Auch Kucinich darf mal bloggen

Janko Röttgers 09.08.2003

Der Aufstieg des US-Präsidentschatfskandidaten Howard Dean zeigt Folgen bei seinen Konkurrenten

Lawrence Lessig braucht mal wieder eine Pause. Sein neues Buch muss fertig gestellt werden. Also nimmt der Copyright-Experte eine Woche Urlaub vom Netz. Damit den Lesern seines Weblogs nicht langweilig wird, hat der den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Dennis Kucinich als Gast-Blogger eingeladen.

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Es ist bereits das zweite Mal, dass Lessig sein Blog einem Präsidentschaftskandidaten überlässt. Vor drei Wochen durfte der ehemalige Vermonter Gouverneur Howard Dean als Urlaubsvertretung einspringen (Die kuscheligste Präsidentschafts-Kampagne). Im Nachhinein musste sich Lessig dafür einige Kritik gefallen lassen. Nicht wenige Blog-Leser warfen ihm vor, Dean habe sich nicht auf einen Dialog mit ihnen eingelassen und nicht zu Copyright-Fragen Stellung genommen. Lessig zeigte sich dagegen überzeugt davon, dass sein Experiment gelungen sei und erklärte: "Jeder ernsthafte Kandidat sollte Zeit mit einem so offenen, egalitären Forum verbringen wie diesem."

Mit Kucinich hat sich Lessig nun abermals einen linksliberalen Kandidaten als Gast-Blogger ausgesucht. Kucinichs Chancen aufs Weiße Haus werden insgesamt als eher gering eingeschätzt. Der Kongressabgeordnete gilt als linker Demokrat und ist ein erklärter Kriegsgegner. Anders als Dean ist es ihm jedoch nicht gelungen, sich in den letzten Wochen als Protestkandidat zu profilieren. Die geringere Gefolgschaft macht es Kucinich jedoch auch einfacher, vermeintlich heiße Eisen anzufassen. So hat er sich offensiv für die Homosexuellen-Ehe ausgesprochen - ein Thema, dass die anderen führenden demokratischen Kandidaten tunlichst vermeiden. In die Kritik ist er durch seine Haltung zu Schwangerschaftsabbrüchen gekommen. Kucinich galt lange als entschiedener Abtreibungsgegner, hat diese Position im Zuge seiner Präsidentschaftskandidatur jedoch aufgegeben. Den plötzlichen Sinneswandel wollen ihm weder konservative noch liberale Demokraten so recht abnehmen.

Howard Dean wiederum kann dank seiner Internetkampagne weiterhin Erfolge verzeichnen. Kürzlich hatte US-Vizepräsident Dick Cheney einflussreiche Bush-Unterstützer zu einer Lunch-Party eingeladen, um insgesamt 250 000 Dollar an Spenden entgegenzunehmen. Deans Team rief die Leser seines Blogs auf, mit eigenen Spenden zu zeigen, dass ihre Graswurzel-Kampagne mächtiger ist als Cheneys wohlbetuchte Förderer. Innerhalb von drei Tagen spendeten Dean-Unterstützer daraufhin mehr als eine halbe Millionen Dollar. Solche plakativen Aktionen kommen an und verschaffen Dean und seiner Internetkampagne eine geballte Medienaufmerksamkeit. So widmeten die Zeitschriften Time Magazine und Newsweek in der vergangenen Woche beide ihr Titelbild dem Kandidaten.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15411/1.html
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