Welcome to Volkermord

01.08.2003

Eine Tauschbörse für Neonazis

Bevor die Rasse stirbt, sterben offenbar erst einmal die Umlautzeichen. Diesen Eindruck bekommt man, wenn man sich auf eine Neonaziseite klickt, die einen tatsächlich mit "Welcome to Volkermord" begrüßt. Eine Parole, die spontan natürlich jede Menge an Fragen aufwirft: Who the fuck ist Volker? Hat's den Volker jetzt doch noch mordsmäßig erwischt? Oder meinen die Herren Betreiber der Seite "Volkermord - for a dying race" gar nicht Volker, sondern die Völker? Und wenn das stimmen sollte, warum sollen die Völker denn jetzt plötzlich alle ermordet werden? Und von wem? Von IOR, C.B88, JOZZY, SkallePer, Darksoldat, NordicFire, Wormser1488 oder gar von Sturm18?

Ein Betreiber der Neonazi-Tauschbörse, wie er offenbar gerne gesehen werden möchte

Das sind nämlich die Pseudonyme der schwedisch-deutschen Betreiber dieses Volkermordprojekts, die sich in Wort und Bild auf einer anderen Seite im Netz stolz präsentieren - in Uniform, mit Gewehr und anderem Nazi-Krimskrams. Kurzum: eine noch recht juvenile Macho-Truppe, wie man sie leider oft im Netz findet. Und auch die von ihnen auf ihrer Volkermord-Website veröffentlichen Nazi-Reliquien sind auf den ersten Blick eigentlich nichts Besonderes.

Doch ein Kollege der österreichischen Zeitung Der Standard hat jetzt mal ganz genau hingeschaut und dabei entdeckt, dass die Volkermord-Seite gleichsam die Eingangspforte ist für eine erstaunlich große Neonazi-Tauschbörse. Zwar findet man schon auf der Netzseite ein paar Musik- und Videodateien, auch ein Radioprogramm wird angeboten, doch richtig prall wird es erst im Netzwerk selber. Die dafür notwendige Software ist übrigens auf der Netzseite erhältlich. Und Grundlage der Tauschbörse ist das Filesharing-System "Direct Connect", die ein "community-orientiertes", offenes und vom User kontrolliertes Netzwerk ermöglicht (Infos).

In der Tauschbörse entdeckte "Der Standard" dann angeblich Neonazi-Materialien im Terabyte-Bereich, darunter komplette NS-Streifen wie "Der ewige Jude", Konzertmitschnitte von Bands wie "Skrewdriver" oder "Landser", neonazistische Spiele wie "KZ-Manager Millenium" oder "KZ-Rattenjagd" und sogar ein paar SM-Pornos - vermutlich für den gepflegten Kameradschaftsabend.

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