Schrumpfende Gehirne

07.12.2003

Nach einer Studie führt auch mäßiger Alkoholkonsum bereits zu Gehirnatrophie

Für Trinker, selbst wenn sie nur mäßig dem Alkohol zuneigen oder gar den angeblich gesunden Schluck Rotwein täglich nehmen, wird es eine unerfreuliche Botschaft sein, was amerikanische Wissenschaftler herausgefunden haben. Selbst bei kleineren Mengen an Alkoholkonsum soll nämlich das Gehirn schrumpfen.

Nach einer in der Zeitschrift Stroke veröffentlichten Studie von Wissenschaftlern der Bloomberg School of Public Health an der Johns Hopkins University in Baltimore hat sich gezeigt, dass nicht nur chronischer Alkoholmissbrauch, sondern bereits mäßiger Alkoholkonsum zu Gehirnatrophie führt, also zu einem Abbau des Gehirns, der wiederum für Einschränkungen der Kognition und der Motorik verantwortlich sein kann.

Jingzhong Ding und seine Kollegen von fünf weiteren Instituten haben insgesamt 2.821 Personen im Alter von 55 Jahren und älter untersucht, die an einer Langzeitstudie über Arteriosklerose teilnahmen. Dabei konnten sie auf Daten zugreifen, die zwischen 1987 und 1989 erfast wurden, wobei aller drei Jahre bis 1995 weitere medizinische Untersuchungen folgten. Zwischen 1993 und 1995 wurde bei 1.909 Personen eine Kernspintomographie durchgeführt und festgestellt, welche Hirninfarkte vorliegen, in welchem Ausmaß grauen Zellen beschädigt und wie groß die mit cerebrospinaler Flüssigkeit gefüllten Ventrikel und der Subarachnoidalraum waren.

Die Versuchspersonen wurden nach ihren Trinkgewohnten befragt und in fünf Gruppen eingeteilt: Nichttrinker, ehemalige Trinker, gelegentliche Trinker (weniger als einmal einen Drink in der Woche), geringe Trinker (zwischen einem bis sechs Drinks in der Woche) und mäßige Trinker (sieben bis 14 Drinks). Erfasst wurden auch andere Daten wie Einkommen, körperliche Tätigkeit, Rauchen, Hochdruck etc.

Mit zunehmenden Alkoholkonsum, so das Ergebnis, nimmt auch die Größe der Ventrikel und des Subarachnoidalraum zu. Nehmen diese Bereiche, die mit Flüssigkeit gefüllt sind zu, so sind die umliegenden Bereiche mit Gehirngewebe geschrumpft und es liegt eine Gehirnatrophie vor. Allerdings gab es keine Unterschiede im Hinblick auf die Zahl der Hirninfarkte und der grauen Zellen. Ob die relativ geringe Schrumpfung, die mit mäßigem Trinken einhergeht, irgendwelche Auswirkungen hat, ist unsicher;

Da Kernspintomographien des Gehirns nur einmal während der Beobachtungszeit durchgeführt wurden, ist es schwierig, ein kausales Verhältnis zwischen Alkoholkonsum und Gehirnatrophie herzustellen.

Ding weist jedoch auf die große Zahl der untersuchten Personen sowie auf die Konsistenz der Ergebnisse hin, die unabhängig von Geschlecht und Rasse seien. Doch nach dieser Studie schrumpft nicht nur das Gehirn durch Alkoholgenuss, sondern sie konnte auch nicht feststellen, dass mäßiger Alkoholkonsum das Risiko für Herzinfarkte mindert. Aber vielleicht haben ja die untersuchten Personen nur nicht den richtigen Wein getrunken ...

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