Einfach ein bisschen besser machen

Harald Neuber 30.06.2003

Der Kongress "McPlanet.com" zog am Wochenende 1.300 Umweltschützer und Globalisierungskritiker in die TU Berlin

Walden Bello, der Soziologe von der "University of the Philippines" hatte schon zu Beginn des Kongresses deutlich gemacht, dass Illusionen über die Kompromissbereitschaft von Konzernen und Wirtschaftsmächten fehl am Platz seien. Als die Welthandelsorganisation WTO 1995 gegründet wurde, sagte Bello in seiner Eröffnungsrede, hatten auch soziale Organisationen noch Hoffnung auf einen Interessenausgleich zwischen Nord und Süd. Schnell aber seien die wahren Machtstrukturen zutage getreten. Schon vier Jahre später hatte sich die WTO ins Abseits befördert: 1999 fanden gegen sie die ersten Massenproteste im US-amerikanischen Seattle statt.

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Auswirkungen auf die Konzepte von Umweltschützern und Globalisierungskritikern hatte Bellos Kritik nicht. Weit verbreitet war auf dem Kongress McPlanet.com - Umwelt in der Globalisierungsfalle die Vorstellung, mit Kompromissen die globalen Probleme lösen zu können. Der Anspruch jedenfalls war es, "Auswege aus der Globalisierungsfalle" zu finden. Denn die tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen hätten ebenso Folgen für Klima, Urwälder, Lebensmittel und Trinkwasser.

Ohne Zweifel war eine Diskussion zwischen beiden Bewegungen lange notwendig. Das Interesse gab den Veranstaltern recht: In über einhundert Foren und Arbeitsgruppen entwarfen Vertreter beider Bewegungen gemeinsame Strategien und stritten über unterschiedliche Analysen. Mehr als 40 Organisationen und Institutionen boten Arbeitsgruppen an. Das Treffen zu Stande gebracht zu haben, ist damit ein klarer Verdienst des Trägerkreises aus ATTAC, dem Bund für Umwelt und Naturschutz, Greenpeace, der Heinrich Böll Stiftung und dem Wuppertaler Institut für Klima Umwelt und Energie.

Und doch gab es wenig Neues: Debatten wurden etwa um die Frage geführt, ob Konsum im Norden eingeschränkt werden müsse. Eine Erklärung der strukturellen Ursachen des belastenden Konsumanstiegs in den Industriestaaten blieb aus, dafür gab es gleich Lösungsvorschläge: Konsumbegrenzung, Eigenverantwortung und gegenseitige Kontrolle. Für den Politologen Ulrich Brand vom Lehrstuhl "Globalisierung und Politik" der Universität Gesamthochschule Kassel ist das nachvollziehbar. Was sich enger an der alltäglichen Wahrnehmung der Menschen orientiere, lasse sich ihnen besser vermitteln. Konkret bedeutet das: Reformen sind vorstellbar, für strukturelle Änderungen finden sich schwerer Anhänger. "Man will mit Druck von unten öffentliche Diskurse beeinflussen und damit zentrale Kräfteverhältnisse beeinflussen", so Brands Kritik.

Der Politologe befürchtet einen Teufelskreis in den Reformismus. Weil radikale Positionen schwerer zu vermitteln sind, kämen sie auch in den Medien seltener zu Wort. Das wirke sich dann wieder auf die Bewegungen aus. Eine Zeitschrift wie der "Spiegel" etwa versuche, die globalisierungskritischen Bewegungen als homogene Modernisierungsbewegung darzustellen. Forderungen wie die Einführung der Tobinsteuer würden transportiert, "weil sie auf eine Stabilisierung dieses grundsätzlich ungerechten Systems abzielen".

Ein Beispiel bot am Wochenende in Berlin die Diskussion über "Konzerne, Regeln, globale Märkte", in der Peter Knoedel für die British Petroleum Deutschland "Fehler" eingestand und vor Umweltschützern und Globalisierungskritikern um eine "zweite Chance" bat. Die Vertreterin des indischen "Zentrum für soziale Märkte" hörte ein solches (Lippen-)Bekenntnis gern, denn "der Markt ist eine soziale Institution, in der alle Beteiligten verantwortlich handeln müssen".

Gäste, die konkretere Erfahrungen mit der "Eigenverantwortung multinationaler Konzerne" und "kritischem Dialog" gemacht haben, erteilten allen Politromantizismen eine klare Absage: "Nicht das Kaufverhalten der Verbraucher - ob im Norden oder Süden - wird etwas ändern, sondern einzig die Möglichkeit, die Konzerne bei Fehlverhalten zu verklagen", sagte der nigerianische Umweltschützer Oronto Douglas in seinem Vortrag über die Politik des Ölmultis Shell in seinem Land.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15100/1.html
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