George W. Bush bei Freud auf der Couch

07.09.2003

Psychologe analysiert den US-Präsidenten

Wir alle haben einen Knall, eine Macke oder wenigstens eine Marotte. Doch nur die wenigsten von uns werden US-Präsident. Das ist vermutlich besser so. Aber auch der heutige Präsident hat einen Knall - und glaubt man dem Klinischen Psychologen Oliver James, dann fällt dieser sogar sehr heftig aus. James hat nämlich George W. Bush jetzt gleichsam auf die Couch gelegt, ihn dann nach allen Regel der Freudschen Kunst auseinander genommen und das Ergebnis im englischen Guardian unter dem schönen Titel "So George, how do you feel about your mom and dad?" veröffentlicht.

Nach James' Auffassung ist Bush eine autoritäre Persönlichkeit, ja ein autoritärer Fundamentalist, der zwanghaft seine unbewussten Seiten verdrängt und kontrolliert, was dann aber schließlich dazuführt, dass er und sein (politisches) Handeln von einem fast schon heiligen Zorn bestimmt werden. Schuld an allem hat - so der Freudianer James - natürlich mal wieder die Kindheit.

Bush wuchs demnach auf im Schatten seines überaus erfolgreichen Vaters, den er bewunderte und dessen Art zu gehen er sogar imitierte (vgl. Bush 41 und Bush 43). Ein schier unerreichbares Vorbild also, an dem der kleine George sich ständig maß und an dem er stets zu scheitern drohte. Dies wiederum erklärt auch - nach Meinung von Oliver James - sein merkwürdiges Verhalten während seiner Schul- und Studienzeit, mit dem er unbewusst gegen seinen Vater rebellierte und gleichzeitig versuchte, zumindest ein Stück weit eine eigene Identität aufzubauen.

So beschreiben ehemalige Mit-Studenten ihn als frivolen Typen, der sich bisweilen aufführte wie John Belushi in dem Film "Animal House", gleichzeitig war er antiintellektuell eingestellt, verhielt sich höchst aggressiv und neigte zu eher merkwürdigen Späßen. So soll er auf einer vornehmen Cocktail-Party eine mütterlich ausschauende Frau gefragt haben: "Wie ist denn der Sex so, wenn man älter als 50 ist?"

Aber auch seine Mutter Barbara war nicht ohne. James beschreibt sie als recht gefühllose und harte Frau, die ihre Kinder kontrollierte, ihnen alles vorschrieb, sogar die Art, wie sie schreiben oder sprechen sollten. Und das, vermutet der Psychologe, könnte auch der Grund sein, warum Bush - unbewusst rebellierend - bisweilen sprachlich zu lustigen Blackouts neigt.

Dass so ein Typ irgendwann an der Flasche hängt, ist mehr als verständlich. Doch das wilde Trinkerleben, das ihm 1976 eine Verhaftung einbrachte, war 1986 offensichtlich schlagartig vorbei. An seinem 40. Geburtstag soll er Gott auf Knien angefleht haben, ihm dabei zu helfen, ein abstinenter und fundamentalistischer Christ zu werden. Und Gott hat dem Trinker George offenbar geholfen. Die Folge war ein Persönlichkeitswandel, den sein ehemaliger Redenschreiber David Frum wie folgt beschreibt: Sein Es (also in etwa: sein Unterbewusstsein), sei ähnlich machtvoll und zerstörerisch wie das von Clinton. Aber irgendwann in seinen mittleren Jahren habe er es eingesperrt, gefesselt und weggeschlossen.

Diese zwanghafte Kontrolle des Triebhaften führt dann bei ihm zu seltsamen Verhaltens- und Denkweisen: Die tägliche Regierungsarbeit wird von Gebeten begleitet, die Röcke seiner Mitarbeiterinnen müssen das Knie bedecken. Er selbst steht jeden Morgen um 5.45 Uhr auf, joggt noch vor dem Frühstück erst einmal drei Meilen und sein Arbeitsplan ist penibel in fünfminütigen Blöcken aufgeteilt. Kurzum: Das Weiße Haus wird demnach von einem autoritären Zwangscharakter regiert, der seinen Mitmenschen gegenüber stets misstrauisch ist, der als religiöser Fundamentalist handelt und daher politische Kreuzzüge gegen das Böse einfach führen muss. - Und wenn das alles stimmt, was Oliver James im Guardian noch wesentlich ausführlicher beschreibt und behauptet, dann wäre es wohl für die Welt besser gewesen, George W. Bush hätte damals weiter gesoffen und alte Frauen beleidigt.

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Bush 41 und Bush 43

Michaela Simon 18.04.2003

Versucht 43 mit dem Krieg sein kraftloses Ich zu korrigieren?

Niemals in meinem Leben habe ich einen Tag wie diesen erlebt. Ich bin sehr müde. Ich habe schlecht geschlafen...Mein Magen schmerzt, das blutende Magengeschwür damals war nichts dagegen....Ich denke daran, was Präsidenten vor mir durchgemacht haben müssen....Die Agonie des Krieges::George Bush, 41, 16. Januar 1991 Sein Sohn George Walker, auch "W" genannt, sah am 20.März 2003 nicht so aus, als habe er Magenschmerzen, er sah vielmehr so aus, als könne er sich ein freudiges Grinsen kaum verkneifen. Gehört er zu einer Generation, die einen Krieg pragmatischer abhandelt und hatte er persönliche Gründe, darüber froh zu sein, ihn zu führen?

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