Dezentrale Aktionen gegen WTO-Treffen

Peter Nowak 09.09.2003

Gleich mit zwei Aktionstagen wollen die Globalisierungskritiker Cancun entgleisen lassen - Heute ist weltweiter "Blockade-Tag"

Der Globalisierungskritik wird immer wieder der Vorwurf gemacht, dass sie in erster Linie Eventhopping betreibe. Sie sei zwar medienwirksam bei internationalen Konferenzen und Gipfeltreffen mit ihren Protesten präsent, aber oft nicht regional verankert.

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Jetzt wird sich zeigen, wie berechtigt diese Kritik war. Denn zum WTO-Treffen in Cancun will die Protestbewegung schwerpunktmäßig auf dezentrale Aktionen setzen. Das hat natürlich in erster Linie ganz pragmatische Gründe. Einen Flug in den mondänen mexikanischen Badeort Cancun können sich höchstens die "Protest-Elite" genannten hauptamtlichen Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) leisten. Für die Mehrheit der Protestierer ist er aber schlicht unerschwinglich.

Zur Zeit kursieren im Internet Hintergrundtexte, die die bisher weitgehend unbekannte Materie der WTO-Konferenz erläutern sollen. Wie immer bei dezentralen Aktionen liegt die Stärke hier eher in der Vielfalt. Dafür sind die Aktionen oft nicht so spektakulär. Zwei Höhepunkte: der weltweite Blockade-Tag am heutigen Dienstag und der Aktionstag am 13.9.

Heute sollen weltweit Blockaden von Flughäfen und Straßen stattfinden, um symbolisch oder tatsächlich das Abfliegen der Delegierten zur Ministerkonferenz in Cancun zu be- bzw. verhindern. In Berlin will ein kleines Aktionsbündnis an diesem Tag "eine kleine, entschiedene Demo-Party" nach dem Vorbild von Reclaim-the-Streets-Partys veranstalten und symbolisch wichtige Plätze in Berlin blockieren. In Frage kommen dafür das Wirtschafts-Ministerium, der Bund deutscher Industrie, der Potsdamer Platz..

Ziel dieser Reclaim-the-Planet-Party soll es nach dem Willen der Veranstalter sein, den kapitalistischen Alltag zu stören.

Wir müssen verhindern, dass MinisterInnen und BürokratInnen nach Cancun aufbrechen, um dort über Agrarabkommen, GATS, TRIPs und die Ausweitung der Macht der WTO durch die "neuen Themen" verhandeln und dabei so tun, als wäre das das Normalste auf der Welt. Das ist es nicht - und das wollen wir lautstark und entschlossen zeigen

Allen ist natürlich klar, dass damit das WTO-Treffen real nicht verhindert werden kann. Deshalb sind für den 13. September weltweit Aktionen gegen den Event selber geplant. Die Spannbreite der geplanten Aktionen ist breit. Neben Attac will dort auch das unabhängige Netzwerk Peoples Global Action eigene Akzente setzten. Es hat im Gegensatz zu Attac schon immer verstärkt auf direkte Aktionen gesetzt und lehnt feste Strukturen ab.

In zahlreichen Städten haben sich Gruppen zusammengefunden, die die Aktionen im Zusammenhang mit Cancun planen. Auch aus kleineren Orten, in denen es bisher kaum Aktivitäten der Globalisierungskritiker gegeben hat, werden schon Aktivitäten gemeldet. So sprechen Beobachter schon von einem neuen Aufbruch der Antiglobalisierungsbewegung durch Cancun. Noch muss sich allerdings erweisen, ob es sich um mehr als um neues Strohfeuer handelt. Schließlich war die anfangs zitierte Kritik am Eventhopping nicht nur auf den Ort sondern auch auf die Inhalte der Proteste bezogen. Gerade die aktuelle Vorbereitung aber zeigt, dass noch immer internationale Kongresse, wie eben jetzt die WTO-Konferenz, die Widerstandsagenda bestimmen.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15581/1.html
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