Milliardenumsätze

Ernst Corinth 15.10.2003

Kreditkartenfirmen wollen angeblich Geschäfte mit Kinderpornohändlern unterbinden

Wenn es etwas zu jagen gibt, dann läuft das Team von Ulrich Meyer stets zur Hochform auf. So auch am vergangenen Dienstagabend. Zuerst wurden in Meyers Sat.1-Boulevard-Magazin "Akte 03" mit Kamera und Mikrophon Sozialhilfeempfänger gejagt, die sich vor so genannter gemeinnütziger Arbeit gedrückt hatten. Nach diesem doch arg schmierigen Beitrag wurde dann die zuvor groß angekündigte Jagd auf Kinderpornohändler eröffnet. Natürlich gewohnt spektakulär.

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So reiste ein "Akte"-Team nach St. Petersburg, angeblich einer der Hauptumschlagplätze für Kinderpornos, befragte dort Polizisten, Heimleiter und Opfer. Erwischt wurde zwar keiner der Täter. Die Person, die man mit Namen vorab ermittelt hatte, war nämlich längst tot. Und ihr Name wurde, wie sich herausstellte, als Tarnung benutzt, um im Netz die verbotene Ware an den Mann zu bringen. Da Mann auf den Kinderporno-Seiten meist mit Kreditkarte zahlt, um sich an vergewaltigten Kleinkindern pervers zu ergötzen, was nach Akte 03 den Tätern und ihren Hintermännern pro Jahr die Summe von 19 Milliarden Dollar - eher nach anderen Schätzungen zwischen 3 und 10 Milliarden - einbringen soll, ging es anschließend den Kreditkartenunternehmen an den Kragen.

Wie die Firmen VISA, American Express und Diners Club mit dieser Frage umgehen oder zukünftig umgehen wollen, lässt sich nun auch im Netz bei Akte 03 nachlesen. Empört sind natürlich alle drei, und genauso natürlich wollen sie das Geschäft mit der verbotenen Ware unterbinden, was sie allerdings schon länger ankündigen (Spitze des Eisbergs). Doch wie das konkret gehen soll, das verraten sie nicht. Nur die Firma VISA nennt wenigstens ein paar Einzelheiten.

Nach ihren Angaben hat sie Anfang 2002 die internationale Beratungsfirma InteCap beauftragt, um kinderpornografische Seiten, die Visa akzeptieren, ausfindig zu machen. "Sie benutzt die neueste Technologie, um ca. 1.000.000 Internetseiten pro Tag zu durchsuchen. Das besondere an dieser Firma ist ihre Fähigkeit, schnell Kinderpornographie-Seiten, die Visa akzeptieren, zu identifizieren." Und danach wird das Geschäft angeblich sofort unterbunden.

Wesentlich blumiger äußert sich das Unternehmen American Express. In den Verträgen mit seinen Vertragspartnern, heißt es in der Erklärung, sei eindeutig geregelt, dass sie Verkäufe für Glücksspiele, pornographische Artikel oder Dienstleistungen, Prostitution oder irgendwelche anderen illegalen Güter oder Dienstleistungen in keinem Fall über American Express Karten abwickeln dürften. "Wenn wir einen Vertragspartner identifiziert haben, der Geschäfte in diesen Branchen betreibt, unterbinden wir sofort die Möglichkeit, dass über American Express Transaktionen abgewickelt werden können, und informieren gegebenenfalls die lokalen Behörden."

Klingt gut, doch leider sind die Händler nicht nur böse, sondern auch clever. Und agieren daher oft unter verschiedenen Namen oder wickeln ihre Kartentransaktionen über Dritte ab. "Das macht es sehr schwierig für uns, den tatsächlichen Händler zu identifizieren", bedauert also leicht geknickt American Express. Diners Club dagegen bedauert nicht nur, sondern ist sogar sehr beunruhigt "zu hören, dass Diners Club Karten eventuell als eine Zahlungsmöglichkeit für Abonnenten solcher Seiten angeführt werden". Und will jetzt erst einmal die Angelegenheit gründlich untersuchen.

Kurzum: Die Idee, das Geschäft mit Kinderpornos mit Hilfe der Kreditkartenfirmen zu erschweren, ist zwar nicht schlecht. Ob und wie die Firmen dann tatsächlich tätig werden, das muss sich aber erst noch zeigen. Und außerdem sind einige Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr auch für sie kein Pappenstiel.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15868/1.html
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