Herr oder Frau Tux sollen Fernsehgebühren zahlen

01.07.2003

Ein zusätzlicher Name am Klingelschild eines Linux-Fans aktiviert die GEZ

Die Diskussion über die geplante Erhöhung der Rundfunkgebühr nervt. Einerseits ist es unwahrscheinlich, dass ein Ministerpräsident den Erhöhungsautomatismus durchbricht, andererseits ist klar, was ARD und ZDF unter Grundversorgung verstehen und finanzieren wollen: ZDF-Freizeitpark in Mainz, Webportale, Bundesliga, Spielshows und Musikantenstadl. Nervig sind auch die Belästigungen der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) aus Köln. Zum einem die Werbung, die natürlich aus dem Topf Rundfunkgebühren, finanziert wird, zum anderem die Kontrolleure, die Bürger mit Hausbesuchen belästigen und die Klingelschilder abscannen.

Auf der Webseite der GEZ heißt es dazu: "Die GEZ setzt in einer Reihe von Städten und Regionen verstärkt Rundfunkgebühren-Beauftragte ein, die die Haushalte besuchen werden. Schwerpunkt der Tätigkeit ... sind die bisher nicht bei der GEZ gemeldeten Haushalte."

Tux, ein Pinguin, ist das Maskottchen von Linux. Und ein Linux-Computer-Fan schlürft seinen Kaffee aus einer Tux-Tasse, kuschelt bekleidet mit einem Tux-Pyjama, je nach seiner Größe, mit einem Plüsch-Tux Außerdem benennt er alles mit Tux. Unter Tux@meine-seite.de erreichen ihn Emails, Tux-Eingang ist der Router, Tux-Home sein privates Verzeichnis.

Einige Computer-Linux-Freaks sind in der glücklichen Lage und verfügen über freie Dachböden, Kellerräume (meist die Partykeller aus den 70ern und 80ern der Eltern) oder beheizbare Garagen und müssen nicht ihr Homenetwork in Schlaf-, Kinder- und Wohnzimmer aufbauen und administrieren. Aber diese Örtlichkeiten sind meist nicht in hörweite der Wohnungsglocke bzw. des Türgongs.

Doch Computer-Linux-Freaks besitzen die Fähigkeit, mit Hardware umzugehen. Sie verlegen eine neue Benachrichtigungseinrichtung für ihre Freunde aus der wohnörtlichen Linux-User-Group und der Klingelknopf ist meist über- oder unterhalb ihrer Wohnungsklingel. Beschriftet wird dieser natürlich nicht mit Gartenhaus, sondern mit Tux. Und da Computer-Linux-Fans nur so von Phantasie strotzen, gibt es natürlich einen Vornamen. Suse Tux zum Beispiel.

Klingt wie Lisa Müller und schon erkennt der GEZ-Kontrolleur, wie jüngst in Braunschweig, wo es um "Rahim Tux" ging, einen zahlungsfähigen Untermieter des Linux-Fans und unterstellt unbezahlten Hör- und Sehgenuss. Das Anmeldeverfahren beginnt automatisch und wird zum Selbstläufer, einschließlich Mahnungen. Denn die GEZ wertet Suse Tux als Decknamen und erwartet die Beweispflicht von dem von ihr ausgemachten Schwarzseher. Wenn es den nicht gibt, muss der Schöpfer des Decknamens, so die GEZ, eben ran.

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