Magischer Moment für magisches Schiff steht unmittelbar bevor
Starttermin der ersten bemannten Raumfahrt-Mission Chinas ist offiziell - Shenzhou-V soll zwischen dem 15. und 17. Oktober abheben
Das Rätselraten um den Starttermin der ersten chinesischen bemannten Raumfahrtmission hat ein Ende gefunden. Inzwischen ist der Zeitpunkt des Lift-off offiziell. Der schon seit langem angekündigte und immer wieder verschobene Start der 'Shenzhou-5' ("Magisches Schiff") steht kurz bevor. Wie die chinesische Nachrichten-Agentur 'Xinhua' Freitag bekannt gab, will Peking seinen ersten Taikonauten zwischen dem 15. und 17. Oktober in den Orbit schießen, sofern das Wetter keine Kapriolen schlägt. Insgesamt 21 Stunden sind für die 14 geplanten Erdumrundungen vorgesehen, denen nur ein Raumfahrer beiwohnen wird. Wenn das Raumschiff 'Shenzhou-5' (SZ-5) nächste Woche vom Kosmodrom Jiuquan startet, bleiben westliche Journalisten außen vor. Immerhin will der regierungsnahe TV-Sender "China Central Television" das Ereignis live übertragen.
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Wie kaum ein anderes Land auf der Erde hat das Reich der Mitte, dem immer schon ein hohes technisches und ökonomisches Potenzial nachgesagt wurde, in den letzten Jahren auf technisch-wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Gebiet aufgeholt - vor allem in der Raumfahrt. Um auf diesem Terrain endlich als dritte Raumfahrt-Großmacht Fuß zu fassen, hat die Volksrepublik nach 44-jähriger Erfahrung mit unbemannten Weltraummissionen all ihre wissenschaftliche und technische Raumfahrt-Kompetenz gebündelt. Das Ergebnis dieser nicht ganz frei von propagandistischen Motiven geprägten langwierigen Anstrengung könnte sich bereits nächsten Mittwoch (oder ein bis zwei Tage später) zeigen, wenn der erste chinesische Raumfahrer mit einer Rakete vom Typ Langer-Marsch-2F ins All gehievt und in die Schwerelosigkeit entlassen wird.
Voller Zuversicht
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Inzwischen pfeifen es nämlich selbst die Spatzen von den Pagoden chinesischer Tempelanlagen, dass Pekings bemannte Raumflug-Mission unmittelbar vor ihrer viel erwarteten Premiere steht. Den Anfang machte kürzlich eine der wichtigsten chinesischen Internetseiten Chinas, Sina.com, die unter Berufung auf den Direktor des Programms für Raketentechnik, Prof. Xie Guangxuan, meldete, dass der erste chinesische Raumfahrer nächsten Mittwoch starten und für 90 Minuten im Orbit schweben, also eine Weltrumrundung absolvieren werde. Er sei "voller Zuversicht", wurde Xie zitiert.
Auch ein Sprecher des Fernsehkanals CCTV bestätigte unlängst in Peking, dass die Live-Übertragung des Flugs der SZ-5-Raumkapsel für kommenden Mittwoch vorgesehen sei. Dass nach den vier erfolgreichen Shenzhou-Testflügen, bei denen alle lebenserhaltenden Systeme getestet wurden, nunmehr der genaue Startzeitpunkt feststehe, berichtet die Zeitung "Oriental Morning News". Das Blatt, das ebenso den früheren Leiter des "Shenzhou-3"-Programms Xie Guangxuan zitiert, der von einem reibungslosen Verlauf der Vorbereitungen für den Start erzählt, legt sich ebenfalls auf den 15. Oktober als Starttermin fest.
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Und von einem Startfenster für SZ-5, das vom 15. bis 17. Oktober "offen" ist, geht auch die chinesische Nachrichtenagentur People's Daily Online aus. Sollte das Wetter gleichwohl nicht mitspielen, dann könne der Flug bei schlechtem Wetter erst am Freitag stattfinden, wobei eine ausreichend sichere Wettervorhersage, die den Ausschlag für das "Go" zum Start geben soll, erst am kommenden Sonntag zu erwarten ist.
Schon letzte Woche verdeutlichte der chinesische Raumfahrtexperte Chen Lan gegenüber der Nachrichtenagentur AFP in Peking, dass Chinas erste bemannte Mission unmittelbar bevorstünde. Zwar hinge der genaue Termin noch vom Wetter und anderen technischen Bedingungen ab; dennoch sei ein baldiger Start von 'Shenzhou-5' sehr wahrscheinlich, so Chen, der auf seiner Internetseite Go Taikonauts! die seiner Meinung nach 14 potenziellen Kandidaten für den ersten Raumflug der Volksrepublik vorstellt.
Nunmehr ist es aber offiziell. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua in einem vorgestern erschienenen Beitrag einen unbenannt gebliebenen Offiziellen zitiert, wird sich der Starttermin von Shenzhou 5 "zwischen dem 15. und dem 17. Oktober" bewegen. Für den Start seien, so Xinhua, strenge Sicherheitsvorkehrungen vorgesehen. Das Gros der Medien bleibe außen vor. Nur die staatlichen Medienvertreter der Agentur Xinhua, der Tageszeitung 'People's Daily' sowie die Mitarbeiter des Fernsehsender CCTV haben Zutritt zum Kosmodrom Jiuquan und gleichfalls die Erlaubnis, dem Lift-off der Chang Zheng-2F (zu deutsch "Langer Marsch") beizuwohnen. Bei späteren Missionen hingegen wird auch westlichen Journalisten Zugang zum Weltraumbahnhof gewährt, sofern der anstehende SZ-5-Flug reibungslos über die Bühne geht. Nach Auskunft der Agentur sind 14 Erdumkreisungen vorgesehen. Summa summarum 21 Stunden wird der Taikonaut (benannt nach dem chinesischen [Mandarin-]Wort für Weltall, "Taikong") alleine in seiner Kapsel ausharren müssen.
