Erfolg beim Rekrutieren

11.11.2003

Mit dem kostenlos angebotenen Computerspiel "America's Army" hat die US-Army offenbar ein erfolgreiches und kostengünstiges Werbemittel entwickelt

Beinahe täglich sterben US-Soldaten im Irak. Meist sind es Army-Angehörige. Dennoch scheint die Rekrutierung neuer Soldaten bislang keine großen Probleme zu machen. Zumindest haben sich dieses Jahr mit 74.000 Soldaten und 27.000 Reservisten mehr Rekruten eingeschrieben, als benötigt wurden. Teilweise führt die Army diesen Erfolg auf ihre neue Werbekampagne zurück, in deren Zentrum das Computerspiel America's Army steht.

Seitdem das vom MOVES Institute an der Naval Postgraduate School in Monterey entwickelte Spiel America's Army im Juli des letzten Jahres herausgekommen ist, sollen sich zwei Millionen Menschen registriert haben. 3 Millionen kostenlose CD-ROMs mit dem Spiel wurden verteilt, 6 Millionen Mal ist es heruntergeladen worden. Immerhin 1,3 Millionen Menschen haben sich virtuell zum Soldaten ausbilden lassen, um dann im Multiplayer-Modus stets als US-Soldaten gegen die Bösen in Afghanistan oder im Irak zu kämpfen. Der Trick an dem Spiel ist, dass zwar Teams gegeneinander spielen, aber dass das jeweilig andere Team als der Böse auftritt, so dass die Spieler gar nicht die Möglichkeit haben, sich mit diesen zu identifizieren. Schließlich will man ja nicht Werbung für die Schurken machen, sondern die Spieler für die Army begeistern.

Das Spiel soll besonders durch seinen Realismus bestechen, der allerdings aufhört, wenn es um das Töten geht. Beim Army-Spiel herrscht ein sauberer Krieg. Die Menschen fallen um, aber es gibt kein Blut und keine zerfetzten Körper. So will das Pentagon schließlich auch den wirklichen Krieg in den Medien dargestellt sehen. Für die Simulation wurden aber die Bewegungen von Soldaten mit Video aufgezeichnet, um sie möglichst genau im Spiel übernehmen zu können. Auch die Schauplätze wurden großteils aus der Wirklichkeit übernommen, die Waffen sehen ebenfalls realistisch aus und verhalten sich entsprechend. Die Spieler müssen sich an die Regeln der Kriegsführung halten. Ansonsten wartet Strafe auf sie.

Ein Lager von Aufständischen, das eingenommen werden soll

Seit letzten Jahr gab es zahlreiche Updates und neue Missionen. Am letzten Donnerstag wurde die neueste Version auf die Website gestellt, in der die Spieler in die Rolle von Green Berets schlüpfen können. Ansonsten kann man sich für zahlreiche Einheiten wie die Stryker Brigade qualifizieren, zum Beispiel auch für eine ABC- oder eine Aufklärungs-Einheit. Wer neue Ausbildungsgänge erfolgreich absolviert hat, kann aufsteigen.

Die Army braucht Computerspieler

Für Leutnant Casey Wardynski, der die Idee zur Entwicklung des Spiels hatte und nun der Projektleiter ist, ist alles ganz erfolgreich gelaufen. Wenn Kinder und Jugendliche spielen, meint er, so halten sie sich "virtuell in der Armee" auf und werden dadurch möglicherweise auch wirklich zu ihr gelockt. Die Idee geht zurück auf das Ende der 90er Jahre, als immer weniger Menschen für das Militär zu gewinnen waren und zudem die IT-Branche boomte, weswegen vor allem junge Menschen mit guten Computerkenntnissen fehlten. Angeblich hatte Wardynski beobachtet, wie sich Jugendliche stundenlang mit Militärsimulationen beschäftigen.

Nach Wardynski gibt die Army alleine jährlich 1,2 Milliarden Dollar für die Rekrutierung aus. Die Entwicklung und die Betriebskosten hätten sich auf 4,5 Millionen Dollar belaufen. 3 Millionen steckt die Army in die Weiterentwicklung des Spiels und 1,5 Millionen kostet der Betrieb. Insgesamt also wurden etwas mehr als 6 Millionen dafür ausgegeben. An der Militärakademie in West Point hätten 19 Prozent der neu Aufgenommenen gesagt, dass sie bereits "America's Army: Operations" gespielt haben. Um möglichst viele anzulocken, wird das Spiel auch für Mac und Linux angeboten.

Computerspieler seien eben die Menschen, die die Army brauche, "weil sie mit Hightech umgehen können. Sie können mit Vieldeutigkeiten umgehen. Wenn man weiß, dass das Schlachtfeld nichtlinear ist, dann muss man schlaue Kerle haben". Und Spieler hätten noch einen weiteren Vorteil, meint Wardynski, weil sie nicht von den Problemen im Irak von "America's Army abgehalten werden. Und überhaupt wachsen Spiel und Wirklichkeit, zumindest im militärischen Bereich, zusammen. Wartainment ist aber sicherlich nicht, was US-Soldaten derzeit im Irak erleben.

Die heutigen Soldaten sind Computerspieler. Das ist eine Generationsfrage.

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