Altersklasse, Kaufkraft, Gebäudeart, Partnerschaft, etc...

22.08.2003

Ein Adressbuchverlag bietet Privatdaten von 2 Millionen Österreichern an

Für österreichische Datenschützer hat sich die Sommerpause für heuer erledigt. Der Grund: Der bekannte Adressbuchverlag Herold Business Data offeriert neuerdings Privatdaten auf CD. Zu rund einem Viertel der österreichischen Bevölkerung können Tiefendaten geliefert werden.

Werber haben es gerne genau. Sie wollen möglichst viel über potenzielle Kunden wissen und zielgruppenspezifisch werben. Genau hier sah das österreichische Unternehmen Herold Business Data offensichtlich eine neue Einnahmequelle. In einer Presseaussendung vom 12. August d.J. machte die Firma ein neues Produkt schmackhaft.

Mit der Herold Marketing CD private haben Anwender die Möglichkeit, mehr als vier Millionen potenzielle Kunden in ganz Österreich zielgenau und fast ohne Streuverluste zu erreichen. Die Grunddaten stammen aus professionellen Erhebungen und wurden statistisch hochgerechnet, wodurch zu 2 Mio. Privatpersonen auch entsprechende Tiefendaten wie Altersklasse, Kaufkraft, Gebäudeart, Stellung im Haushalt, Partnerschaft, Haushaltsgröße, Kinder, etc. zur Verfügungen stehen

Das Datenmaterial wurde vom österreichischen Adressverlag dm-plus Direktmarketing zugeliefert. Laut der Herold-Aussendung ist die CD nicht nur ein Plus für die Marketingbranche, sondern auch für Privatpersonen. Für diese würde "sich durch die Tiefe der Daten der Vorteil" ergeben", dass sie von Anwendern .. nur Mailings bekommen werden, die für sie mit hoher Wahrscheinlichkeit von Interesse sind."

Das sehen Datenschützer jedoch anders. Dr. Waltraut Kotschy, Leiterin der Datenschutzabteilung im Bundeskanzleramt äußerte gegenüber dem ORF schwere Bedenken. Hans Zeger von der ARGE Daten wetterte via Presseaussendung:

Mit dieser CD werden völlig neue Wege beschritten. Die Informationen werden nunmehr personenbezogen veröffentlicht, obwohl bekannt ist, dass die meisten Informationen nur bedingt richtig sind.

Zeger spielt dabei auf die Unschärfen bei Datenerhebungen an, die in der Adressverlagsbranche durchaus üblich sind. "Viele Personeninformationen werden bei Adressverlagen hochgerechnet und vielfach durch Annahmen erzeugt. So wird etwa die Kaufkraft dadurch "geschätzt", dass man von den Einkaufsgewohnheiten bekannter Personen einer Gegend auf die Kaufkraft anderer Personen schließt", führt der Datenschützer ein konkretes Beispiel an. Auch könnte es vorkommen, dass Daten unterschiedlicher Personen, aber mit gleichem Namen zusammengemischt würden." Auf diese Weise werden schnell aus treuen Familienvätern "alleinstehende Singles", die nach Kontaktmagazinen lechzen und bei Zusendung gegenüber Kindern und Ehepartnern in Erklärungsnotstand geraten", skizziert Zeger ein mögliches Negativszenario.

Auch darf durchaus bezweifelt werden, dass ein Viertel der Gesamtbevölkerung Österreichs seine Zustimmung zur Verwendung von derartigen Privatdaten jemals bewusst gegeben hat oder dies tun würde. Wie hinlänglich bekannt, gibt man rasch bei Teilnahme an Gewinnspielen eine "Einverständniserklärung" ab, ohne sich der Konsequenzen - dass man damit in diversen Datenbanken landen könnte - im Klaren zu sein.

Indes machte Herold Business Data einen Rückzieher. Die CD soll erst September ausgeliefert werden. Auf der Firmenhomepage finden sich rechtliche Klarstellungen und es wurde eine Hotline eingerichtet unter der betroffene Konsumenten Widerspruch gegen die Datenverwendung einlegen können. Der Haken dabei ist allerdings, dass sich nur jemand erklären kann, der auch von der CD weiß. An den Tausenden Österreichern, die derzeit im Ausland ihre Sommerferien verbringen, wird die Sache wohl spurlos vorüber gehen. Auch für Datenschützer Zeger ist die Herold-Aktion nur "eine halbe Kehrtwendung". Er fordert, die Betroffenen zu informieren, damit sie ihr Widerspruchsrecht wahrnehmen können.

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