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Dritte Großmacht im All
Bei einem erfolgreichen Start wäre China das dritte Land der Welt, das selbst Astronauten mit einem eigenen Trägersystem ins All katapultieren und via Kapsel wieder heil zurückholen kann.
Was die Anzahl der Raumfahrer an Bord der 'Shenzou-5' anbelangt, so gab es in der Vergangenheit wilde Spekulationen. Während Sina.com nur einen Taikonauten in der Kapsel sah, hieß es von offizieller Seite, dass in der Raumkapsel drei Männer Platz nehmen würden. Jetzt aber gilt als sicher, dass nur ein einziger chinesischer Raumfahrer die Kapsel besteigen wird. Wer dies namentlich ist, bleibt nach wie vor ein Geheimnis. Immerhin kursieren erstmals auch die Namen jener drei Kandidaten, die in die engere Auswahl gekommen sind: Wu Jie, Li Qinglong oder Yang Liwei. Nur einer von ihnen wird fliegen.
Gewiss ist aber, dass 'Shenzhou-5' mit einer Langer-Marsch-F2-Trägerrakete von dem am Rande der Gobiwüste in der nordwestlichen Provinz Gansu gelegenen chinesischen Weltraumbahnhof Jiuquan ins All geschickt wird. Läuft alles nach Plan, dann soll die Rakete um 9:00 Uhr Chinazeit abheben; die Shenzhou-Kapsel soll hingegen in der Zentral-Mongolei um 6.00 Uhr am nächsten Tag niedergehen, wo zur Zeit ein kühl-feuchtes Wetter vorherrscht.
Unverkennbar eigenes Profil
China startet seine erste Rakete bereits 1959. Charakteristisch für die chinesische Raumfahrt-Technik ist, dass ihre Systeme damals wie heute allesamt auf sowjetischer Technologie basieren, wobei allerdings die chinesische Sojus-Variante stark modifiziert wurde. So kaufte China 1994 eine russische Sojus-Kapsel und 1996 ein komplettes Docking- und Lebenserhaltungssystem sowie einige Raumanzüge. Dies führte dazu, dass Experten aus verschiedenen Ländern China vorhalten, den Großteil der angewandten Technik einfach nur kopiert zu haben. Inzwischen attestieren aber Kenner der Materie der chinesischen Raumfahrt ein unverkennbares eigenes Profil. So bietet die Taikonauten-Kapsel gleich vier Raumfahrern Platz. Außerdem ist sie mit einer Art Tunnel und einer Andockstation ausgestattet, so dass zwei Kapseln zusammengekoppelt werden und für einige Zeit eine kleine Raumstation bilden können.
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Ein eigenes Profil entwickelt haben auch die weiterentwickelten Langer-Marsch-Trägersysteme. Mit diesen Raketen verfügt Peking über ein zuverlässiges, erfolgreiches Transportsystem, mit dem in der Vergangenheit zahlreiche Satelliten erfolgreich und im Vergleich zu den US-Systemen oder der europäischen Ariane billiger in den erdnahen Weltraum transportiert wurden.
Unbedingter Wille zum Erfolg
Dass mit Blick auf die chinesische Raumfahrt die Gerüchteküche schon seit langem kocht, hängt auch damit zusammen, dass China bis auf den heutigen Tag keinen "designierten" Raumfahrer jemals namentlich vorgestellt hat, obgleich das Astronautenprogramm bereits seit 1968 existiert. Ende 1980 wurde es zwar aufgrund zu hoher Kosten eingestellt, 1992 allerdings wieder in Gang gebracht. Seitdem unternimmt China große Anstrengungen, um den ersten "Taikonauten" weltraumtauglich zu machen. Bereits mehrfach haben verschiedene Insider und Kenner des chinesischen Raumfahrtprogramms in den letzten Jahren Starttermine für die lang ersehnte bemannte Mission lanciert. Beispielsweise verdichteten sich schon vor drei Jahren die Gerüchte, dass die Volksrepublik definitiv Ende 2001 den ersten Taikonauten ins All bringen will; Ende 2001 war dann von 2002 die Rede - und zu guter Letzt war letztes Jahr das Jahr 2003 in aller Munde.
Ob die weiteren sehr ehrgeizigen Ziele der Volksrepublik fruchten werden, ob sie in der nächsten Dekade einen Taikonauten zum Mond schickt oder ob sie an der ersten bemannten Mars-Mission teilnehmen wird, ist sicherlich noch Zukunftsmusik. Mögen Insider diese utopischen Ziele mit einem Augurenlächeln quittieren: Chinas abstrakte Pläne sind durchaus ernst zu nehmen. Denn das bevölkerungsreichste und flächenmäßig drittgrößte Land der Welt hat nicht nur ein enormes wirtschaftliches und technisches Potential, sondern auch den unbedingten politischen, wenngleich prestigeorientierten und propagandageprägten Willen zum Erfolg.
Wer den Weltraumbahnhof Jiuquan mit den Augen des "Ikonos" sehen möchte, den der Satellit am 4. Oktober im Visier hatte und fotographierte, wähle folgenden Link.
http://www.heise.de/tp/artikel/15/15833/1.html- Die selbe Behörde... (14.10.2003 22:47)
- DANKE (14.10.2003 16:31)
- Die "magische" chinesische Presse (14.10.2003 2:58)
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