Der inszenierte Terrorismus

01.07.2003

Querdenker in Sachen 9/11 treffen sich erstmals zum Gedankenaustausch

Nach wie vor gilt: Wir wissen heute, fast zwei Jahre nach dem 11. September 2001, kaum mehr als 48 Stunden nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Natürlich gibt es eine offizielle Version der Ereignisse. Demnach stecken Osama Bin Laden und seine Terrororganisation al-Qaida hinter den Anschlägen. Als Beweis bzw. als Eingeständnis seiner Schuld gilt nicht zuletzt ein Video, das die amerikanische Regierung im Dezember 2001 der Welt präsentierte.

Schaut und hört man sich dieses Video jedoch genauer an, ergibt der Text keinen rechten Sinn, jedenfalls nicht den, den er offiziell haben soll (vgl. Monitor vom 20.12.2001). Diese und andere Ungereimtheiten (vgl. Wahrheit und Fälschung im digitalen Zeitalter) legen deshalb den Verdacht nahe, dass es sich um ein manipuliertes, wenn nicht gar komplett inszeniertes Video handelt.

Ein Phänomen mit Methode: Egal in welcher Detailfrage Journalisten den Ereignissen vor, nach und um den 11. September herum auf den Grund gehen, allerorten stoßen sie auf Ungereimtheiten, Lücken, Widersprüche - und natürlich auf Widerstand. Rechercheanfragen werden ignoriert, mit fadenscheinigen Argumenten abgewiesen oder unumwunden als anti-amerikanische Attacke gewertet. Gehen sie mit ihren Fragen und Ergebnissen an die Öffentlichkeit, geraten sie ins Kreuzfeuer der Kritik - nicht zuletzt von Seiten jener Kollegen, die sich der Aufrechterhaltung der offiziellen Version verschrieben haben. Sei es wie im Hause Springer per Arbeitsvertrag oder aus freien Stücken.

Um diesen Zuständen ein Ende zu bereiten, versammelte Ronald Thoden, Geograph und Politologe mit Schwerpunkt Geostrategie, Querdenker aus dem deutschsprachigen Raum zu einer Tagung mit dem provozierenden Titel Der inszenierte Terrorismus. Die Anschläge am 11. September 2001. Vormittags ging es um Gedankenaustausch und Vernetzung der Rechercheure untereinander, denn bislang waren die meisten von ihnen Einzelkämpfer. Mittags gab es eine Pressekonferenz im gediegenen Steigenberger Hotel - man wollte schließlich auch die Mainstream-Medien erreichen und den Kollegen dort Mut machen, unbequemen Fragen nicht länger aus dem Weg zu gehen. Und am Abend fand eine Podiumsdiskussion statt. Geladen waren: Andreas von Bülow, Bundesminister und Staatssekretär a.D.; Eckart Spoo, langjähriger Korrespondent der Frankfurter Rundschau; Ekkehard Sieker, bekannt durch seine Film-Beiträge für Monitor/WDR; Gerhard Wisnewski, Journalist, Politologe und Buchautor, u.a. "Operation 9/11"; Michael Opperskalski, Geheimdienstexperte und Herausgeber der Zeitschrift Geheim; Mathias Bröckers, Journalist und Autor des Buches "11.9." (vgl. Telepolis-Special, The WTC Conspiracy. Alexandra Bader, Geheimdienstexpertin aus Österreich war leider verhindert.

Mit seiner Veranstaltung traf Thoden offenbar den Zeitgeist, denn das Audimax der Humboldt-Universität war gerammelt voll. Im Parkett saßen 750 Personen in engen Stuhlreihen, zahlreiche weitere standen an den Seiten, und oben auf der Galerie war auch alles belegt. Unzählige, die trotz stundenlangen Anstehens kein Ticket ergattern konnten, mussten wieder nach Hause gehen.

Zunächst berichtete Ekkehard Sieker über die Schwierigkeiten, die Originalversion des berühmt-berüchtigten Bin-Laden-Videos zu bekommen - erst wurde er von Krethi zu Plethi geschickt, und als er dann endlich Kassem M. Wahba, einem der so genannten unabhängigen Übersetzer des Bandes sprach, fragte ihn dieser: "Wer sagt eigentlich, dass wir das übersetzt haben?" Siekers Recherchen mündeten in jenem Monitor-Beitrag vom 20.12.2001, der demonstriert, dass es sich bei jenem Video um eine Falschübersetzung zu Propagandazwecken handelt.

