Erster P2P-Prozess in Australien endet mit Strafe zur Abschreckung

19.11.2003

Gleichzeitig mit der Urteilsverkündigung wurde das Ergebnis einer Umfrage unter australischen Musikprofis veröffentlicht, die das Recht auf die Privatkopie einklagen

In Australien hat der erste Prozess gegen Online-Piraterie stattgefunden. Drei junge Männer wurden zu Gefängnisstrafen auf Bewährung verurteilt, obgleich sie keine kommerziellen Interessen verfolgt haben. Gleichzeitig wurde eine Umfrage unter Musikern und anderen Musikprofis veröffentlicht, nach der diese zugeben, selbst Musik aus dem Internet herunterzuladen, und fordern, das Urheberrecht zu lockern.

Die drei jungen Männer aus Sydney hatten auf ihrer Website MP3/WMA Land 390 CDs und mehr als 1.800 Musikdateien zum Herunterladen angeboten. Sieben Millionen Pageviews hatte die Website erzielt. Im April dieses Jahres wurden sie festgenommen, angeblich nach monatelangen Nachforschungen der Polizei, wie damals der zustände Polizeichef Tony Negus sagte. Man habe mit Rechtsanwälten der Industrie, Detektiven der Musikindustrie sowie forensischen Computerexperten zusammen gearbeitet und dabei herausgefunden, dass die Website Links zu Dateien von CDs, Abbildungen von CD-Hüllen und Musikvideos anbiete, die Universal, Sony, Warner, BMG, EMI und Festival Mushroom gehören.

Copyrightverletzungen können in Australien mit bis zu fünf Jahren Gefängnis und/oder einer Geldstrafe bis zu 60.000 australische Dollar geahndet werden. Charles Kok Hau Ng, 20, und Peter Tran, 19, wurden wegen ihrer Website zu 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil sie gewusst hätten, dass sie ungesetzlich gehandelt haben, und versucht hätten, sich der Strafverfolgung zu entziehen.

Das Strafmaß begründete er auch als Mittel zur Abschreckung. Andererseits hat der Richter ihre Jugend berücksichtigt und anerkannt, dass sie damit keine kommerziellen Interessen verfolgt hatten, auch wenn sie der Musikindustrie einen Schaden von 60 Millionen australische Dollar (37 Millionen Euro) zugefügt hätten. Die Musikindustrie hatte gar von einem Verlust von 200 Millionen australischen Dollar (121 Millionen Euro) gesprochen. Tommy L (21), der auch Musikstücke zur Demonstration seiner Künste als DJ beigesteuert hatte, wurde zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, wozu auch seine "Mittäter" vergattert wurden. Nachdem sich herausstellte, dass Tran dazu körperlich nicht in der Lage ist, verurteilte der Richter ihn statt der gemeinnützigen Arbeit zu 5000 australischen Dollar Geldstrafe mit der Auflage, drei Jahre lang gutes Verhalten zu zeigen.

Änderung des Urheberrechts wird verlangt

Das auch dem Druck der Musikindustrie sich verdankende Urteil zum Zweck der Abschreckung - allerdings kritisierte diese, dass die Strafe zu gering sei - kam just zu der Zeit, als auch eine Umfrage unter australischen Musikprofis veröffentlicht wurde, durchgeführt während der AustralAsian Music Business Conference im August von IMMEDIA!. Von den 200 anonym Befragten waren 42 Prozent Musiker, die übrigen Manager, Agenten, Techniker oder andere Angehörige der Musikbranche.

Über zwei Drittel der Befragten haben einen Brenner und kopieren damit - in Australien verbotenerweise - gekaufte, aber auch ausgeliehene CDs und Musik aus dem Internet. Von den 45 Prozent, die Musik aus dem Internet herunterladen, gibt die Hälfte an, dass sie nur kostenlose Musik nimmt, 18 Prozent zahlen dafür und 31 Prozent machen beides. Auch Tauschbörsen wurden von vielen nicht nur für kostenlose Downloads benutzt: Napster von 32%, Kazaa von 34% oder Morpheus von 10%.

Zwar sagen 42 Prozent, dass sie das Tauschen von Musik nicht gut finden, während 39 Prozent nichts dagegen haben, aber 55 Prozent finden es nicht richtig, dass man sich auch von gekauften CDs keine Privatkopien machen darf. Und 81 Prozent sind dafür, dass das Urheberrecht in Australien so verändert wird, dass das Anlegen von Privatkopien erlaubt ist. 45 Prozent sprechen sich für eine Abgabe auf CDs aus. Auch wenn die Befragten sich im Hinblick auf das Herunterladen und Brennen von Musik vorsichtig äußern, geben sie freimütiger zu, bereits Software (54%) oder Spiele (28%) illegal kopiert zu haben. Immedia! kommentiert das Ergebnis der Umfrage so

Die Haltung der Musikindustrieprofis zum Brennen von CDs, Tauschen von Dateien und Brennen der eigenen CDs führte zu einer Antwort, dieARIA (Australian Recording Indistry Association) und die Tonträgerhersteller wahrscheinlich nicht hören wollen. Es ist Zeit, sagen sie, das Gesetz zu ändern, damit die Kunden ihre eigene Musik kopieren können.

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