Manipulierte Zahlen?

20.10.2003

Laut einer Umfrage befürworten drei Viertel der Palästinenser den Selbstmord-Anschlag von vor zwei Wochen, bei dem 21 Menschen, darunter vier Kinder, ums Leben kamen

Drei Viertel aller befragten Palästinenser befürworten den Selbstmord-Anschlag auf das Restaurant Maxim von vor zwei Wochen, bei dem 21 Menschen, darunter vier Kinder, ums Leben kamen - schockierendstes Ergebnis der jüngsten Umfrage des palästinensischen Zentrums für Politik und Umfrageforschung (PCPSR), die gestern veröffentlicht wurde.

Nur 17% der Befragten sagten, dass sie gegen den Anschlag seien; 4,4 % gaben an, dass sie den Anschlag streng verurteilten. Die hohe Zahl der Befürworter erklärte der Umfrageleiter, Ayub Mustafa, könnte manipuliert - "künstlich hochgetrieben" - worden sein, da den Befragten in der Fragestellung nicht mitgeteilt wurde, dass alle 21 Toten Zivilisten waren. Man könnte allerdings auch behaupten, dass die Manipulation nicht erst durch die Fragestellung passierte, sondern dass die palästinensische Öffentlichkeit allgemein schlecht über diesen (und wahrscheinlich nicht nur diesen) Anschlag informiert wurde, dessen Besonderheit darin lag, dass ein Restaurant angegriffen wurde, das als Treffpunkt von jüdischen und arabischen Israelis galt; so fragte sich der Kommentator der saudischen Arab-News einige Tage später:

Wie viele Gedanken haben sich die arabischen Medien darüber gemacht, dass sich drei israelische Araber unter den Todesopfern im Restaurant in Haifa befanden ? Inwieweit wurde der Fakt anerkannt, dass die Stadt, in der der Anschlag passierte, eine der wenigen Orte ist, wo Juden und Araber friedlich koexistieren ? Und wo waren die Kommentare in der Presse, die danach fragten, was die drei Kinder und das Baby, die in Stücke gerissen wurden, getan hatten, um dieses Schicksal zu verdienen ? ....Sehen wir dem ins Auge

die Palästinenser und die größere arabische Welt haben keine bedeutungsvolle Strategie um mit dem arabisch-israelischen Konflikt umzugehen, deswegen ist es der Extremismus, der das Vakuum füllt.

Etwas mehr als die Hälfte der 1318 befragten Bewohner der West Bank und des Gazastreifens, nämlich 55%, gaben an, dass sie "bewaffnete Anschläge" in Israel befürworten und diese Zahl, so Ayub Mustafa in seiner Interpretation, würde die palästinensische Unterstützung für den Anschlag in Haifa besser reflektieren; es sei das erste Mal gewesen, dass man nach der Unterstützung für ein spezifisches Bombenattentat gefragt habe. Über 89% unterstützten Angriffe auf israelische Siedler in der West Bank und im Gaza Streifen, etwa genauso viel waren für Angriffe auf israelische Soldaten.

Insgesamt, so das Zentrum für Politik und Umfrageforschung, zeigte sich diesmal ein bemerkenswerter Grad an widersprüchlichen Haltungen zur Sicherheitspolitik: so waren trotz eben genannter hoher Zustimmung für tödliche Angriffe 85% zugleich für einen beiderseitigen Stop der Gewalt und zwei Drittel für eine erneute Hudna.

Keine Überraschung ist, dass die antiamerikanische Stimmung unter den Palästinensern noch gestiegen ist: über 95% glauben nicht daran, dass die USA glaubwürdig sind, wenn sie behaupten, dass sie die Gründung eines palästinensischen Staat neben Israel fördern wollen; 97 glauben, dass die USA Vorurteile zugunsten Israels habe. Auf anderen Gebieten erhielten die USA jedoch sehr hohe Werte: so denken 85% positiv über amerikanische Medizin, Wissenschaft und Technik und 74 % finden, dass in den USA hohe Geschlechtergleichheit herrscht. Allerdings bewertet nur wenig mehr als Hälfte (53%) Demokratie und Pressefreiheit in den USA als positiv.

Dagegen ist die Popularitätsrate für Präsident Jassir Arafat ist so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr: 50 % würden ihn wieder wählen - gegenüber 35 % im Juni letzten; obwohl 90% der Palästinenser glauben, dass seine Politik Verbesserungen nötig hat und sich 80% sicher sind, dass die Politik der palästinensischen Autonomiebehörde korrupt ist. Der gleich hohe Prozentsatz gab auch an, dass die neu gewonnene Popularität Arafats mit den israelischen Plänen zu dessen Ausweisung zu tun hat.

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