Salam Pax bloggt wieder ...

Brigitte Zarzer 16.05.2003

...und gibt ein erstes Interview

Der mysteriöse Webblogger Salam Pax, der mit seinem Internet-Tagebuch aus Bagdad für weltweites Aufsehen und Rätselraten gab dem österreichischen Wochenmagazin Format ein erstes Interview nach dem Krieg.

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Vor etlichen Wochen bereits gelang es den Redakteuren, den geheimnisvollen irakischen Weblogger aufzuspüren. Dabei erhielten sie auch ein Foto. Allerdings hielt sich der junge Iraker damals noch sehr bedeckt. Nur mittels Augenbalken unkenntlich gemacht, durfte das Bild veröffentlicht werden. Kurz nach Kriegsausbruch war er dann wochenlang überhaupt von der virtuellen Bildfläche verschwunden. Viele seiner Fans befürchteten, er hätte die amerikanischen Angriffe vielleicht gar nicht überlebt.

Inzwischen schreibt er aber wieder im Web unter der altbekannten Adresse. Beispielsweise, dass eine Stunde Surfen in Bagdad 5 Dollar koste. Und er vermerkt verwundert, dass die Amerikaner offenbar keine guten oder gar keine Pläne für die Zeit nach dem Sturz vorbereitet hatten:

"American civil administration in Iraq is having a shortage of Bright ideas. I keep wondering what happened to the months of "preparation" for a "post-saddam" Iraq. What happened to all these 100-page reports, where is that Dick Cheney report? Why is every single issue treated like they have never thought it would come up? What's with the juggling of people and ideas about how to form that "interim government"? Why does it feel like they are using the [lets-try-this-lets-try-that] strategy? Trial and error on a whole country?"

Die Format-Redakteure Klaus Stimeder und Stefan Kaltenbrunner holten ihn sogar ans Telefon. Genauer gesagt ans Satellitentelefon. Denn Salam Al-G (den Nachnamen will er noch immer nicht abgedruckt sehen) ist immer noch in Bagdad. "Es geht mir sehr gut. Seit kurzem arbeite ich für eine NGO namens 'Kampagne für unschuldige zivile Opfer' (CICV). Manchmal leiste ich mit meinem Freund Raed Übersetzerdienste für Journalisten", erzählt er im Interview. Konfrontiert mit den Zweifeln die im Westen an der Echtheit seines Tagebuches meint er:

"Das Ganze war gefährlich und ich hatte einfach Glück. (...) Mein Glück war, dass sich im Irak anscheinend wirklich niemand, weder das Regime noch sonst jemand, ernsthaft darum kümmerte, was mich sehr überraschte. Andererseits: Es gibt nicht viele Iraker, die Zugang zum Internet haben, und in meinem Land hat die Geschichte ja kaum einer mitbekommen. Außerdem schrieb ich auf Englisch - wenn ich auf Arabisch geschrieben hätte, wäre es wahrscheinlich leichter herauszufinden gewesen, wer ich bin."

Von seinen virtuellen "Umtrieben" wussten bis kurz vor Kriegsende nicht einmal seine Eltern. Lediglich sein Bruder und einige Freunde in den USA und in Österreich, wo der junge Architekt einige Jahre studiert hatte, waren eingeweiht.

Im Moment sieht er keine unmittelbare Gefahr für sein Leben. Hundertprozentig sicher ist er sich allerdings nicht. Auch wenn er "viele schreckliche Dinge" gesehen hat, seit er bei CIVC begonnen hat zu arbeiten, will er auf jeden Fall in Bagdad bleiben und "an dem teilhaben, was jetzt im Irak passiert".

Es ist "eine spannende Zeit, es gibt keine Gesetze, jeder macht was er will. Alle haben einen Bürgerkrieg erwartet, aber bis jetzt sieht es nicht danach aus. Tatsächlich ist die Situation viel besser, als sich das vor dem Krieg alle vorgestellt haben."

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14817/1.html
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