Unerhört falsche Annahmen

Thomas Pany 06.10.2003

Studie zum Irak-Krieg bestätigt unheilige Allianz zwischen Presse und Politik

Je mehr sich amerikanische Fernsehzuschauer Informationen über den Irakkrieg bei kommerziellen Nachrichtensendern holten, desto wahrscheinlicher saßen sie falschen Behauptungen auf.

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Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Ende September veröffentlicht wurde. Über 3000 Amerikaner, die ihre Informationen aus einer einzigen Medienquelle beziehen, wurden von Juni bis September über "Schlüsselelemente" des Irakkrieges und der Zeit danach befragt.

Der Clou der Untersuchung - durchgeführt von einem Forschungszentrum, das mit der "School of Public Affairs" der Universität von Maryland zusammenarbeitet - bestand darin, dass man die Befragten mit drei propagandistisch aufgeladenen Behauptungen konfrontierte, die vor und während des Krieges kursierten, viel zu dessen öffentlicher Legitimierung beitrugen und sich schon sehr bald als falsch herausstellten. Die "egregious misconceptions" (unerhört falsche Annahmen) lauten:

Saddam Hussein steht in direktem Zusammenhang mit den Anschlägen des 11.September.

Im Irak sind Massenvernichtungswaffen gefunden worden.

Die Weltöffentlichkeit war für die US-geführte Invasion des Irak

Mittlerweile, so der Leiter der Studie, Steven Kull, müsste selbst Präsident Bush die Falschheit jeder dieser Aussagen bestätigen.

Das deutlichste Ergebnis dieser Befragung bestärkt die ärgsten Vorbehalte gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender Fox: Es sei fast vier Mal wahrscheinlicher, dass Stammseher von Fox auf diesen falschen Standpunkten beharren als Nutzer von nicht-kommerziellen Medien wie National Public Radio oder dem Public Broadcasting System.

Auch wenn wir nicht behaupten können, dass diese falschen Vorstellungen die Unterstützung dafür schufen, den Krieg mit dem Irak einzugehen, ist es doch ziemlich wahrscheinlich, dass die Unterstützung für den Krieg wesentlich geringer ausgefallen wäre, wenn kleinere Teile der Öffentlichkeit diese einäugige Wahrnehmung gehabt hätten

Insgesamt 60% der Befragten hielten zumindest eine der irrtümlichen Annahmen für wahr; dennoch zeigen sich deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung entsprechend der genutzten Informationsquellen: Während nur 23 % der Nutzer von National Public Radio oder dem Public Broadcasting System eine der drei falschen Annahmen für wahr hielten, taten dies 80% der Fox-Seher.

55% der CNN-Seher und immerhin 47% der Amerikaner, die sich auf Zeitungen als primäre Informationsquelle stützen, waren ebenfalls davon überzeugt, dass mindestens eine der Statements richtig sei.

Die Studie legt einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie Nachrichten verstanden werden und der Nachrichtenquelle nahe. Dieser Zusammenhang bestünde sogar über unterschiedliche Bevölkerungsschichten, Bildungsniveaus und Parteilichkeit hinweg. Was im Falle der Fox-News-Zuschauer heißt, dass diejenigen, die sie besonders aufmerksam verfolgen, mit großer Wahrscheinlichkeit auch besonders stark an den falschen Annahmen kleben bleiben.

Die Studie sei auf eine gefährliche Art enthüllend, meint Marvin Kalb, ein ehemaliger Journalist, der jetzt an der Kennedy School of Government der Harvard-Universität lehrt, "weil diejenigen, die schon immer an eine unheilige Allianz zwischen Presse und Politik geglaubt haben, jetzt noch mehr Beweise haben".

Lesenswertes von Jim Lobe zur Studie siehe hier

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15791/1.html
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