Globale 03

Katja Schmid 04.12.2003

Uranium Battlefield - Eine Welt zu erfinden - The Secrets of Silicon Valley - Mickey Mouse Monopoly - No Logo - Fette Beute u.v.a.

Besser hätten es die Veranstalter kaum treffen können: Der Euro auf Höhenflug, Berlin immer noch pleite und die drei Berliner Universitäten im Streik. Weil sie 75 Millionen Euro einsparen sollen und keiner weiß, wie das gehen soll, ohne die Studienbedingungen dramatisch zu verschlechtern. Die Einführung von Studiengebühren ist im Gespräch, dabei hat die finanzielle Misere Berlins weniger mit Bildung als vielmehr mit Banken zu tun; genauer gesagt mit der Bankgesellschaft Berlin, die im so genannten Bankenskandal als Geldvernichtungsmaschine entlarvt wurde. Der perfekte Hintergrund für die Globale03, das "erste globalisierungskritische Filmfestival", das heute startet.

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Gezeigt werden über 50 Dokumentarfilme, Clips, Shorts und Spots zu Themen, die die Welt zwar bewegen, jedoch nur selten ihren Weg in deutsche Wohnzimmer finden. Weil die Herren und Damen Programmdirektoren der deutschen Fernsehsender und -anstalten das werte Publikum nicht mit Dokumentarfilmen belästigen möchten. Höchstens zu nachtschlafender Stunde. Nur Tiere haben eine Chance auf bessere Sendeplätze. Im Kino sind Dokumentarfilme noch seltener zu sehen, wobei auch hier Filme mit hohem Tier-Gehalt die besten Karten haben, siehe 'Makrokosmos' und 'Nomaden der Lüfte'.

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Damit ist jetzt Schluss. Vorübergehend jedenfalls. Eine knappe Woche lang zeigen die beiden Berliner Programmkinos Eiszeit und Acud zur besten Sendezeit Dokumentarfilme aus aller Welt, die vor Augen führen, was 'Globalisierung' im Alltag bedeutet. Da dürfen bissige Kurzfilme zum Berliner Bankenskandal wie 'Va banque!' und 'Rettet Berlin!', die seit kurzem auch im Netz zu begutachten sind, natürlich nicht fehlen. Gegliedert ist das Programm in acht Themenbereiche: Krieg, Arbeit, Gender und Globalisierung, Privatisierung/Ökonomisierung, Politik und Verbrechen, Argentinien/Lateinamerika, Migration und globalisierungskritische Bewegungen. Es geht um abgereichertes Uranium, quecksilberverseuchte Goldgräberstädte, ausgebeutete Arbeiter von McDonalds und Levi Strauss, das Geschäft mit Wasser, die Macht der Weltbank, besetzte Fabriken, Schleuser, um die Straßenschlachten in Seattle und Genua und immer wieder um die Frage, welche Formen Widerstand annehmen kann und soll.

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Sechs Monate lang haben die Betreiber der Festival-Kinos Eiszeit und Acud, Aktivisten von ATTAC, Stipendiaten der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und Filmbegeisterte aus Berlin Dokumentarfilme gesichtet und ein Programm zusammengestellt, das nicht nur Studenten der einschlägigen Fächer interessieren dürfte - wobei diese dank Uni-Streik momentan etwas flexibler sein dürften in ihrer Zeitgestaltung und das Festival mit Sicherheit nutzen werden, um auf die Privatisierungsbestrebungen in Sachen Bildung hinzuweisen.

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Natürlich gab es 'globalisierungskritische' Filme längst vor der Gründung von Attac & Co. Sie liefen - und laufen - sogar im Fernsehen; man muss sie nur finden zwischen all den Gameshows, Talkshows, Quizshows, TV-Movies, Movie-Movies, Blockbustern und anderen Lustbarkeiten. Und wenn man sich das Programm von Dokumentarfilmfestivals in München, Amsterdam oder Toronto ansieht, dann halten sich die Unterschiede zum Programm der Globale03 in Grenzen. Weil Arbeitsbedingungen, Krieg, Ausbeutung, Migration und andere Facetten der ökonomischen Realität klassische Themen des Dokumentarfilms sind. Man denke nur an Night Mail (GB, 1936) oder an The Plow [bzw. Plough] that broke the plains (USA, 1936).

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Neu ist höchstens die explizite Fokussierung auf Aspekte der Globalisierung. Der Wunsch der Programm-Macher und Veranstalter, Kino als politischen Ort zu definieren. Wobei nach Meinung der Veranstalter letztlich jeder Film politisch sei. Denn jeder Film liefere ein spezifisches Abbild der Welt, und lege den Zuschauern Haltungen und Handlungen nahe, die den politischen Bereich betreffen. Auch eine Beschränkung auf rein private Angelegenheiten sei deshalb eine politische Aussage.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16240/1.html
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