Die Schnüffler ausschnüffeln

06.07.2003

Government Information Awareness

Am Freitag wurde in den USA anlässlich des 4. Juli eine Webseite eingerichtet, die sich spiegelbildlich des Dramas der wachsenden Überwachung annimmt.

Die Seite heißt Government Information Awareness, eine umgekehrte Version der Terrorism Information Awareness und sammelt Informationen über die Regierung, damit die amerikanischen Bürger ihre Regierenden so effektiv beobachten können, wie sie von ihnen verfolgt und beobachtet werden.

Das umstrittene Total-Information-Awareness-Programm des Pentagon 8vgl. Weltweites Schnüffelsystem hatte erst kürzlich seinen neuen Namen bekommen: Terrorist-Information-Awareness (Terrorist-Information-Awareness). Das Passepartout "Terror" im neuen Programmnamen sollte den Weg freimachen für den Beschluss der dazu nötigen Gesetze. Vision und Anspruch des modifizierten TIA, in das bis 2005 53 Millionen Dollar investiert werden sollen, sind allem Anschein nach unverändert total und bedenklich. Bei der Forschungsbehörde Darpa des Pentagon (vgl. Das Orakel der DARPA) ist man nachdrücklich fasziniert von den Möglichkeiten des Datensammelns und des immer raffinierteren Data-Mining: Man will ein Überwachungssystem entwickeln, das bislang nur im Science-Fiction-Genre zuhause war (dazu passt auch ein anderes Darpa-Projekt, das manche in direktem Zusammenhang mit TIA sehen - LifeLog, vgl. Nichts geht verloren - oder: Totale Überwachung)

So sollen Passanten über deren Iris, ihre markanten Gesichtszüge oder ihre Gangart per Video identifiziert werden; Flugtickets, Bahnfahrkarten, Visaanträge, E-Mails, finanzielle Transaktionen, medizinische Daten, schulische Daten, biometrische Daten; alles soll herangezogen und durch hochkomplexe "Mining"-Verfahren operabel gemacht werden, um künftige Terrorakte zu vermeiden. Das Sammeln und Zusammenführen von Daten soll dabei helfen, die "Intention" von Terroristen zu erkennen oder Terrororganisationen besser zu verstehen. Die angestrebte Datenbank soll auch neue Visualisierungsmöglichkeiten anbieten, damit auch Nicht-Experten schnell die wichtigen Zusammenhänge erfassen können. Ergänzt werden soll die Datenbank durch Handlungsoptionen zur Abwehr der Bedrohung.

Gegründet von der Medienabteilung des Massachusetts Institute of Technology (MIT), will die Webseite ausdrücklich die Kluft schmälern zwischen dem Ausmaß in dem die Regierung ihre Bürger überwacht und dem Maß, in dem der Bürger seine Regierung zu überwachen imstande ist.

Das rasch wachsende System soll auch durch seine "User" immer wieder neu befruchtet werden, wobei man betont, die meisten der veröffentlichten Informationen werden "fair" sein. Die meisten, aber nicht alle. So entsteht eine Art "Citizen's Intelligence Agency", ein Geheimdienst der Bürger, dessen Wissen jedoch wesentlich transparenter ist als Vorgehen und Methoden der CIA. Die eingereichten Berichte werden nicht auf ihre Wahrheit geprüft, jedoch wird jeder Politiker informiert, wenn etwas über ihn erscheint und hat das Recht, sich in einem "Posting" zu verteidigen. Wie bei einer FBI-Akte werden die einmal erhobenen Vorwürfe jedoch nicht mehr gelöscht.

Die Autoren unserer Verfassung haben uns gesagt, dass Menschen sich nur selbst regieren können, wenn sie mit Information bewaffnet sind. Unser neues Projekt bringt den Geist der Selbstbehauptung in die Ära der vernetzten Informationstechnologie....Ist das, was wir machen legal? Das sollte es zumindest sein

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Telepolis zitieren
Vielen Dank!
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