Das Wolfsrudel des Pentagon hört mit

Florian Rötzer 16.08.2003

Die Darpa entwickelt ein WLAN-System, das autonom aus einzelnen Sendern ein Netzwerk herstellt, um feindliche Mobilfunkkommunikation abhören oder unterbinden zu können

Die letzten Kriege hat das Pentagon in Ländern geführt, die nicht nur militärisch, sondern auch kommunikationstechnologisch weit unterlegen waren. In Afghanistan war mehr oder weniger alles verboten, im Irak gab es unter Hussein auch kein Mobilfunknetz, das Internet war noch wenig verbreitet. Mit einem Projekt will die Darpa, die Forschungsabteilung des Pentagon, die in letzter Zeit mit einigen ihrer Überwachungsprojekte wenig Gegenliebe gefunden hat, nun auch kommunikationstechnologisch die Oberhand haben.

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Weil man in letzter Zeit eher mit dem ehemaligen, im Iran-Contra-Skandal verwickelten Admiral Poindexter und seinem Terrorist Awareness Information Projekt unangenehm aufgefallen ist, will man wohl einmal wieder eine Erfolgsmeldung der Darpa lancieren und hat so eine Pressemitteilung geschrieben. Ein Erfolg ist es zwar noch nicht wirklich, aber ein möglicherweise vielversprechendes Projekt, das man unter dem Namen "WolfPack" plant. Die Idee ist, ein WLAN durch Schwarmbildung herzustellen. In der gleichen Darpa-Abteilung wird auch unter ähnlichen Gesichtspunkten ein intelligentes Minennetzwerk entwickelt, das sich selbst wieder herstellen soll, wenn es teilweise ausgefallen ist (Intelligentes Minennetzwerk)

Darpa erwartet, dass neue Radarsysteme und künftige taktische Kommunikationssysteme Frequenz-bewegliche und packetbasierte Netzwerktechnologien mit wenig Energie eingesetzt werden, die die traditionellen Ansätze der elektronischen Kriegsführung in Frage stellen. Das WolfPack-Programm will Technologien und Architekturen für bodenbasierte, nahe, verteilte und vernetzte Systeme entwickeln, die die bestehenden Systeme der elektronischen Kriegsführung erweitern.

WolfPack hat das Ziel, ein System zu schaffen, das es ermöglicht, die Kommunikation des Feindes zu überwachen und auch lahm zu legen, während gleichzeitig die eigene militärische Kommunikation, aber auch die kommerzielle Kommunikation davon nicht betroffen sein soll. Man sieht, auch hier wird wieder eine Überwachungstechnologie entwickelt, die möglicherweise nicht nur den Feind betrifft. WolfPack soll, wie Preston Marshall, der Leiter des Projekts, sagt, ein kleines und zudem billiges System sein, dem Zeitalter der Handys angemessen, das man auch heimlich, ohne den Einsatz von Bodentruppen, in den "Hinterhof des Feindes" platzieren kann, um dessen Kommunikation zu belauschen und auszuschalten.

Das angedachte System besteht aus 15 cm langen und 10 cm breiten Zylindern, die jeweils 3 kg wiegen. Sie können irgendwo abgestellt oder auch von der Luft aus mit kleinen Fallschirmen abgeworfen werden. Wenn ein solcher Zylinder aufgestellt wird oder auf dem Boden auftrifft, entpackt er sich selbst und stellt sich auf Füßen aufrecht auf. Eine Antenne fährt aus und erzeugt ein Funksignal. Die Batterien sollen zwei Monate halten.

Idealerweise müsste sich pro Quadratkilometer ein solcher Zylinder befinden, um das Gebiet abzudecken: "Die Idee ist, das Schlachtfeld mit diesem kleinen Gegenständen zu übersäen", sagt Marshall. Die Sender entdecken einander über die Funksignale und bilden so Netzwerke, die schließlich den Kontakt mit dem Kommandozentrum herstellen: "Jeder WolfPack ist sehr klein, aber kollektiv bilden sie über das Signal ein Rudel." Soldaten sollen sie auch im Rucksack mitnehmen - "six-pack in a backpack" - und überall aufstellen können, um ein Gelände zu kontrollieren.

Ganz so billig ist ein solcher Zylinder für 10.000 Dollar nicht, aus militärischer Hinsicht vielleicht aber schon, zumal wenn man solche Zylinderrudel mit einem teuren Flugzeug vergleicht, das ähnliche Funktionen ausführen kann. In 18 Monaten sollen die ersten Prototypen getestet werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15456/1.html
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