Arbeit in Deutschland - einmal "ungeschönt"

Karl Kollmann 18.12.2003

Geschlechterspezifische Arbeitslasten - Frauen haben es besser

Mit der unterschiedlichen Geschlechterbelastung und der (post)feministischen Jammerei in Hinblick auf die unterschiedlichen Arbeitsbelastungen ist nun wohl Schluss. Die viel strapazierte "Doppelbelastung" der Frauen ist Schnee vom letzten Jahrhundert: Männer, Rentner ausgenommen, arbeiten ein kleines Stückchen mehr.

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Klar ist viel Schutt im Wortschatz der Politik, und Stereotypen halten sich jahrzehntelang, etwa Schlagwort von der Doppel-, ja Dreifachbelastung von Frauen - Berufsarbeit, Hausarbeit, Kinder, gegebenenfalls kommt auch noch Kirche usw. dazu. Die Ergebnisse der Zeitbudgetstudie: Wo bleibt die Zeit? - Die Zeitverwendung der Bevölkerung in Deutschland 2001/2002 des Statistischen Bundesamts zeigen jetzt aber, wie es wirklich aussieht.

Zur Vorgeschichte

Ganz prinzipiell: Menschliche Arbeit ist 1. gegen Entgelt geleistete Erwerbsarbeit - man verkauft seine Arbeitskraft oder seine Kenntnisse am Arbeitsmarkt, und 2. Eigenarbeit, Haushaltsarbeit - oder ökonomisch eleganter ausgedrückt: Haushaltsproduktion.

Ob mann/frau ein Essen selbst zubereitet oder im Restaurant kauft, ist für die Bedarfsdeckung, also das Essen, das Sattwerden, sekundär. Für den kleinen Diktator "Konsument" (so Bernd Ulrich in der Zeit) zählt ja nur das Ergebnis. Und das kann selbst produziert (=Hausarbeit) oder gekauft werden (=Nachfrage, Konsum).

Gesamtarbeit zählt

Um Arbeitslasten und allfällige geschlechtsspezifische Benachteiligungen in einer Gesellschaft darzustellen, ist deshalb völlig belanglos, ob in einer Familie die Hausarbeit halbe/halbe gemacht wird, sondern ob die Gesamtarbeitszeit von Männern und Frauen annähernd gleich ist.

Denn wie sich ein Paar sein Leben einteilt, ist allein deren Sache, solange es gerecht zugeht. Egal, ob es sich um sexuelle Zufriedenheit oder Arbeitsbelastung handelt. In der viel strapazierten freiheitlich-demokratischen Grundordnung der europäischen Gesellschaften entscheiden die in einer Lebensgemeinschaft lebenden Partner selbst, wie sie es sich aufteilen. Es sollte - im Ergebnis - nur ziemlich gleich sein.

Ergebnisse

Auf den Kalendertag gerechnet arbeitet jede(r) Deutsche 3 Stunden täglich für Beruf und Bildung, und 3,5 Stunden im Haushalt (für die Familie oder im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeiten). Neben Schlafen geht die meiste Zeit für Freizeit (einschließlich Fernsehen) drauf - rund 6 Freizeitstunden kalendertäglich sind es.

Aber zurück zur Arbeit: Frauen arbeiten (im Haushalt und Beruf) 6,1 Stunden täglich, Männer 6 Stunden. Diese 0,1 Stunden, die die Gleichverteilung von Arbeit verzerren, sind ausschließlich auf nicht mehr erwerbstätige Rentnerhaushalte zurück zu führen. Hier arbeiten (im Haushalt) die Frauen deutlich mehr als die Männer.

Bei den anderen, egal ob DINKS (erwerbstätige Paare ohne Kind), Paare mit Kind(ern) und nicht erwerbstätiger Frau,oder Paare mit Kind(ern) und berufstätiger Frau: Zählt man die Gesamtarbeit (also im Haushalt und im Beruf), dann arbeiten bei all diesen die Männer ein kleines Stückchen mehr als ihre Partnerinnen.

Im Schnitt mit unterschiedlicher Aufteilung - und das Recht haben sie ja. Männer jobben mehr, Frauen arbeiten mehr im Haushalt. Gesamt jedoch ist die Bilanz für die Frauen positiver (lässt man die Rentner weg).

Für die meisten Leser mag das jetzt fremd klingen: Aber ergonomisch und arbeitswissenschaftlich gesehen ist die Arbeit im eigenen Haushalt "die bessere Arbeit" als die meisten ziemlich einseitigen Erwerbsarbeits-Tätigkeiten. Denn sie ist körperlich und geistig vielgestaltig, weitgehend selbst gestaltbar (und einteilbar), eigenverantwortlich (sieht man einmal vom Partner ab) und nicht von Dritten fremdbestimmt.

Allerdings: Genau diese Arbeitsform wurde über die letzten Jahrzehnte systematisch schlechtgemacht und abgewertet, da sie kein Geld einbringt.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16311/1.html
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