Sicher und überwacht

Florian Rötzer 24.10.2003

Schüler, Lehrer und Laptops werden in einer US-Schule mit RFID-Chips kontrolliert

Letztes Jahr hatte die private Enterprise Charter School in Buffalo ihre Türen geöffnet. Den 450 Schülern wird nicht nur das "innovative" projektbasierte Unterrichtskonzept, Ausbildung in nicht-gewalttätiger Konfliktlösung und ein längeres Schuljahr mit längeren täglichen Unterrichtszeiten angeboten. Gary Stillman, der Direktor, ist auch technisch innovativ und nutzt RFID-Chips, um Lehrer, Schüler und bestimmte Gegenstände zu überwachen.

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Seit letztem Monat sind die RFID-Chips in Gebrauch. Ausgestattet mit einer winzigen Antenne wird die im Chip gespeicherte ID-Nummer von einem Scanner, der sich in der Nähe befindet, abgelesen. Der Chip benötigt selbst keine Energie.

Mit den Chips wurden nicht nur Gegenstände wie Bibliotheksbücher oder Laptops ausgestattet, sondern auch alle Schulangestellten und Schüler. Die müssen sowieso schon eine Plastikkarte um ihren Hals mit Foto, Name und Klasse umgehängt haben, auf der sich nun auch noch der RFID-Chip befindet. Es ist dasselbe Modell, den auch das Pima County Gefängnis in Arizona für die 1.600 Gefangenen benutzt. Auch US-Soldaten haben diese Chips von Texas Instruments, ebenso wie Besucher des Themenparks Magic Waters in Illinois. So nähern sich Schüler, Lehrer, Soldaten, Touristen und Strafegefangene im Panoptikum an (Wunderwaffe gegen Diebstahl: Das Ende vom Anfang oder der Anfang vom Ende?).

Wenn Schüler und Lehrer zur Schule kommen, müssen sie sich schon am Eingang über den RFID-Chip identifizieren. Aus Privacy-Gründen hat die Firma Intuitek, die das Sicherheits- und Kontrollsystem installiert hat, die Reichweite der Chips angeblich auf 50 Zentimeter beschränkt, um ein heimliches Ablesen aus der Distanz zu verhindern. Damit die Chips abgelesen werden können, müssen die Betroffenen jetzt noch einen Touchscreen-Computer am Eingang bedienen. Wenn der Chip abgelesen wird, erscheint auf dem Bildschirm ein Foto des Schülers, der dann den Eintritt in die Schule noch bestätigen muss. Die Chips der Mitarbeiter gewähren zudem den Zutritt zu verschlossenen Räumen.

Das sei nicht anders, so Intuitek-Direktor Straitiff gegenüber Wired, als wenn die Schüler einen Ausweis vorzeigen oder eine Karte einlesen lassen müssten. Zudem würde man für die mit den ID-Nummern verbundene Datenbank verschiedene Kennworte benötigen, um Daten des Schülers über Bibliotheks- oder Cafeteria-Benutzung, über seinen Gesundheitszustand, seine Anwesenheit oder seine Leistungen abrufen zu können.

Stillman beabsichtigt, das RFID-Überwachungsprogramm noch zu erweitern. Man könne vielleicht auch kontrollieren, ob die Schüler (oder Lehrer) pünktlich zu jeder Stunde kommen und feststellen, wann sie den Schulbus verlassen oder ihn besteigen. Möglichkeiten gibt es noch viele, Bedenken aber auch. So bereitet das Buffalo-System für den Sicherheitsexperten Richard Smith die Kinder für die "Schöne neue Welt" vor, "in der sie sieben Tage die Woche 24 Stunden am Tag im Namen der Sicherheit überwacht werden."

Mein Hauptbedenken ist, dass wir, wenn wir einmal mit RFID-Chips ausgestattete Dinge wie Zugangskarten, Handys, Kreditkarten, Kleider etc. mit uns führen, auch ohne unser Wissen und ohne unsere Zustimmung durch ein Netzwerk an RFID-Scannern, die mit dem Internet verbunden sind, verfolgt werden können.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15936/1.html
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