"Wirklich hässlich"
Der "Columbia"-Untersuchungsbericht bescheinigt dem NASA-Management katastrophales Fehlverhalten
Die vielen Details, die nach dem Absturz der Raumfähre "Columbia" portionsweise ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten waren, deuteten bereits darauf hin, dass die Weltraumbehörde NASA im Abschlussbericht der 13köpfigen Untersuchungskommission eine unrühmliche Rolle spielen würde.
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NASA-Chef Sean O'Keefe bereitete seine Mitarbeiter vor wenigen Wochen deshalb schon einmal auf "wirklich hässliche" Ergebnisse vor. Doch "wirklich hässlich" ist eine durchaus ungenügende Beschreibung des gestern vorgestellten Berichts, der sich auf einem Großteil der fast 250 Seiten nicht nur mit technischen Analysen, sondern auch mit bürokratischen Irrwegen, Kommunikationsproblemen, strukturellen Fehlentwicklungen und simpler Schlamperei innerhalb der Weltraumbehörde auseinandersetzt.
Am 1. Februar vergingen nur Minuten von der Explosion der "Columbia" bis zu den ersten Erklärungsversuchen und Schuldzuweisungen, die bereits vermuten ließen, dass der Tod von sieben Astronauten nicht einfach auf technisches Versagen zurückgeführt werden konnte. Heute weiß man, dass sich beim Start der Raumfähre am 16. Januar ein etwa 680 Gramm schweres Schaumstoffteil von einem Tank löste und eine Tragfläche der Columbia traf. Durch das Loch im Hitzeschild drangen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre heiße Gase ein, welche die Tragfläche von innen schmelzen ließen und dann die Explosion herbeiführten.
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So weit, so tragisch, doch die Erkenntnisse der Untersuchungskommission gehen weit über die Feststellung eines technischen Defekts hinaus. Ihre Recherchen haben ergeben, dass die NASA-Spitze frühzeitig über die Möglichkeit einer bevorstehenden Katastrophe informiert war.
Nachdem Filmaufnahmen von dem Start"unfall" vorlagen, wurde intern mehrfach auf die Gefährdung der aktuellen Weltraummission hingewiesen. Experten forderten Satellitenbilder von der Unterseite der Columbia an, um die problematische Lage besser einschätzen zu können. Die entsprechenden Mails wurden entweder gar nicht zur Kenntnis oder nicht ernst genommen. Eine Mail, die der Vorsitzende der immerhin einberufenen Expertengruppe mit der gleichen Bitte um Satellitenbilder abschickte, soll ihr Ziel nie erreicht haben - und blieb logischerweise ebenfalls folgenlos. Die Vorgänge erinnern somit fatal an die Challenger-Katastrophe von 1986, als Hinweise auf mögliche Defekte an den Dichtungsringen der Antriebsraketen ignoriert wurden. Über die peinliche Pleiten-Pech- und Pannen-Serie, welche die Aufklärungsbemühungen nach dem Columbia-Unfall begleitete und die unbeholfenen Bemühungen, geeignete Plätze für geeignete Mahnmale zu finden, kann angesichts solch schwerwiegender Versäumnisse dann schon fast wieder hinweggesehen werden.
Die Ermittler kommen zu dem bemerkenswerten Schluss, "dass physikalische und organisatorische Faktoren eine gleich große Rolle beim Columbia-Unfall gespielt haben - dass die Organisationskultur der NASA genau so viel mit dem Unfall zu tun hatte wie das Schaumstoffteil, das die Raumfähre beschädigte." Die NASA gibt sich angesichts dieser Kritik lernfähig, aber keineswegs schuldbewusst. Nach wie vor wird die Möglichkeit einer Rettung der Astronauten vehement bestritten, selbst wenn man vor Ort direkt auf die Warnungen reagiert hätte. Dass es die Weltraumbehörde allerdings nicht einmal versucht hat, wird ihr auch in den kommenden Monaten kaum zum Vorteil gereichen.
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Der amerikanische Kongress hat bereits eine ganze Serie von Anhörungen in Aussicht gestellt, die sich nach diesem Abschlussbericht noch unangenehmer gestalten dürften als es angesichts der angespannten Gesamtlage ohnehin zu erwarten war. Schließlich steht der republikanische Abgeordnete Vernon J. Ehlers, der sich von dem vergleichsweise kostengünstigen Hubble-Teleskop sehr viel aufschlussreichere wissenschaftliche Erkenntnisse verspricht als von der Raumstation ISS und der gesamten bemannten Raumfahrt, mit seiner Ansicht nicht allein.
In jedem Fall wird sich die NASA mit einer - auch von der Untersuchungskommission geforderten - grundlegenden Verbesserung ihrer internen Kommunikation, bürokratischen Abläufe und allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen auseinandersetzen müssen. Ermittler Mike Wiskerchen vom California Space Institute sieht gerade in diesem Bereich dringenden Handlungsbedarf:
Die NASA ist derzeit nicht so organisiert, dass sie das Raumfährenprogramm bewältigen kann. Sie muss komplett neu strukturiert werden.
Viel Zeit bleibt dafür nicht. Denn schon im Frühjahr 2005 soll mit der Raumfähre "Atlantis" ein neues Kapitel in der Weltraumforschung geschrieben werden.
http://www.heise.de/tp/artikel/15/15509/1.html- Angeblich haben sie mit einem Brot mal ein Loch in einen Panzer geschossen .. (15.5.2004 2:36)
- Fehlschläge (6.9.2003 23:41)
- "Vollglascockpits" (31.8.2003 20:43)
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