US-Post will digitale Absenderidentifikation einführen

Florian Rötzer 27.10.2003

Eine "persönliche Briefmarke" soll die Effizienz steigern, aber auch nach den Anthrax-Briefen die Absender verdächtiger Sendungen besser feststellen lassen

Auch die Post in den USA will zukunftsfähig bleiben. Letztes Jahr hatte US-Präsident Bush eine President's Commission on the United States Postal Service ins Leben gerufen, die im Sommer ihren Bericht vorgelegt hat. Nach den Anschlägen mit Milzbrandbriefen im Oktober 2001 (Auf der Spur der Anthrax-Briefe), deren Aufklärung bislang keine Ergebnisse gebracht hat, soll der "intelligente Brief" in Zukunft möglichst auch verhindern, dass er anonym verschickt werden kann. Gefordert wird als erster Schritt eine "verbesserte Absenderidentifikation" für Massensendungen.

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Der zweitgrößte Arbeitgeber der USA (840.000 Angestellte) steckt mit 90 Milliarden Dollar tief in den Schulden. Emails bedrohen zudem den Markt des U.S. Postal Service, die immer noch einen Umsatz von jährlich 67 Milliarden Dollar erzielt. Ohne radikale Modernisierung, so die Kommission, müsste die Post ihre Tätigkeitsfelder erheblich einschränken, die Gebühren stark erhöhen oder noch mehr Schulden machen. Eine Privatisierung wird jedoch nicht empfohlen.

Email freilich würde in absehbarer zumindest nicht das Ende der herkömmlichen Post bedeuten, auch wenn in den letzten Jahren der Briefverkehr bereits zurück gegangen ist. Gegenwärtig werden jährlich noch immer 200 Milliarden Postsendungen in den USA befördert, aber man müsse in den nächsten Jahren mit einer Stagnation und ab 2012 mit einem leichten Rückgang rechnen. Nach Berechnungen der Kommission werden im Jahr 2017 immer noch über 180 Milliarden Postsendungen verschickt.

Sicherheit statt Anonymität

Gefordert wird unter anderem eine Umstellung der Post auf ein "wirklich digitales Netzwerk, das Posteinrichtungen, Fahrzeuge, Partner du Angestellte nicht nur untereinander, sondern auch über das Internet mit den Kunden und der Sendung selbst verbindet". Das könne durch einen Barcode auf jeder Sendung geschehen, wodurch Kosten durch Echtzeitüberwachung gesenkt und die Kunden besser bedient werden könnten, indem sie beispielsweise den Weg der "intelligenten Sendung" auf einer "robusten Website" verfolgen können. Diese Website sollte zum "Äquivalent eines stets geöffneten Postbüros mit allen Diensten" werden.

Gedacht wird unter anderem an "personalisierte" Briefmarken, die Informationen über den Absender, die Sendung und den Zielort enthalten, um so eine weitgehend automatisierte Beförderung zu ermöglichen. Um den Kunden dies schmackhafter zu machen, könnte diesen beispielsweise angeboten werden, selbst die Briefmarken zu gestalten.

Mit den zusätzlichen Informationen ließe sich auch besser für die Sicherheit des Postverkehrs sorgen und schneller feststellen, woher bestimmte Sendungen stammen. Die Milzbrandbriefe hätten die Sicherheitslücken des "relativ offenen Postnetzwerks" gezeigt: "Die Kommission ist der Überzeugung, dass eine Absenderidentifikation auf jeder Sendung die Sicherheit und die Geschwindigkeit des nationalen Postdienstes weite verbessern würden." Normalerweise würde es den Menschen nichts ausmachen, ihren Absender auf der Sendung anzugeben. Schwieriger würde es nur für diejenigen werden, die die Post für illegale Zwecke nutzen. Die Post solle zusammen mit dem Heimatschutzministerium eine Technik zur Absenderidentifikation einer jeden Sendung entwickeln. Probleme mit dem Datenschutz sollten beachtet und mit der erhöhten Sicherheit bewertet werden.

Die Post hat jetzt bereits den ersten Schritt zu einer solchen Absenderidentifikation eingeleitet und verlangt diese zunächst für Massensendungen. Normalerweise ist hier zwar der Absender angegeben, aber nun soll bei allen Massesendungen der Absender mitsamt Adresse erfasst werden. Explizit wird darauf hingewiesen, dass dies auf dem Hintergrund der Forderung geschieht, dass bei allen Sendungen eine Identifizierung des Absenders aus Sicherheitsgründen eingeführt werden soll. Es geht also um einen ersten Schritt, "Untersuchungen in die Herkunft von verdächtigen Sendungen zu erleichtern".

Wie allerdings, abgesehen von allen Datenschutzproblemen, sicher gestellt werden könnte, dass eine "intelligente Sendung" mit einem Barcode oder einer "personalisierten Briefmarke" einen Rückschluss auf den Absender tatsächlich gewährleisten kann, ist bislang kaum vorstellbar. Wer seine Identität geheim halten will, wird Möglichkeiten finden, personalisierte Briefmarken und Absenderangaben zu fälschen. Und Bürgerrechtsaktivisten wie Chris Hoofnagle vom Electronic Privacy Information Center sind der Meinung, dass es weiterhin möglich sein sollte, anonyme Briefe zu senden, beispielsweise an Politiker.

http://www.heise.de/tp/artikel/15/15953/1.html
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