Amerikanische Gemeinde rüstet auf

Ernst Corinth 28.11.2003

Nicht-Besitz von Waffen soll endlich bestraft werden

Wer zu schnell fährt oder auf dem hannoverschen Hauptbahnhof raucht, muss zahlen. Wer falsch parkt oder öffentlich ungefragt die Hosen runterlässt, ebenfalls. Und wer gar seinen alten PC in der Natur entsorgt, ist nicht nur ein sparsamer Umweltschlimmfinger, sondern der wird, wenn er denn erwischt wird, zur Kasse gebeten. Geldstrafen und Bußgelder gibt es also bei uns für so viele kleine und kleinste Verstöße, dass man sich eigentlich wundern muss, warum bisher noch keiner von einer Geldstrafen- oder Bußgelderkultur gesprochen hat. Das sei hiermit nachgeholt und damit geschehen.

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Auch in den USA ist diese Kultur weit verbreitet, und dort ist man bekanntlich so innovativ, dass man sich jetzt sogar eine Geldstrafe ausgedacht hat für etwas, was bei uns verboten ist. Jedenfalls für die Bürger, die keinen Waffenschein besitzen.

In der kleinen Gemeinde Geuda Springs im Bundesstaat Kansas ist nämlich kürzlich im Gemeinderat beschlossen worden, dass jeder in seinem Haus oder seiner Wohnung zumindest eine Waffe bereit zu halten hat. Wie der Bürgermeister begründet, sei der Waffenbesitz ein Verfassungsrecht (Waffenbesitz ist ein von der Verfassung geschütztes Recht). Wer der Anordnung nicht Folge leistet, dem droht zukünftig eine Geldstrafe in Höhe von zehn Dollar. Ausnahmen gibt es nur für Behinderte, Arme und für Einwohner, die das Tragen einer Waffe aus Gewissensgründen ablehnen. Diese ungewöhnliche Maßnahme soll die Sicherheit in dem 210-Seelen-Kaff erhöhen, weil der Ort selber über keine Polizeistation verfügt.

Auch wenn das notorische Pazifisten bestimmt anders sehen, ist mit der geplanten Einführung einer Strafe für den Nicht-Besitz von Waffen zumindest die globale Geldstrafen- oder Bußgelderkultur ein Stück weit reicher geworden. Und da natürlich die Waffenkultur ebenfalls davon profitiert, ist das ist in Zeiten, in der es der Kultur nicht nur finanziell immer schwerer hat, endlich mal eine gute Nachricht. Auch wenn dadurch vielleicht die Kultur des friedlichen Miteinanders etwas leiden könnte. Aber jeder hat nun einmal die Kultur, die er verdient.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16203/1.html
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