Kein Dosenfutter mehr für den Terror

Thomas Pany 15.09.2003

Saudi-Arabien kommt den USA im Kampf gegen Finanzierungsnetze von Terrororganisationen entgegen

Nach einer langen Periode des gegenseitigen Misstrauens mehren sich, so berichtete die New York Times gestern, die Anzeichen dafür, dass sich die USA und Saudi-Arabien in der Bekämpfung des Terrors wieder annähern: hochrangige Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates (National Security Council), des FBI, des Außen -und Finanzministeriums sollen bei einem Treffen im August mit dem Kronprinz Abdullah wichtige Zusagen für eine Reihe von Maßnahmen gegen Finanzierungsnetze von al-Qaida erhalten haben.

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Die saudische Zusage kam dem Bericht nach für die Amerikaner überraschend; da das Verhältnis beider Staaten seit einiger Zeit von Misstrauen geprägt war: In der Folge der Anschläge vom 11.September 2001, worin 15 von 19 Attentäter aus Saudi-Arabien verwickelt waren, verschlechterte sich das Bild Saudi-Arabiens in der amerikanischen Öffentlichkeit zunehmend: Verdächtigungen, die aus Top-Secret-Seiten eines Kongressbericht bekannt wurden, und zuletzt Buchveröffentlichungen, wie etwa von Gerald Posner (Why America Slept) und Robert Baer (Sleeping with the Devil) unterstellen, dass der reichen Elite des Königreichs aus vielen Gründen eher daran gelegen sei, den islamisch motivierten Terror zu unterstützen und zu fördern, statt ihn zu bekämpfen.

Andererseits beklagten sich amerikanische Behörden über mangelnde Bereitschaft der Saudis zur Aufklärung der Terrornetze. So durften die US-Fahnder, wie der Bericht in der New York Times weiß, bislang nicht mit den Familienmitgliedern der Attentäter sprechen. Auch die Entschlossenheit der saudischen Behörden, die Finanzquellen von al-Qaida et al. aufzudecken, erschien der US-Administration all zu halbherzig.

Das soll sich jetzt ändern. Die Terroranschläge in Riiad im Juni, sowie reich bestückte Waffenlager, die wenige Wochen darauf im Land gefunden wurden, haben nun auch die saudischen Prinzen aufgeschreckt; jetzt will man den Terroristen die Finanzquellen abgraben und dafür enger mit dem FBI zusammenarbeiten. Sogar Befragungen von Familienmitgliedern der Attentäter sollen künftig möglich sein. Darüber hinaus sind Verhandlungen im Gange, ob ein internationales Gremium die saudische Fahndung nach Finanzströmen, die in terroristische Hände gelangen, überwachen wird.

Eine Reihe von Maßnahmen in diesem Zusammenhang sind von den saudiarabischen Behörden bereits realisiert worden. Bargeldspenden in Moscheen sind verboten und das Aufstellen von Büchsen für Spenden in Einkaufsstraßen. Für die Amerikaner sind Moscheen und Wohltätigkeitsorganisationen wichtige "Pipelines" im Finanzsystem der Terroristen; für Muslime gehören die Spenden zur religiöse Pflichterfüllung wie die täglichen Gebete - die Durchführung dieser Verbote dürfte noch einige Hindernisse zu überwinden haben.

Wie die Onlineausgabe der saudiarabischen Arabnews Ende Juli berichtete, fanden Reporter der Zeitung noch in beinahe jedem Geschäft in Riiad die üblichen Spendenbüchsen trotz des Verbotes. Die meisten der befragten Geschäftsinhaber gaben an, das Verbot nicht zu kennen.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15638/1.html
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