Krankenhäuser im Visier

Florian Rötzer 26.10.2003

Israelische Soldaten holten sich aus Krankenhäusern in Nablus zwei Terrorverdächtige - womöglich in Verletzung der Genfer Konventionen

Israelische Soldaten sind, getarnt mit schwarzen Skimasken, in zwei Krankenhäuser im Westjordanland gestern Abend eingedrungen und haben zwei Männer verhaftet. Angeblich handelt es sich und verdächtige Terroristen. Ein entführter Patient war schwer verletzt.

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Maskiert waren die Soldaten wohl auch deswegen, weil die Aktion nach internationalem Recht verpönt ist. Das könnte zu einer Anzeige vor dem internationalen Strafgerichtshof führen. Der palästinensische Minister Saeb Erekat warf denn auch der israelischen Regierung einer Verletzung der Genfer Konventionen vor. Krankenhäuser gelten hier als neutrales Territorium. Die israelische Armee hingegen sagte, das internationale Recht verbiete, dass Kämpfer Schutz in einem Krankenhaus suchen. Überdies wurden zwei Friedensaktivisten aus Australien und den USA im Balata-Flüchtlingslager in der Nähe von Nablus durch Gewehrschüsse von israelischen Soldaten verletzt.

In einem Fall drangen israelische Soldaten in ein Krankenhaus in Nablus ein und nahmen den 25-jährigen Khaled Hamed aus der Intensivstation mit. Hamed wurde schwer verletzt durch eine Explosion, die zufällig stattfand, als er in seinem Wagen fuhr. Nach Auskunft des Arztes erlitt der Hamas-Aktivist bei Explosion Gehirnblutungen und Verbrennungen. Die Soldaten trennten den Verletzten von den Maschinen der Station und brachten ihn in ein israelisches Militärkrankenhaus. Hamed wird verdächtigt, einen Selbstmordanschlag geplant zu haben.

Der zweite Fall betraf ein Krankenhaus ebenfalls in Nablus, in dem ein mit einer Pistole bewaffneter Palästinenser von Soldaten festgenommen wurde, der den al-Aksa-Brigaden der Fatah angehören soll. Hier bestätigen auch palästinensische Sicherheitskräfte, dass dieser Mann kein Patient gewesen ist.

Der von israelischen Soldaten am Freitag verletzte amerikanische Friedensaktivist lag zufällig in dem Krankenhaus, als die Soldaten am Nachmittag eindrangen. Plötzlich habe er eine auf ihn von maskierten Soldaten gerichtete M-16 gesehen. Die Soldaten seien eine Stunde lang im Krankenhaus gewesen und hätten Patienten, Ärzte und Pflegepersonal bedroht. Patienten seien auch gefilmt worden.

Scharon Feindgold, Sprecherin der israelischen Armee, rechtfertigte Aktion. Palästinensische Militante würden eine neue Strategie verfolgen und Zuflucht in Krankenhäusern suchen. Man werde auch weiterhin Krankenhäuser durchsuchen, wenn man glaube, dass sich unter Patienten verwundete oder Schutz suchende Militante befinden. Die Durchsuchung der Krankenhäuser folgte auf den Anschlag auf die jüdische Siedlung Netzarim, bei dem drei israelische Soldaten, darunter zwei Frauen, getötet wurden. Als Racheaktion wurden 5.000 Menschen, die in A-Zahar, südlich Netzarim, leben, aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Sie sollen zerstört werden, weil von dort aus die Bewegungen der israelischen Truppen beobachtet worden wären.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15943/1.html
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