Cyberkicker im Reich der Mitte

Nationale Roboterfußball-Meisterschaften in China

In Peking haben vom 21. bis 24. August die chinesischen Meisterschaften im Roboterfußball stattgefunden. Unter insgesamt 84 Teams aus der VR China und Singapur konnten dabei die Favoriten ihre Positionen verteidigen.

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Bei den RoboCup-Weltmeisterschaften nahm erstmals im Jahr 2000 ein Team aus der VR China teil. Damals zeigte "Wright Eagle" von der University of Science and Technology, Hefei, in der Simulationsliga, dass insbesondere in dieser Spielklasse Neulinge keinerlei Anlass zur Bescheidenheit haben. Hier geht es schließlich nicht um aufwändige Technologie, sondern im wesentlichen um gute Ideen, die auch auf einem einfachen Rechner umgesetzt werden können. So machten es die virtuellen Spieler von "Wright Eagle" ihren erfahreneren Gegnern auf Anhieb ganz schön schwer, auch wenn sie keinen der vorderen Plätze erringen konnten.

Das gelang dafür im folgenden Jahr dem Team "Tsinghuaeolus" von der Pekinger Tsinghua University, das auf Anhieb Weltmeister wurde. Den Titel konnten die "Tsings", wie sie in der RoboCup-Szene der Einfachheit halber genannt werden, auch bei der WM 2002 verteidigen gegen "Everest", ein weiteres chinesisches Team vom Beijing Institute of Technology. Erst bei der vergangenen WM in Padua, mussten sie sich (nach einem packenden Finale, das man sich hier ansehen kann) erstmals mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Es gibt also gute Gründe, die Aktivitäten der chinesischen Cyberkicker aufmerksam zu verfolgen.

Die nationalen Meisterschaften in China fanden jetzt zum fünften Mal statt, erstmals als paralleles Turnier der beiden konkurrierenden Verbände RoboCup und FIRA. Die koreanische Initiative FIRA hat zwar das Verdienst, noch vor RoboCup im Jahr 1996 die erste Roboterfußball-WM veranstaltet zu haben, verliert aber auch in China mittlerweile an Attraktivität. "Die führenden Universitäten schließen sich mehr und mehr RoboCup an", sagt Jinyi Yao, Teamleiter von Tsinghuaeolus. Insgesamt gewinne die Robotik zunehmend an Bedeutung.

Als Highlights bei den diesjährigen chinesischen Meisterschaften sieht Yao die erstmalige Einführung der Small Size, Middle Size und Junior League. Ihm gelang es dabei gleich zweimal, aufs Siegertreppchen zu steigen: In der Simulation League schlugen die Tsings im Finale das außerhalb Chinas bislang unbekannte Team ZjuBase mit 1:0, in der Small Size League besiegte das von Yao neu gebildete Team ThuMars die ebenfalls erstmals in dieser Liga antretenden Roboter von Wright Eagle mit 3:1.

Die Konzentration auf die Small Size Roboter hat Yao möglicherweise den Sieg in der Simulation bei der letzten WM gekostet. "Wir konnten uns vor der Weltmeisterschaft nur etwa drei Wochen mit dem Simulationsteam beschäftigen", sagt er. Er erkennt aber auch an: "UvA Trilearn hat sich enorm verbessert." Das Spiel konnte er selbst erst als Aufzeichnung im Internet sehen, weil er persönlich nicht in Padua war, sondern lediglich den Programmcode geschickt hatte. Den virtuellen Gegenspielern von der University of Amsterdam gesteht er zu, dass sie besser sind "bei der Nutzung heterogener Spieler, bei den Formationen und dem Energiemanagement. Wir haben dagegen immer noch Vorteile beim Pass-Spiel, der Schlüsselkomponente der Teamkooperation, und vielleicht auch der Wahrnehmung, einschließlich Kommunikation und Informationsmanagement."

Yao ist sportlich genug, um anzuerkennen: "Der Champion hat verdient gewonnen." Er glaubt aber auch: "Wenn wir in Padua gewesen wären, hätten wir bessere Chancen gehabt, zu gewinnen." Bleibt zu hoffen, dass die Tsings bei der nächsten RoboCup-WM 2004 in Lissabon auch persönlich dabei sein werden.

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