Was wir nicht wissen, wissen wir nicht

Michaela Simon 02.12.2003

Hat Donald Rumsfeld einen Fuß im Mund?

Die Plain English Campaign, eine Interessengruppe zur Reinhaltung der englischen Sprache, hat Donald Rumsfeld zum diesjährigen Preisträger des "Fuß-im-Mund"-Preises designiert. Er gilt damit als der schlimmste Schwafler 2003.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Rumsfeld scheint den Preis in besonderem Maße zu verdienen. Wer würde bestreiten wollen, dass die Sprache des US-Verteidigungsministers und militärischen Planers des Irak-Kriegs ein stetiger Quell des Ergötzlichen ist? Weltweit hat sie Fans gefunden. Wir erinnern uns: Aus dem reichhaltigen Rumsfeldschen Werk, dessen Fülle einen Vergleich mit Balzac geradezu herausfordert, hatten liebevolle Analysten von "The Nation" ("Rumsfelds Untidy World") DAS Schlüsselwort des umtriebigen Polit-Dichters herausgefiltert (vgl. Die Untidy-Formel von Donald Rumsfeld). Warum gerade Irak angegriffen werden sollte:

Ich würde sagen, das Leben ist einfach unordentlich

Über die Situation in Afghanistan:

Und weil es vernünftig und demokratisch ist, ist es irgendwie auch unordentlich. Und man schaut auf die Unordnung und sagt

Oh mein Gott, wie unordentlich. Ja, mein Gott, aber Demokratie IST unordentlich. Freiheit ist unordentlich. Befreiung ist unordentlich.

Über den Verlauf des Irakkrieges:

Es ist unordentlich. Wir bekommen widersprüchliche Berichte und ich würde die nicht zusammenfassen wollen.

Es ist eine fremde und unordentliche Welt. Ob der mit dem Fuß-im-Mund-Preis ausgezeichnete sich seine Trophäe, einen "Golden Bull", auch abholen wird, ist noch nicht klar. Mangelnde Klarheit war es auch, die dem "Altmeister in der Kunst der Verschleierung" (Der Guardian) zu der Ehrung verholfen hat. Schon vor einiger Zeit hatte das Internetmagazin Slate entdeckt , dass "Rummy", womöglich ohne es zu wissen, der geborene Dichter ist und Texte von ihm veröffentlicht. Nichts wurde gestrichen oder hinzugefügt, lediglich durch das Ändern des Zeilenumbruchs entstanden aus den Auszügen aus Rumsfelds Pressemitteilungen Gedichte, die laut Slate eines William Carlos Williams oder eines Frank O'Hara würdig seien. Rumsfelds "jazzige, improvisierte Riffs" verblüfften schon damals die Telepolis-Leser (vgl. Gedichte von Donald Rumsfeld). Und eines dieser Stücke zum Thema "Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak" bekommt nun einen "Golden Bull":

The Unknown
As we know,
There are known knowns.
There are things we know we know.
We also know
There are known unknowns.
That is to say
We know there are some things
We do not know.
But there are also unknown unknowns,
The ones we don't know
We don't know.

Der Kommentar der Jury: "We think we know what he means, but we don't know if we really know". Arnold Schwarzenegger, auch kein schlechter Schwafler, verlor nur knapp gegen Rumsfeld. Sein Satz: "Gay marriage is something that should be between a man and a woman" (vgl. Governor without a cause) verdient auf jeden Fall eine Erwähnung. Auch EU-Komissar Chris Patten war in der engeren Auswahl mit dem witzigen Paradox: "Having committed political suicide, the Conservative party is now living to regret it." Präsident Bush ist ebenfalls einer Auszeichnung des öfteren nahe gewesen.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16227/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS