Antisemitismus in Israel

25.06.2003

Erstmals ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine Website von Exilrussen in Israel

Antisemitismus gibt es nicht nur außerhalb Israels. In den letzten Jahren sind aus den GUS-Staaten um die eine Million jüdischstämmige Menschen in das Land eingewandert, die oft nur wenig oder gar nichts mit der jüdischen Kultur und Religion zu tun haben. Jetzt ermittelt Generalstaatsanwalt Elyakim Rubinstein gegen die in Israel lebenden Betreiber einer rassistischen Website, die gegen Juden und Araber gerichtet ist.

Auch wenn letztes Jahr erstmals mehr Juden nach Deutschland als nach Israel von den ehemaligen GUS-Staaten eingewandert sind (Renaissance der jüdischen Kultur in Deutschland?), so hat Israel nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aufgrund des Rückkehrgesetzes die Chance ergriffen, möglichst viele Auswanderer aus dieser Region anzuwerben und aufzunehmen. Man hat Angst, demographisch allmählich gegenüber den Arabern in die Minderheit zu geraten. Allerdings haben sich viele der eingewanderten Menschen aus den GUS-Staaten nicht als Juden verstanden. Manche haben auch ihre Papiere gefälscht, um ausreisen zu können. Israel ist für manche nur eine Option für ein womöglich besseres Leben gewesen, während sie mit der jüdischen Kultur nicht viel zu tun haben.

Mit dieser Einwanderung hat sich der Antisemitismus in Israel verstärkt. Es gibt Skinheads, Bücher werden verkauft, die den Holocaust leugnen, Synagogen oder Friedhöfe werden von Vandalen beschädigt und mit Hakenkreuzen beschmiert, gelegentlich kommt es auch zu Gewalt. Rabbi Zalman Gilichinsky, auch ein Einwanderer, der aus Russland stammt, hat bereits vor drei Jahren ein Informationszentrum für die Opfer des Antisemitismus in Israel gegründet und Hunderte von Vorfällen dokumentiert, die man anderen Orts als antisemitisch bezeichnen würde.

In jeder Stadt in Israel gibt es diese antisemitischen Gruppen. Es sind meist Jugendliche. Ich mache die Regierung verantwortlich, weil sie die Einwanderung von Familien fördert, die keine Nähe zum Judaismus oder zu Israel verspüren. Viele neue Einwanderer mussten zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sie mit antisemitischen Belästigungen und Beschimpfungen von Nicht-Juden konfrontiert werden, die aus der ehemaligen Sowjetunion gekommen sind. Sie hatten gehofft, dem Antisemitismus zu entfliehen oder wenigstens vor ihm beschützt zu werden, wenn sie nach Israel kommen.

Die Regierung hat sich dem bislang nicht angenommen. Das Thema ist auch in Israel heiß, denn damit geht es um die Einwanderungsgesetze, die Integrationspolitik und um die Ablehnung, die sich auch in Israel gegen russische Einwanderer richtet. Der Antisemitismus werde benutzt, so warnt etwa die Anti-Defamation League (ADL), um das politische Recht auf Einwanderung zu beschränken. Die ADL bezieht sich auf einen von Lily Galili geschriebenen Haaretz-Artikel vom 23. Mai, in dem erstmals auf die Website hingewiesen und eine Verbindung mit dem Rückkehrgesetz und dem "Bevölkerungswahnsinn" hergestellt wurde: "Vor allem muss die Beschäftigung mit dem Phänomen (des Antisemitismus) mit dem Bevölkerungswahn beginnen, wonach jeder hier willkommen ist, wenn er nur kein Araber ist. Selbst wenn er den Staat hasst, selbst wenn er die Juden hasst, wird er als ein positiver Beitrag für die Bedürfnisse des demographischen Zählung betrachtet."

Die Website von russischen Einwanderern, die seit kurzem online gestellt wurde, hat nun wohl das Phänomen überdeutlich gemacht, so dass die Staatsanwaltschaft, wie Haaretz berichtet, Ermittlungen gegen ihre Betreiber eingeleitet hat. Die Beschuldigung: Aufruf zur Gewalt, Rassismus und Leugnung des Holocaust.

Die Betreiber nennen sich Ilja aus Haifa und Andreji aus Aarad und verstehen sich als Aktivisten der Organisation "Die Weiße Israelitische Vereinigung". Auf Bildern werden Mitglieder in Armeeuniformen gezeigt, die den Hitlergruß ausführen. Sich selbst beschreiben sich als "Menschen, die stolz auf sich sind und nicht mehr unter den dreckigen Bastards leben wollen". Als ihre "Feinde" geben sie die Juden, die Araber, die Einwanderer aus den muslimischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die Marokkaner oder die Fremdarbeiter an. Es handelt sich offenbar in Wirklichkeit um russische Rassisten, die sich allen anderen Menschen überlegen fühlen. Als Tipp wird empfohlen, zur Armee in eine Kampfeinheit zu gehen, weil man dort Waffen bekommt, mit denen man dann auf die Feinde schießen kann. Überdies gibt es eine Sektion auf der Website mit Witzen über Juden in Konzentrationslagern, eine Liste mit Läden, die Bücher verkaufen, in denen der Holocaust geleugnet wird oder andere Nazi-Themen behandelt werden.

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