Keine Lust auf Lauscher

Florian Rötzer 14.05.2003

Die Suche nach Signalen außerirdischer Intelligenz könnte nach Ansicht von zwei Physikern deshalb vergeblich sein, weil diese ihre Kommunikation vor neugierigen Augen und Ohren verbergen

Noch immer wissen wir nicht, ob wir als intelligente Wesen alleine im Universum sind. Trotz mancher unerschütterlicher UFO-Anhänger haben uns wohl bislang keine Außerirdischen besucht. Und mit den vorhandenen Mitteln sind auf der Suche nach Kommunikationssignalen außerirdischer intelligenter Lebewesen noch keine Funde zustande gekommen. Auch wenn mittlerweile mehr und mehr Planeten gefunden wurden und damit die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist, dass es sehr viele Planeten gibt, auf denen Leben entstanden sein könnte, bleibt die Frage, warum wir von außerirdischen Zivilisationen noch nichts gehört und gesehen haben, wenn es denn diese geben sollte.

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Ohne Wissen um die Herausforderung von Fermi hatte Frank Drake 1957 einmal im Rahmen seiner Beobachtung der Plejaden ein merkwürdiges Signal empfangen. Es stellte sich zwar schnell heraus, dass es von der Erde gekommen war, löste aber bei Drake die Vorstellung aus, dass es irgendwo im Weltall Wesen geben könne, die den Menschen Nachrichten senden, wir sie aber verpassen. Etwa gleichzeitig kam der Astronom Philip Morrison auf die selbe Idee, der dann zusammen mit Giuseppe Cocconi in Nature einen Artikel veröffentlichte, in dem die Möglichkeiten eines Funkkontaktes mit einer extraterrestrischen Intelligenz in einem Umkreis von 15 Lichtjahren um die Erde berechnet wurde. Sie schlugen vor, da das häufigste Element im Universum der Wasserstoff ist, den Frequenzbereich der von Wasserstoffatomen ausgehenden Strahlung abzuhören, da dies auch gut vom Rauschen der kosmischen Hintergrundstrahlung unterscheidbar sei.

Inzwischen hatte Drake mit dem Projekt OZMA schon begonnen, nach Signalen aus dem Weltall zu suchen. Für eine Tagung formulierte er dann eine Formel, nach der sich durch die Eingabe gewisser Werte abschätzen lässt, wie viele Zivilisation in der Galaxie mit anderen kommunizieren könnten. Zu dieser Drake-Formel gehören die Zahl der Sterne in der Galaxie, die Zahl der Planeten, auf denen es Leben geben kann, auf denen es tatsächlich entstanden ist und sich überdies intelligentes Leben entwickelt hat. Dazu kommt die Wahrscheinlichkeit, mit der solche Zivilisationen mit anderen über Radiowellen oder andere Mittel kommunizieren können. Wichtig ist schließlich auch die Lebensdauer solcher Zivilisationen, schließlich könnten diese, wenn wir ein Funksignal auffangen, das bereits einige Jahrtausende unterwegs war, bereits verschwunden sein oder sich selbst ausgelöscht haben.

Erst 1971 begann schließlich nach einer Studie der Nasa die ernsthafte SETI-Forschung. 1992 startete man in den USA sogar eine staatlich gut geförderte systematische Suche, die aber ein Jahr darauf schon wieder abgeblasen wurde, weil der Kongress dies nicht für wichtig erachtet und die Mittel gestrichen hatte. Die Suche wurde außerhalb der Nasa im Seti-Institut mit privaten Geldern von Förderern vorwiegend aus den Computerbranche weiter geführt. Seit 1998 wird dazu das Arecibo-Radioteleskop mitbenutzt. Und seit dem 17. Mai 1999 ist mit Seti@home eines der größten Projekte zum verteilten Rechnen gestartet, bei dem die vom Arecibo-Radioteleskop empfangenen Daten aufgeteilt und einzelne Pakete an diejenigen über das Internet versendet werden, die die Rechenzeit ihrer gerade nicht beschäftigten Computer zur Verfügung stellen, um diese nach "verdächtigen" Signalen zu durchsuchen. Doch auch dieser kollektive Lauschangriff mit fast 4,5 Millionen Helfern hat bislang noch zu keinen Entdeckungen geführt.

Nicht nur für scheue Aliens interessant

Also sind wir doch allein (oder taugen die Netze nichts, mit denen wir nach SETIs suchen)? Die Physiker Walter Simmons und Sandip Pakvasa von der Universität Hawaii haben nun, wie New Scientist in der Ausgabe vom 10. Mai berichtet, einen Vorschlag gemacht, dass es auch kommunizierende ETIs geben könnte, wenn wir keine Botschaften finden. Die ETIs wollen aus irgendwelchen Gründen nämlich nicht, so die Idee, dass andere intelligente Wesen ihre Botschaften, die sie zwischen den von ihnen bewohnten Planeten austauschen, abhören können.

Aus diesem Grund haben sie vielleicht aufgrund der Quantenmechanik und dem Unbestimmtheitsprinzip eine Kommunikationsmöglichkeit entwickelt, bei der die Signale sich von einem zufälligen Belauscher nicht vom kosmischen Hintergrundrauschen unterscheiden lassen. Ein Außenstehender soll auch nicht ausmachen können, woher die Signale stammen, falls sie doch entdeckt werden sollten. Nach Simmons und Pakvasa müsste dazu der Sender die Botschaft in Form von Lichtstrahlen nur aufteilen, so dass die Photonen in entgegengesetzten Richtungen zu Spiegeln geschickt werden, die sich weit entfernt vom Planet der Sender befinden. Die Spiegel leiten die Photonenströme schließlich an den Aufenthaltsort des Empfängers weiter, der die Botschaft wieder zusammenfügt, wobei dise nicht von der Reihenfolge oder dem Muster des Photonenstroms, sondern von deren räumlicher Position abhängt.

Beispielsweise, so Simmons und Pakvasa, könne man den Lichtstrahl von beiden Quellen durch eine Lochmaske leiten. Aufgrund der quantenmechanischen Prinzipien können nicht gleichzeitig Ort und Impuls gemessen werden. Würde also von einem außenstehenden Beobachter die Position der Photonen gemessen, so ließe sich deren Bewegungsrichtung nicht genau bestimmen. Selbst wenn also die Kommunikation entdeckt würde, könnte man nicht bestimmen, wo der Sender sich befindet: "Nur der Akt des Lesens der Botschaft macht es unmöglich, den Ausgangsort der beiden Strahlen zu bestimmen", sagte Simmons gegenüber New Scientist.

Überdies müsste man, um die Photonenstrahlen richtig kombinieren zu können, auch die Ankunftszeit der vom Sender aufgeteilten Photonenpaare genau kennen: "Solche Photonen sind vom Hintergrund der von den Sternen kommenden Photonen nicht zu unterscheiden, weil sie zeitlich sehr eng ankommen", erklärt Simmons, weswegen ein Belauscher sie vermutlich gar nicht entdecken könnte. Falls diese Kommunikationsmethode überhaupt funktionieren würde, wäre sie freilich nicht nur scheue und Privacy-süchtige Aliens, sondern auch für ganz menschliche Zwecke interessant. Schließlich wird der Weltraum mehr und mehr zu einem wichtigen Bestandteil von Kriegen.

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14795/1.html
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