Beispiel USA: Die Reichen werden reicher ...

Florian Rötzer 27.06.2003

... und zahlen dafür weniger Steuern

Die Kluft zwischen den Armen und Reichen geht immer weiter auf. Das ist auf der ganzen Welt so, das stimmt für Deutschland, aber auch für die USA, für viele das Vorbild einer kapitalistischen Gesellschaft, wie sie sein sollte. Widerstand gegen die Plutokratie der Reichen, die immer reicher werden, dafür aber auch immer weniger Steuern zahlen, gibt es kaum. Die Angst ist groß, dass die Reichen mit ihren Steuergeldern in der globalen Konkurrenz der Standorte einfach in ein anderes Land abwandern, das sie gerne unter besseren Bedingungen aufnimmt. Eine Möglichkeit, die der Mehrzahl der Menschen nicht ohne weiteres offen steht.

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In den USA hat der Internal Revenue Service (IRS) die neuesten Zahlen über die 400 reichsten Steuerzahler des Landes vorgelegt. Der Stand der Zahlen stammt zwar aus dem Jahr 2000 und ist so nicht mehr der neueste, doch der Trend scheint ziemlich deutlich zu sein. Die Namen dieser Reichen werden vom IRS nicht mitgeteilt.

Die 400 reichsten Steuerzahler - man beachte die Einschränkung, denn es muss sich nicht um die reichsten Amerikaner handeln - haben 1,1 Prozent des gesamten Einkommens in den USA im Jahr 2000 verdient. Das ist mehr als doppelt so viel als noch im Jahr 1992. Im Durchschnitt verdiente man 174 Millionen Dollar jährlich, vier Mal so viel als 1992 (46,8 Millionen). Um auf die Liste zu gelangen, musste man mindestens 86,8 Millionen verdient haben. 1992 waren nur 24 Millionen erforderlich. Manche hatten im Noch-Boom-Jahr 2000 auch über eine Milliarde Dollar verdient, niemand jedoch mehr als 10 Milliarden. Während der 9 Jahre sind die Einkommen der 400 reichsten Steuerzahler um das Fünfzehnfache gestiegen, das Einkommen der unteren 90 Prozent hingegen nur um 17 Prozent auf 27.000 Dollar im Jahr 2000.

Mit den Steuern sieht es ein wenig anders aus. Hatten die seinerzeit 400 reichsten Steuerzahler im Jahr 1992 ein Prozent aller Steuern gezahlt, so waren es 2000 1,6 Prozent. Sie mussten also im Vergleich zu ihrem wachsenden Einkommen nicht auch entsprechend mehr Steuern zahlen. Tatsächlich ging die Besteuerung der Großverdiener erheblich zurück. Hatten sie 1992 26,4 Prozent oder 1995 gar 29,9 Prozent gezahlt, so waren es 2000 nur noch 22,3 Prozent. Wären die Steuererleichterungen, die die Regierung Bush beschlossen hat, damals schon in Kraft gewesen, hätten sie nur noch 17,5 Prozent gezahlt und damit ein Fünftel gespart.

Das sind doch erhebliche Steuervorteile, die die US-Regierung auch im Vorblick auf die nächsten Wahlen den Reichen gewährt - und sich dadurch auch höhere Spenden für den Wahlkampf erhofft. Nach Berechnungen von Citizens for Tax Justice (CTJ) kann die Hälfte der US-Bevölkerung durch die Steuerkürzungen, die vornehmlich Kapitaleinnahmen betreffen, gerade einmal erwarten, jährlich 19 Dollar weniger zu zahlen. Kapitaleinkünfte machen 64 Prozent des Einkommens der 400 reichsten Steuerzahler - doppelt so viel als noch 1992 - aus. Löhne nur noch 16,7 Prozent. Während die reichsten Amerikaner durchschnittlich 96.000 Dollar die nächsten vier Jahre weniger zahlen müssen, sind es für die unteren 60 Prozent 350 Dollar. Das variiert von Staat zu Staat, aber auch hier ist das Prinzip gleich: In den reicheren Staaten müssen die Menschen mit der Steuerreform weniger zahlen als in den ärmeren.

Zudem gibt es nicht nur immer mehr Unternehmen, die trotz sinkender Besteuerung in Steueroasen wie die Bahamas auswandern, sondern auch Reiche, die nirgendwo Steuern zahlen. Im Jahr 2000 gab es 2.022 Amerikaner mit einem jährlichen Einkommen von über 200.000 Dollar, die gewissermaßen steuerfrei leben. 1977, als diese Erhebung zuerst durchgeführt wurde, waren es nur 37.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15088/1.html
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