Der Duft der Pronomen
Ist ein Text von einer Frau oder von einem Mann? Neues Computerprogramm kann sich das ausrechnen
A. S. Byatts Booker-Prize-gekrönter Roman "Possession", zu deutsch "Besessen", ein raffinierter Dialog zwischen postmodernem Literaturwissenschaftsmilieu und Viktorianismus, hat es geschafft, ein neues Computerprogramm hinters Licht zu führen.
Ohne Absicht, doch wer weiß ob Byatts offensichtlicher Verzicht auf die "Waffen der Frauen" nicht auch eine Wahl zugrunde liegt. Das Programm, entwickelt von dem israelischen Forscher Moshe Koppel, machte den Fehler, hinter dem A. ihres Vornamens einen Mann zu vermuten. Bei immerhin 80 Prozent aller ihm vorgelegten Texte - insgesamt 566 englischsprachige Werke, die meist nach 1975 entstanden - gelang es ihm jedoch, anhand gewisser Schlüsselworte und der Syntax mithilfe eines Algorithmus darauf zu schließen, ob ein Mann oder eine Frau am Werk waren.Seine Kriterien bestätigen alte Klischees: Frauen personalisieren, Männer kategorisieren. Männer bedienen sich - auch in fiktiven Texten - einer eher informativen, Frauen einer eher involvierenden Sprache. Pronomen wie "ich, du, sie, ihr, ihre, wir" sind typisch Frau, Worte, welche ein Hauptwort näher bestimmen wie "ein, das, der, die, diese" oder quantifizieren (eins, zwei, mehrere, alle) sind typisch Mann. Die Lieblingspronomen der Männer: Pluralformen wie "sie" oder "ihnen". Zwei Beispiele:
Literary critics make natural detectives...You know the theory that the classic detective story arose with the classic adultery novel--everyone wanted to know who was the Father, what was the origin, what is the secret?
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Wenn er in solchen Augenblicken sprach, verzichtete Monsieur de Charlus, der, ein Edler wie ein Saint-Vallier oder ein Saint-Mégrin, in stolzer Haltung, hoch aufgereckt, mit feierlichem Ernst seine Worte vorbrachte, solange auf alle Affektiertheiten, durch die Männer seiner Art sich zu verraten pflegen.
Das neue Programm kann nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern, nach ganz ähnlichen Kriterien, auch zwischen Sachbuch und Roman unterscheiden; dies schafft es sogar mit 98prozentiger Treffsicherheit.
http://www.heise.de/tp/artikel/15/15275/1.html- oh, je! oh, je! (23.7.2003 16:47)
- Man(n) ist ja anpassungsfähig ... (23.7.2003 13:54)
- hmmm ... (23.7.2003 10:22)
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