Kampf der Giganten

11.11.2003

George Soros gegen George W. Bush

Seit George Soros (vgl. The Soros Effect on Central and Eastern Europe) in den achtziger Jahren im kommunistisch beherrschten Ungarn einige hundert Kopierer verschenkte, um den Zugang zu Ideen und Informationen zu demokratisieren (vgl. Der Geist, der aus der Flasche kam), hat der Finanzmann in Ost- und Zentraleuropa ein Imperium mit seinen Stiftungen aufgebaut, rund eine Milliarde Dollar in Russland investiert und auch in Afrika und Asien autonome Institute seines Open Society Institute gegründet.

Nun sieht er die Zeit gekommen, im eigenen Land für Demokratie und offene Gesellschaft zu kämpfen. Quasi "über Nacht", wie die Washington Post schreibt, sei der 74jährige zum großen financial player der Demokraten geworden. Nun wird der ungarischstämmige Milliardär von Republikanern nicht erst seit gestern als "George-Regime-Change-Soros" bezeichnet. Neu ist jedoch, dass er die 2004 bevorstehende Präsidentschaftswahl als eine "Sache von Leben und Tod" auffasst und das Verhindern einer Wiederwahl von George W. Bush als "größtes Ziel meines Lebens". Dabei bedient er sich ungeniert des rechtlichen Schlupflochs, welches das so genannte soft money system in der Wahlkampffinanzierung bietet. Gestern soll er MoveOn.org, einer liberalen Aktivistengruppe, fünf Millionen Dollar gespendet haben, womit sich seine "Regime Change-Gesamtaufwendungen" auf 15,5 Millionen summieren. "Wenn ich Bush sagen höre, 'Ihr seid entweder für oder gegen uns', dann erinnert mich das an die Deutschen", so Soros, der 1947 von Ungarn nach England und später in die USA emigrierte. Die US-amerikanischen Neocons (vgl. Die Fürsten des IV.Weltkriegs) seien kriegsbesessene Extremisten, welche die Anschläge des 11. September ausnützen würden, um eine bereits seit langem existierende Agenda der Weltherrschaft durchzubringen. Sie seien geleitet von einer kruden Form des Sozialdarwinismus.

Bush führt die USA und mit ihr die ganze Welt in einen üblen Kreislauf eskalierender Gewalt. Eigentlich ist es unbescheiden, dass eine einzelne Privatperson sich gegen den Präsidenten stellt. Aber das entspricht nun mal der Soros Doktrin.

In seinem im Januar erscheinenden Buch "The Bubble of American Supremacy" wird das Multitalent (Finanzmann, Philanthrop und Philosoph), das auf der Forbes Liste der reichsten Amerikaner Platz 28 einnimmt, seine USA-Kritik diversifizieren. Einstweilen hat er sich unter seinen Freunden ein paar Feinde gemacht: Vor einigen Tagen hat Soros, den Newsweek einmal einen "ein-Mann-Marshall-Plan" nannte, vor einem jüdischen Auditorium in New York erklärt:

Es gibt ein Wiedererstarken des Antisemitismus in Europa. Die Politik der Regierung Bush und der Regierung Sharon tragen dazu bei. Wenn wir diese Richtung ändern, wird auch der Antisemitismus verschwinden. Ich kann nicht sehen, wie man ihn direkt bekämpfen könnte.

Aufgrund dieser Äußerungen sieht sich Soros, der selber Jude ist, jetzt selbst dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt. Tatsächlich ist die zunehmende Tendenz, die Entstehung von Antisemitismus mit Kritik an Israel zu vermischen mehr als fragwürdig.

Wir wollen Klartext reden

Antisemitismus wird nicht von Juden verursacht, er wird von Antisemiten verursacht. Natürlich kann man Bush oder Sharon kritisieren, aber jede Abweichung vom Verständnis davon, was die wahren Gründe des Antisemitismus sind, ist nicht nur schädlich, sondern eine historische Lüge.
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