Umweltschutz light
Der wachsende private und öffentliche Konsum in den Industrieländern geht vor allem zu Lasten von Mensch und Umwelt im Süden - trotzdem ist Umweltschutz auch ein Werbeträger
Günther Jauch wuchtet einen Bierkasten nach dem anderen auf den Einkaufswagen, Marke Krombacher. "So setze ich mich für den Regenwald ein", freut sich der nach einer Forsa-Umfrage beliebteste TV-Moderator Deutschlands. Bier? Regenwald? Der TV-Spot liefert umgehend die Erklärung: Für jeden verkauften Kasten Krombacher fließt derzeit eine Spende in ein Umweltschutzprojekt in Zentralafrika.
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Neben der nordrhein-westfälischen Brauerei verbessert die Umweltschutzorganisation WWF und der Internetservice Web.de die Welt, oder zumindest ein kleines Stück von ihr. Genau genommen ein Quadratmeter. Als "eine der erfolgreichsten Aktionen zum Schutz des Regenwalds" bewerben die drei Bündnispartner ihr Regenwaldprojekt in der zentralafrikanischen Region Dzanga Sangha. Der Vorteil ist, dass jeder mitmachen kann. Um den "für uns und alle nachfolgenden Generationen wichtigen Lebensraum" (Presseerklärung) zu bewahren, muss man lediglich ein Konto bei Web.de eröffnen und dabei Krombacher trinken. In beiden Fällen bekommt der WWF für sein Schutzprojekt eine Spende, durch die künftig je ein Quadratmeter Urwald unter Schutz stehen soll.
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Informationen über die Höhe der Finanzspritze sucht man auf den entsprechenden Internetseiten bei Web.de ebenso vergebens wie Details über das Schutzprojekt. Krombacher hat die Informationen auf den unter seine Verantwortung fallenden Seiten inzwischen verbessert, nachdem es aufgrund der mangelhaften Informationen rechtliche Probleme gab. Dem guten Gefühl, etwas getan zu haben, soll das offenbar keinen Abbruch tun.
"Image-Leih" heißt übersetzt der Fachbegriff für die dahinter verborgene Werbestrategie. Aus der Kooperation zwischen renommierten Sozial- oder Umweltschutzorganisationen mit Privatkonzernen sollen beide Seiten Nutzen ziehen. Im Fall des "Regenwaldprojektes" werben Krombacher und Web.de mit dem guten Image des WWF und dessen bekanntem Pandabär-Logo. Die Umweltschutzorganisation streicht die Spenden ein.
"Eine solche Aktion hat Vor- und Nachteile", meint Christine Markgraf vom Bund Naturschutz. Natürlich müsse sich im Konsumverhalten in den Industriestaaten grundsätzlich etwas ändern: "Bis es soweit ist, arbeiten viele Organisationen aber an solchen konkreten Projekten." Dahinter stecke immer auch die Absicht, die eigenen Ziele in die Öffentlichkeit zu tragen. Dass Sponsoring in den vergangene Jahren zugenommen hat, führt die Umweltschutzexpertin auf die finanzielle Situation in der Branche zurück: "Viele Umweltschutzorganisationen haben immer weniger Geld zur Verfügung und versuchen ihre desolate Kassenlage so zu verbessern".
Markgraf erinnert sich an ein Seminar vor einigen Jahren, zu dem sich Umweltschützer und Werbefachleute in Süddeutschland zum Thema "Werbung im Outdoorsport" getroffen hatten. Damals beschrieb ausgerechnet der Vertreter einer Werbeagentur das Problem mit prägnanten Worten: "Der Naturschutz versucht, dem Verbraucher ein schlechtes Gewissen einzureden", hatte Richard Ebert den Gästen vorgetragen. Aufgabe der Werbung sei es, das Produkt zu vermarkten, "nicht mehr und nicht weniger".
Kurz nachgerechnet hat übrigens Lars Trebing. Er schreibt auf seiner Internetseite:
Im Grunde scheint das Ganze nur aus einem Grund zu funktionieren
Dass sich einflussreiche Umweltschutzorganisationen mitunter trotzdem mit Großkonzernen in ein Boot setzen, verwundert den Politologen und Globalisierungsforscher Ulrich Brand von der Universität Kassel nicht. Organisationen wie der WWF hätten aufgrund ihres Verständnisses von Naturschutz schließlich "wenig Probleme mit kapitalistischer Globalisierung, Macht- und Herrschaftsfragen". Die Hauptsache für sie ist, den Planet zu retten. Der grundsätzliche Fehler, den der Großteil dieser Organisationen mache, sei die Trennung von Natur und Gesellschaft, sagt Brand, "denn beide sind der neoliberalen Verwertungslogik ausgesetzt".
http://www.heise.de/tp/artikel/15/15086/1.html- krabben (30.6.2003 20:13)
- Kann nur Zustimmen: Besser nicht, als was Schlechtes [kT] (30.6.2003 15:21)
- d.h.: (30.6.2003 14:46)
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