2002 wurden fünf Exabytes an Information geschaffen
Nach einem Bericht wurden 92 Prozent der Daten auf magnetischen Trägern gespeichert, allen voran auf Festplatten
Da die Speichermedien billiger und besser werden und zudem immer mehr Daten erfasst und erzeugt werden, steigt die Informationsflut unaufhörlich an. Legt man die 5 Milliarden Gigabytes oder 5 Millionen Terabytes meist auf magnetischen Speichern gelagerten Daten auf die derzeit auf der Erde lebenden Menschen um - 6,3 Milliarden -, so wäre jeder stolzer Besitzer von 800 MB.
Weil aber die meisten Menschen kaum oder gar keine gespeicherten Informationen - in Form von Büchern, Zeitschriften, Fotos, CDs, Festplatten oder was auch immer - ihr eigen nennen, stellt die digitale Kluft auch rein quantitativ eine Informationskluft dar. Mit einem Anteil von 40 Prozent sind die USA auch im Erzeugen der weltweit gespeicherten Informationen Weltklasse. 50 Prozent der Daten, die auf magnetische Speicher kommen, oder 33 Prozent der Informationen in Printmedien stammen aus den USA. Die US-Bürger verbrauchen aber auch pro Kopf 12.000 Blatt Papier. Das sind 5.000 mehr als die Europäer. Mit Abstand am meisten Papier wird übrigens im Büro verbraucht, das noch weit entfernt von der Umsetzung eines papierlosen Büros ist, da vor allem Computerdrucker zu einer Steigerung des Papierverbrauchs geführt haben.
Peter Lyman und Hal Varian von der School of Information Management and Systems an der University of California-Berkeley hatten bereits im Jahr 2000 versucht zu erfassen, wie viele Informationen die Menschen und Maschinen im Vorjahr angehäuft hatten (Explosiv wachsende Informationsproduktion). Nach der neuen, von Microsoft, Intel, HP and EMC unterstützten Analyse hat sich die Erzeugung neuer Information gegenüber 1999 verdoppelt. Von 1999 an ist die Zahl der Informationen oder Daten jährlich um 30 Prozent gewachsen. Die Wissenschaftler haben zu ihrer Schätzung Statistiken, Veröffentlichungen und Stichproben verwendet. Allerdings gibt es oft keine genauen, manchmal auch - wie oft in der Dritten Welt - gar keine Zahlen. Schwierig ist die Schätzung schon auch deswegen, weil es keine allgemeine quantitative Größe für alle Formate gibt, aber auch, weil kaum auszumachen ist, was "neue" Information und was Kopie ist. Die Wissenschaftler weisen beispielsweise darauf hin, dass eine Zeitung auf Papier gedruckt, aber auch im Web veröffentlicht sowie auf Mikrofilm archiviert wird. Viele Inhalte wie Agenturmeldungen, Werbung oder Aktienkurse werden in vielen Zeitungen reproduziert.
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Erstaunlicherweise werden nur 0,002 Prozent aller Informationen auf optischen Trägern wie CDs, CD-ROMs oder DVDs gespeichert. DVDs liegen an erster Stelle. Printmedien wie Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften haben am exponentiellem Wachstum mit 0,01 Prozent kaum einen Anteil. 7 Prozent gehen auf den Film, 92 Prozent der neuen Informationen finden sich auf magnetischen Trägern, an erster Stelle auf Festplatten, aber auch auf Videobändern und MiniDVs. Einen besonderen Anteil an der wachsenden Informationsflut scheinen die P2P-Netzwerke zu haben. MP3-Musikdateien und digitale Videodateien füllen zumindest bei den P2P-Nutzern 70 Prozent des Festplattenspeichers.
Beim Film findet gerade ein Übergang zu digitalen Bildern statt. Weitaus am meisten Bilder auf Film verdanken sich der Fotografie (zwischen 375.000 und 37.500 Terabytes pro Jahr, was zugleich auch die Schwierigkeit des Schätzens deutlich macht). Dann kommen mit weitem Abstand (20.000 Terabytes) Röntgenaufnahmen und Fernsehserien. Kino- und Fernsehfilme
Die auf Papier, Film oder magnetischen und optischen Speichern lagernden Informationen werden aber noch um ein Vielfaches von den neuen Informationen übertroffen, die über das Internet, Telefonleitungen, das Fernsehen oder das Radio zirkulieren. Die beiden Forscher gehen von 18 Exabytes aus, davon sind 17,3 Exabytes oder 98 Prozent Daten, die in Form von Gesprächen oder von Daten über Telefonverbindungen - einschließlich Mobiltelefone - laufen, wenn sie gespeichert würden. An zweiter Stelle liegt das Internet mit 532.897 Terabytes.
Trotzdem sind auch die anderen Zahlen beeindruckend, die die beiden Forscher abgeschätzt haben. Das Oberflächen-WWW enthält 170 Terabytes an Informationen, das "deep web" hingegen fast 92.000. Überdies generieren Emails jährlich 400.000 Terabytes an neuer Information (31 Milliarden Emails sollen jährlich, Tendenz steigend, verschickt werden), Instant Messaging 274 Terabytes. Dagegen verblassen Radiosendungen, bei denen jährlich 70 Millionen Stunden (3.500 Terabytes) neu erzeugt werden, oder Fernsehsendungen mit 123 Millionen Stunden (70.000 Terabytes).
Das Problem ist freilich, dass die Hardware und das Erzeugen von Informationen billiger wird, aber mit den steigenden Informationsmengen wird die Verwaltung immer aufwändiger und teurer. Mit dem Gedächtnis muss auch die Restgehirnmenge wachsen, wodurch der gezielte Zugriff auf die Daten langsamer und komplizierter wird. In biologischen kognitiven System gibt es daher nicht nur die selektive Aufmerksamkeit, sondern auch das Vergessen (und das Träumen, sofern es tatsächlich dabei um einen Selektionsprozess für die "Festplatte" geht). Bei den technischen Systemen findet das Vergessen zwar über das Veralten von Hardware und Software statt, aber wahrscheinlich müssten intelligente Systeme dafür eine andere Lösung finden, schließlich frisst auch das Umformatieren auf neue Programme immer mehr Kapazitäten. Zumindest droht mit steigenden Informationsmengen der Überblick verloren zu gehen. Ob die Steigerung der Prozessorgeschwindigkeit und die Verbesserung von kreativen Datamining-Programmen wirklich zukunftsweisend ist, bleibt fraglich. Ganz offensichtlich aber hat sich die Evolution nach der Steigerung der Komplexität für eine Auslagerung des biologischen kognitiven Systems auf technische Systeme entschieden. Aber das kann auch eine Sackgasse sein.
http://www.heise.de/tp/artikel/15/15967/1.html- Was kostet ein Wurm (1.11.2003 15:43)
- wieder mal eine statistik... (31.10.2003 22:44)
- "kreativen Dataming-Programmen"..? (31.10.2003 19:05)
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