Bilderberg Group oder: Die große Weltverschwörung

21.04.2003

Der Journalist Jon Ronson zu Besuch bei politischen und religiösen Fanatikern

Sie stürzen die Welt ins Chaos, um aus der Asche ihre monströse Weltregierung zu errichten. Sie sind die geheime Elite der Welt, die den planetarischen Umsturz plant, die Neue Weltordnung - der Glaube an eine allumfassende Verschwörung ist fundamentalistischen Islamisten, amerikanischen Neonazis, Separatisten, den Mitgliedern des Ku Klux Klan und den waffenfanatischen Milizen in den USA gemein. Der in London lebende Journalist jüdischer Abstammung, Jon Ronson, hat sie und viele andere besucht: Omar Bakri Mohammed, der sich als Statthalter Bin Ladens in England bezeichnet hat; David Icke, Bestsellerautor und Verschwörungsguru; Thom Robb vom Ku Klux Klan; Big Jim Tucker, Bilderberg-Experte bei der inzwischen Pleite gegangenen Verschwörungszeitschrift The Spotlight.

Ronson hat diese Leute nicht nur besucht. Teilweise haben sie ihn tagelang an ihrem Alltag teilnehmen lassen, wohl in Hoffnung auf etwas Publicity. Im vorliegenden Buch, das im Januar 2003 als Paperback-Ausgabe erschienen ist, knüpft Ronson die Fäden seiner Eindrücke zurückhaltend und humorvoll zusammen - der Wahnsinn spricht für sich.

Herausgekommen ist eine bizarre Geschichte über politische und religiöse Fanatiker und die Suche nach dem geheimen Hinterzimmer der Weltverschwörung. Wir hören vom neuen PR-Image des rassistischen Ku Klux Klan und dass Echsenmenschen die Welt regieren, fanatische Muslime sammeln Geld für Hamas in Coca-Cola-Sammelbüchsen und ständig tauchen die Bilderberg-Meetings in Ronsons Gesprächen auf.

When I began hearing about the Bilderberg Group - about the notion that a tiny band of insidious and clandestine powermongers meet in a secret room from which they rule the world - I was sceptical.

Aber irgendwann wollte er es dann doch wissen. Also besuchte Ronson Big Jim und flog mit ihm nach Portugal, um die Jahreskonferenz 1999 unter die Lupe zu nehmen (Keine Angst vor den globalen Eliten). Hartnäckig schrieb er Bilderberg-Teilnehmer an und wurde schließlich von Dennis Healey zum Gespräch gebeten - Mitglied des steering committee und nach Ansicht von Ronsons extremistischen Bekannten "a secret ruler of the world himself". So beschrieb Healey die 1954 von ihm mit ins Leben gerufene Konferenz:

"To say we are striving for a one-world government is exaggerated but not wholly unfair. Those of us in Bilderberg felt we couldn't go on forever fighting one another for nothing and killing people and rendering millions homeless. So we felt that a single community throughout the world would be a good thing."

Darauf folgend findet sich die eine oder andere Bilderberg-Anekdote, die der Journalist in Gesprächen mit anderen Insidern noch zu hören bekommt. Außerdem, so einer von ihnen, werde Bilderberg völlig überschätzt - was einige Teilnehmer aber gar nicht so schlecht fänden.

Im letzten Kapitel des Buches erzählt Ronson, wie es ihm gelingt, sich am ersten Tag in das geheime, zweiwöchige Treffen namens "Bohemian Grove" einzuschleichen. Überraschenderweise ist es kaum abgesichert. Hunderte Vorstandschefs, Minister und andere Grossgewichte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst pinkeln wie zu College-Zeiten in die Büsche, tanzen herum und nach Sonnenuntergang gibt es zur Eröffnung eine rituelle Zeremonie, die sich um eine riesige Eule dreht.

Ronson beobachtet hier den schlimmsten Alptraum aller Verschwörungsparanoiker: die Weltelite trifft sich zu satanischen Ritualen. Zuletzt gibt Ronson dann doch noch eine Meinung ab: Bohemian Grove sei wohl nur ein harmloser Sommerurlaub, wenn auch etwas befremdlich. Wahrscheinlich ist Jon Ronson einer von ihnen.

Ein lesenswertes und ungewöhnliches Buch.

Jon Ronson: Them. Adventures with Extremists. Simon & Schuster, London / New York, 2003

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