Als nächstes sprach Mathias Bröckers, Telepolis-Lesern bestens bekannt durch seine Reihe The WTC-Conspiracy. Er konzentrierte sich auf die Frage nach den bislang unveröffentlichten - vollständigen - Passagierlisten. Schließlich möchte man als Journalist nachprüfen, ob die vermeintlichen Attentäter tatsächlich in den vier entführten Flugzeugen saßen. Zumal sich sechs der 19 Attentäter kurze Zeit nach ihrem angeblichen Ableben quicklebendig bei diversen Behörden meldeten - und vom FBI trotzdem nie von der Liste gestrichen wurden.

Um die Flugzeuge ging es bei Gerhard Wisnewski - Journalist, Politologe, Filmemacher und Co-Autor des Buches "Das RAF-Phantom". Sein neuestes Buch heißt Operation 9/11. Darin vertritt Wisnewski die These, dass die vier Passagiermaschinen, die am 11. September 2001 entführt wurden, durch Drohnen ersetzt worden seien - was die merkwürdigen Schlenker in den Flugrouten erkläre. Die Drohnen wären dann per Fernsteuerung an ihren jeweiligen Bestimmungsort gelenkt worden. Was mit den Passagiermaschinen geschah, sei ungewiss. Als Vorbild dieser Aktion nennt Wisnewski - wie bereits James Bamford in seinem Buch über die NSA - die US-amerikanische Operation Northwoods. Wisnewski stützt sich bei seiner These unter anderem auf Aussagen von Fluglotsen, die einen Wechsel des so genannten Transponder Codes bestätigen. Da dieser Transponder Code für jedes Flugzeug individuell festgelegt ist, bedeutet ein solcher Wechsel angeblich, dass man es nicht mehr mit derselben Maschine zu tun habe.

Sehr merkwürdig sei außerdem, dass laut Zeugenaussagen weder am Pentagon (Flug 77) noch bei Shanksville (Flug 93) Flugzeugtrümmer und dergleichen gefunden wurden. Auch sind keine Fotografien aufzutreiben, die Flugzeugtrümmer zeigen. Demzufolge sei - anders als beim WTC - an diesen beiden Orten keine Drohne geopfert worden. Stattdessen habe man sich mit pyrotechnischen Tricks beholfen. Mit diesen Ungereimtheiten befasst sich die Doku Aktenzeichen 11.9. ungelöst von Gerhard Wisnewski und Willy Brunner, die am 20. Juni 2003 im WDR lief - vorab als grober Unfug gegeißelt von der FAZ und der Berliner Zeitung. Wer sie verpasst hat und sich selbst ein Bild machen möchte, kann die Wiederholung am 21.07.03 um 21.00 Uhr bzw. am 22.07.03 um 6.15 Uhr sowie um 10.00 Uhr auf Phoenix sehen.

Michael Opperskalski, Geheimdienstexperte und Herausgeber der Zeitschrift Geheim, beschäftigte sich mit der Chronologie der Beschuldigungen. So war laut Opperskalski bei CNN schon kurze Zeit nach den Flugzeuganschlägen auf das WTC unten im Ticker-Laufband zu lesen, dass die Demokratische Front Palästina hinter den Anschlägen steckt, dann war ganz allgemein von Palästinensern die Rede, und schließlich wurde auch das abgeändert. Dann gab Opperskalski einen groben Überblick über die Entstehungsgeschichte diverser fundamentalistischer Organisationen, die fast ausnahmslos von westlichen Mächten ins Leben gerufen worden waren.

Nach der Pause wäre Andreas von Bülow, Bundesminister und Staatssekretär a.D. dran gewesen, doch dann kam es erst mal zum Eklat: Horst Mahler saß im Publikum. Ganz in schwarz, begleitet von einer Dame mit schneeweißem Haar. Saß einfach nur da und hörte zu. Das regte die üblichen Verdächtigen ganz schön auf. Erst wurde getuschelt, dann mit dem Finger gezeigt, und dann wurde "Nazis raus" und dergleichen mehr gerufen. Manche brüllten aus Leibeskräften, andere aus Gewohnheit. Ekkehard Sieker ließ die außer Rand und Band Geratenen wissen, dass seiner Meinung nach jeder - unabhängig von seiner Weltanschauung - ein Recht darauf habe, sich zu informieren. Und außerdem sei Niederbrüllen keine angemessene Form der Auseinandersetzung. Auch das Publikum hatte mehrheitlich keine Lust auf diese plumpe Randale.

