Politik teil.

Dass der Einfluss amerikanischer Think Tanks gerade auf die Außenpolitik viel größer ist, als man das als Europäer vermutet, zeigt sich nicht zuletzt an dem politischen Werdegang von Richard Perle und anderen Neo-Cons in der gegenwärtigen US-Administration, die allesamt in enger Verbindung zu Washingtoner Think Tanks stehen. Auch der Vorgänger im Direktorium des USIP von Daniel Pipes, Zalmay Khalizad, bestätigt die eng verflochtene Zusammenarbeit zwischen Regierung und Think Tanks. Khalizad ist gebürtiger Afghane, kennt Wolfowitz aus den 80er Jahren, war Berater des Öl-Konzerns Unocal und verhandelte mit den Taliban, die er zunächst unterstützte, wechselte dann aber die Meinung, wurde von der Bush-Regierung in den National Security Council aufgenommen und arbeitete eng mit der Sichhersberaterin Rice zusammen. Anfang 2001 wurde er Sonderbeauftragter der Bush-Regierung für Afghanistan und arbeitet jetzt für die US-Administration an exponierter Stelle im Irak. Er fungiert als der Washingtoner Abgesandte, der für die Beziehungen zwischen der irakischen Opposition und der amerikanischen Regierung zuständig ist.

Daniel Pipes ist eine Reizfigur für die amerikanischen Muslimorganisationen, die er in einer für ihn typischen Wortwahl schon mal als "Osama Bin Ladens Truppen in Amerika" bezeichnet hat. Derartig provokante Klassifizierungen von muslimischen Aktivitäten finden sich en masse und in allen Härtegarden auf Pipes Web-Site. Pipes wittert den militanten Islam überall. Die von ihm iniitierte Web-Site Campus-Watch hat wegen der ursprünglich veröffentlichten schwarzen Liste von Professoren, die den militanten Islam mutmaßlich durch falsche Lehre unterstützen, für große Furore in den Medien gesorgt (siehe dazu Vergib niemals die Chance auf Sex oder einen Fernsehauftritt!).

Auch der Streit zwischen CAIR (Council on American Islamic Relations) und Pipes währt schon lange - natürlich bestens dokumentiert auf der Website des unermüdlichen Streiters für die gute Sache. CAIR erkennt in Pipes den "führenden Islamophobiker der USA" und kritisiert, dass die Berufung Pipes ein Signal in die falsche Richtung gebe; sie deute trotz aller gegenläufigen Äußerungen darauf hin, dass es den USA bei ihrem Kampf gegen den Terror doch um einen Kulturkampf gegen den Islam ginge.

Für Pipes sieht das anders aus:

Meine Position ist, dass der militante Islam das Problem ist und der moderate die Lösung.

Aber angenommen, alle Muslime dieser Welt würden sich dem Rat des neuen "Friedensdirektors" anschließen, ob Daniel Pipes dann noch so viel Spaß an seiner Arbeit hätte?

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