Der Rekordsommer 2003

Florian Rötzer 24.09.2003

Zumindest in Europa war der eben vergangene Sommer der heißeste seit 500 Jahren

Wenig verwunderlich ist, dass der eben beendete Sommer wieder einmal rekordverdächtig gewesen ist. Er war, wie Schweizer Klimaforscher mitteilen, der heißeste Sommer immerhin seit 500 Jahren in Europa und hat womöglich Tausenden von Menschen das Leben gekostet. Schon im Juli berichtete die World Meteorological Organization von Rekordtemperaturen im Juni in Europa, aber auch von extrem niedrigen Temperaturen, einer Rekordanzahl an Stürmen und ungewöhnlich hohen Niederschlagsmengen als Zeichen der fortschreitenden Klimaerwärmung (Das Wetter läuft Amok).

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Die Wissenschaftler des Geografischen Instituts der Universität Bern hatten im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkts Klima die Temperaturschwankungen der vergangenen 500 Jahre analysiert. Auch wenn der Trend der Erwärmung zumindest seit 1978 kontinuierlich nach oben zeigt, da in dieser Periode die Temperaturen im Sommer um durchschnittlich 2,8 Grad Celsius angestiegen sind, was für die letzten 500 Jahren einmalig sei, so liegt der bislang zweitheißeste Sommer doch schon einige Zeit zurück. Den habe es im Jahr 1757 gegeben. Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts habe es zudem eine Häufung von warmen Sommern gegeben.

Satellitenbild der Oberflächentemperatur des Mittelmeers um Kreta vom 31. August 2003. Bild

Doch der letzte Sommer war nicht nur der heißeste seit 500 Jahren in Europa, sondern das trifft auch auf das letzte Jahrzehnt von 1994 bis 2003 zu. In der Zeit zwischen 1901 und 1995 betrug die durchschnittliche Sommertemperatur 17,5 Grad, der vergangene Sommer lag 2 Grad drüber. Die größten Abweichungen von der Durchschnittstemperatur gab es in Zentraleuropa und im Alpenraum. Hier lagen die Temperaturen bis zu 5 Grad höher. Für Jörg Luterbacher, dem Leiter der Studie, ist der Temperaturanstieg vermutlich auf die menschlichen Aktivitäten und den erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen zurückzuführen.

Die europäischen Rekordtemperaturen lassen sich auch mit Satelliten nachvollziehen. Die Europäische Weltraumagentur ESA hat Bilder des Satelliten Envisat veröffentlicht, die mit dem Advanced Along Track Radiometer (AATSR) gemacht wurden. Mit dem Radiometer werden infrarote Lichtwellen aufgezeichnet, mit denen sich die Oberflächentemperatur der Meere mit einer Genauigkeit von 0,3 Grad messen lassen.

ESA stellt eine Aufnahme des Mittelmeeres um Kreta vom 31. August 2003 einem Bild gegenüber, das am 30. August 2002 gemacht wurde. Je heller die Farben sind, desto höher sind die Temperaturen. Im Norden Kretas ließ sich ein Temperaturunterschied von 5 Grad, im Süden von 2 bis 3 Grad feststellen. Die maximale Temperatur (rot) liegt bei 25 Grad, die kälteste (blau) bei 16 Grad. Land oder Gebiete, die von Wolken verdeckt sind, werden schwarz dargestellt.

Satellitenbild der Oberflächentemperatur des Mittelmeers um Kreta vom 30. August 2002. Bild

Die Meere speichern eine große Menge der Sonnenwärme und sind daher ein guter Indikator für Klimaveränderungen. Wie die Bilder zeigen, können auch in kurzer Zeit beachtliche Veränderungen stattfinden. "Die Meere stellen einen riesigen Wärmespeicher dar, erklärt David Llewellyn-Jones von derUniversity of Leicester. "Es ist allgemein nicht bekannt, dass sie den Großteilo der von der Sonne abgegebenen Energie aufgrund ihrer großen Oberfläche, die 71 Prozent der Eroberfläche beträgt, aufnimmt. Die Meere geben die Wärme dann direkt an die Atmosphäre ab.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15706/1.html
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