Als dann halbwegs Ruhe eingekehrt war, begann Andreas von Bülow seinen Vortrag mit dem Hinweis darauf, dass er durchaus kein Anti-Amerikaner sei. Er möge die Bush-Regierung nicht und möchte gerne "unsere Botschaft nach Amerika bringen, denn dort funktioniert die Demokratie nicht". Dann bemerkte er eher nebenbei, man habe durch den NPD-Prozess ja wohl Hinweise darauf bekommen, wie diese Partei funktioniert (vgl. Ein System, das das Problem, über das es informieren will, selbst erschafft, ist absurd). Verräterisch an der US-amerikanischen Aufarbeitung des 11.9. findet von Bülow insbesondere den Vergleich des 11.9. mit Pearl Harbour. Erstens sei inzwischen hinlänglich bekannt, dass der damalige US-Präsident Roosevelt im Voraus informiert war über den bevorstehenden Anschlag auf Pearl Harbour. Zweitens habe der Thinktank "Projekt für ein neues amerikanisches Jahrhundert" ( PNAC) bereits im September 2000 Pläne geschmiedet für eine neue Weltordnung. Doch leider, so das Strategiepapier, seien diese Pläne kaum durchzusetzen, "es sei denn, ein katastrophales Ereignis tritt ein, das als Katalysator dient - wie ein neues Pearl Harbour".

Die aktuelle US-amerikanische Außenpolitik sei nichts anderes als ein geostrategisches Machtspiel und mithin "reiner Machiavellismus". Für Andreas von Bülow geht es denn auch nicht wirklich um den Kampf gegen den Islam im Allgemeinen und die Neuordnung des Nahen Ostens im Besonderen. Das eigentliche Ziel sei vielmehr China. Noch sei China eine Nummer zu groß für die USA, deshalb müsse es "handhabbar" gemacht werden. Wie das mit der Destabilisierung im Nahen Osten zusammenhängt, wurde allerdings nicht ganz klar. Das lag vielleicht daran, dass von Bülow bei seinem Vortrag mehrmals innehalten musste, weil ein kompakter Herr, der eine gewisse Ähnlichkeit mit den Panzerknackern hatte, sich vor Horst Mahlers Sitzreihe aufbaute und deutsch-englisch auf Mahler einschrie. Dezent wurde dieser Herr gen Saalende befördert. Als Bülow dann an der Stelle mit dem neuen Pearl Harbour angekommen war, brüllte derselbe Mann auf englisch: Was das mit Pearl Habour solle, man werde ja noch nicht mal mit einem einzelnen Nazi im Saal fertig. Sofort ging das Geschrei wieder los, und das Publikum verlangte lauthals nach Ruhe.

Zuletzt sprach Eckart Spoo, langjähriger Korrespondent der Frankfurter Rundschau, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Journalistenunion und Herausgeber der Zeitschrift Ossietzky. Er war sehr erstaunt darüber, dass selbst ein Blatt wie konkret in der aktuellen Ausgabe verkündet, es sei "mittlerweile ziemlich klar", was am 11.9. im Süden Manhattans geschehen sei. Dazu eine kleine Fußnote: Das Motto der Zeitschrift konkret lautet übrigens "lesen was andere nicht wissen wollen". Für Spoo mehr als skandalös: Der Einsatz von rund 100 bundesdeutschen Elite-Soldaten des Kommandos Spezialkräfte KSK in Afghanistan, für den es kein offizielles Mandat gibt.

Doch bevor Spoo die Antwort auf seine Anfrage vom 24. April 2003 an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zu Ende vorlesen kann, verkündet der Veranstalter Ronald Thoden, die Konferenz müsse nun aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden. Es gelingt Spoo gerade noch, die zehn drängendsten offenen Fragen vorzutragen, und dann ist auch schon Schluss. Applaus für die Fragen und die Redner - auch von Horst Mahler. Doch keine Chance für Fragen aus dem Publikum. Keine Diskussion. Und wieder tobt der Saal. Der lauteste Protest kommt von älteren Damen, die für ihr Eintrittsgeld eine Diskussion geboten haben wollen. Kleiner Trost: die Veranstaltung wird am 7./8. September 2003 fortgesetzt. In einem größeren Saal. Versprochen.

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