Unten am Fluss

Michaela Simon 26.06.2003

US-Soldaten baden im Pool der irakischen Olympioniken; Schwimmtraining muss deshalb im Tigris stattfinden

"Kann man sich vorstellen, dass dies irgendwer gewollt hat, jemand, der sogar mit guten Absichten in den Krieg gezogen sein mag? Ein Land, in dem alle Kinder nach Benzin riechen? Ein Land, in dem sich nur Fliegen wohlfühlen?", fragt Euan Ferguson in seinem traurigen Bagdad-Portrait "A latte - and a rifle to go" im britischen Observer

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"Wir sind keine Kolonialisten", sagt der überzeugte Patriot und "Quiet American" im gleichnamigen Film. Einstweilen stinkt es in Bagdad nicht nur nach Dreck und Benzin, sondern, und das ist das Schlimmste, nach Demütigung. Ein Beispiel dafür ist eine eigenwillige Variante des Wasserproblems (vgl. Der große Durst): Die irakische Mannschaft trainiert im trüben Tigris für die Schwimmweltmeisterschaft in Barcelona, weil planschende US-Truppen das einzige große Schwimmbecken der Stadt für ihren Freizeitspaß brauchen.

Das 12köpfige Team der Iraker, welches nach dem Radau, der auf den Krieg folgte, einen Monat lang arbeitete, um seinen Pool zu reinigen und zu reparieren, darf ihn, so ein Bericht von Middle East Online, morgens von 6 bis 8 Uhr betreten. In der restlichen Zeit baden die Soldaten.

Der "al-Qadissiya" Pool hat die erforderlichen olympischen Maße und ist als einziges wettkampftaugliches Becken das Zentrum des irakischen Schwimmvereins.

In einem Fluss zu trainieren, das ist etwas ganz anderes als in einem Swimmingpool. Es gibt keinen Beckenrand für die Wenden, das Wasser ist zu unruhig für regelmäßige Bewegungen und der Druck des Wassers auf den Körper ist ein ganz anderer. So wird es für uns besonders schwierig, gegen die weltbesten Schwimmer anzutreten.

In Berlin ist das Bäderangebot dieses Jahr ja auch recht mau (vgl. Pack das Vorhängeschloss ein), dennoch kann man sich kaum vorstellen, was los wäre, wenn Franzi Almsick in der Spree trainieren müsste.

Jaffar bittet nun das internationale olympische Komitee, ob es die US-Truppen nicht aus dem Becken vertreiben könne. Vielleicht mit Wasserbomben? "Wir sind Fremde in unserem eigenen Land geworden", klagt einer der irakischen Schwimmer. Auch das Fußball- und das Basketballstadion seien von den Befreiern übernommen worden. Ihnen und den Fliegen wird nicht langweilig werden in Bagdad.

Möglicherweise ist der Artikel von Middle East Online aber auch etwas einseitig: Ein Bericht von MSNBC News malt zeitgleich ein idyllisches Bild von einem Freundschaftsspiel im nationalen Fußballstadion von Bagdad, bei dem die irakischen Kicker, entfesselt von der Euphorie der Befreiten, 11:0 gegen US-amerikanische Soldaten gewonnen haben.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15072/1.html
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