Wie man mit dem Nichts Erfolg haben kann

Ernst Corinth 28.05.2003

Eine talentfreie Band erobert die Pop-Charts

Wer nichts wird, wird Wirt. Das war gestern. Heute wird man, wenn man nichts wird und vor allem nichts kann, Nixer. So nennt sich jedenfalls eine vierköpfige Band aus jungen Leuten, die weder singen, musizieren noch tanzen können. Und die dennoch eine CD aufgenommen haben, auf der außer dem Einzählen "one, two, three, four" und ein paar Hintergrundgeräuschen gut drei Minuten lang nichts zu hören ist. Gleichwohl ist ihre Platte sofort nach ihrer Veröffentlichung rund 3000 Mal verkauft worden, was in der vergangenen Woche für Platz 73 der Single-Charts ausgereicht hat. Und weil in diesen Tagen zum musikalischen Nichts von Nixer noch ein Video auf den Markt kommt, wird ihr Song "Nix" in den Hitparaden womöglich noch weiter steigen.

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Einfach geil! So schön entspannend...so ruhig...so lange Lieder. Noch nie konnte man eine CD so laut anhören. Man kann die Anlage voll aufdrehen, ohne dass es wehtut! Einfach kaufen und so in die Charts damit!

Kein Daniel-Gejaule, kein Alex-Geschmachte. In den Nuancen perfekt ausgearbeitet, lässt diese Produktion keinerlei Wünsche unbefriedigt. Die superbe Dynamik und die brilliant-tranparente Klangfärbung schmeicheln dem audiophilen Ohr. Die Hookline hat definitiv Ohrwurmcharakter, der Groove packt einen sofort und sorgt für einen geballten Bewegungsdrang im Bereich der Extremitäten. Selten eine derartig gute Produktion gehört.

Ausgedacht hat sich Nixer der Radiosender Project 89.0 Digital, der Anfang des Jahres unter dem Motto "Schluss mit geleckten Kunststars, keine Chance für Möchtegern-Popsternchen" völlig talentfreie Leute gesucht hat. Rund 3.500 haben sich gemeldet und in einem Ausscheidungswettkampf beweisen müssen, dass sie absolut nichts können. Als Gewinner dieses Loser-Wettstreites sind Marco, Markus, Christian und Stephan ermittelt worden, die nun auf einer zwanghaft humorvollen Website als "definitiv unfähigste Band der Musikgeschichte" präsentiert werden. Und für die nötige Aufmerksamkeit hat schließlich der Sender selbst gesorgt, indem er in seinem Programm ununterbrochen für die CD der Band geworben hat.

Dass man aus dem Nichts und mit dem Nichts Geld verdienen kann, ist allerdings nichts Neues. Schließlich versteht sich diese Aktion nicht nur als Parodie auf Casting-Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS), sondern sie arbeitet - wenn auch eher kleinformatig - mit den gleichen Mitteln. Und bei allem Nichtskönnen haben die Nixer im Vergleich zu den ähnlich talentfreien DSDS-Sangeskünstlern ja immerhin einen entscheidenden Vorteil: Wer aus welchen komischen Gründen auch immer ihre CD kauft, der wird zumindest nicht akustisch zugemüllt. Und das ist dann doch mehr als nichts.

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14894/1.html
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