"Vergesst eMule und eDonkey! Die Zukunft heisst Bittorrent!"

18.12.2003

Jetzt entern die Filmpiraten auch die TV-Industrie

Jack Bauer ist wieder im Einsatz. Jeden Dienstag um 21 Uhr zeigt der amerikanische Sender FOX neue Folgen der spannenden TV-Serie "24". Und auch bei uns schauen immer mehr zu, wie der Held dieser Serie erneut versucht, die Welt vor dem sicheren Untergang zu retten. Was Jack Bauer diesmal allerdings besonders schwer fällt, weil er zumindest in den ersten Folgen an der Nadel hängt, sprich: heroinabhängig ist. Und auch seine grenzenlos naive Tochter, die man schon in der ersten Staffel kaum ertragen konnte, leider wieder mit von der Partie ist.

Wie sich diese Geschichte entwickeln wird, werden die deutschen TV-Zuschauer zwar frühestens erst in ein oder zwei Jahren erfahren. Bisher hat RTL2 im vergangenen Frühherbst nur die erste Staffel dieser TV-Serie ausgestrahlt, die zweite folgt dann im kommenden März, während die dritte jetzt gerade aktuell in den USA läuft. Aber dank des Internet kann man sie sogar in Deutschland fast live sehen.

Gesendet werden die einzelnen Folgen, wie gesagt, dienstags um 21 Uhr, und schon wenige Stunden später lassen sie sich bereits aus einem der immer zahlreicher werdenden Torrent-Foren im Netz herunterladen. Zwar illegal, aber dafür beinahe schon in bester DVD-Qualität. Und wer dann keine Lust hat, sich die 45minütigen Folgen auf dem PC-Monitor anzuschauen, der brennt sie eben auf eine CD und spielt sie mittels DVD-Player auf dem Fernseher ab.

Da nicht nur die US-Serie "24" als Raubkopie angeboten wird, sondern Folgen von beliebten Serien wie "Alias", "Frasier", "Friends" oder die "Simpsons" teilweise schon vor ihrer Ausstrahlung im Netz kostenlos erhältlich sind, hat das natürlich Konsequenzen. Der internationale Verkaufswert der von den Sendern produzierten Serien oder Shows droht durch den illegalen Freihandel im Netz nämlich langfristig zu sinken. Und beschleunigt wird dies, weil die zum Download notwendige Software wirklich kinderleicht zu bedienen ist. Und gleichzeitig der Downloadvorgang nur noch relativ wenig Zeit benötigt.

Möglich macht dies eine Software wie BitTorrent, die es mehreren Leuten gleichzeitig erlaubt dasselbe Programm oder denselben Film herunterzuladen (s.a. Verschwörung im Äther). Dabei entsteht, arg verkürzt gesagt, ein kleines Netzwerk: Während der User X das Programm von einem sogenannten "Seed"-Server beginnt, auf seine Festplatte zu laden, laden wiederum andere Nutzer Teile des Programms von der Festplatte des Users X herunter (wie es exakt funktioniert wird hier erläuert). Dies beschleunigt den Download-Vorgang so ungemein, dass man sogar Filmdateien in der Größe von ein bis zwei Gigabyte in einer recht praktikablen Zeit herunterladen kann. Konkret bedeutet das: Eine Folge der Serie "24" beispielsweise ergibt eine Datei von rund 400 MB - und die Downloadzeit beträgt bei einem schnellen Internetzugang maximal zwei Stunden.

Da die Qualität der meist illegalen Spielfilmware inzwischen verblüffend gut ist, nutzen dies offenbar einige User und treiben mit den übers Netz besorgten Raubkopien munter Handel. Auch in Deutschland, wo beispielsweise in den entsprechenden Torrent-Netzforen sogar deutsche Tonspuren für US-Filmhits zum Download bereitstehen.

Und die Betreiber dieser Netzseiten lassen sich auch von den Drohungen der Filmindustrie nicht einschüchtern. Auf der Startseite einer der größten deutschen Torrent-Seiten wird man marktschreierisch begrüßt mit der Parole:

VERGESST EMULE UND EDONKEY! DIE ZUKUNFT HEISST BITTORRENT! NOCH SCHNELLER! NOCH EINFACHER! NOCH BESSER!

Und dann folgen die Angebote der Woche (Stand: Donnerstag, 18.12.):

NEU

Buddy - Der Weihnachtself (Deutsch -SVCD -Kinostart

Dazu gibt es auf dieser Seite noch eine kleine stets aktuelle Download-Hitparade: Auf Platz 1 lag am Donnerstag mit angeblich 86827 Downloads ".W.A.T. - Die Spezialeinheit" gefolgt von "Looney Tunes: Back in Action" (72150). Noch aktueller als die deutschen sind natürlich die internationalen Torrent-Foren, deren Filmangebot bisweilen ausschaut wie eine kleine, aber gut sortierte Videothek.

Gegen diese immer schneller und einfacher werdende Filmpiraterie kämpft wohl selbst ein Jack Bauer auf verlorenem Posten. Aber trotz der damit verbundenen Einbußen droht der Filmindustrie nicht der Untergag. Schließlich gibt es gegen Raubkopien ein probates Mittel: Gute Filme! So hat der amerikanische Medienkonzern Walt Disney einen neuen Rekordwert bei Kinoerlösen innerhalb eines Jahres aufgestellt. Demnach sind seit Jahresanfang Kinokarten für Disney-Filme im Wert von drei Milliarden Dollar gekauft wurden. Damit ist der bisherige Spitzenwert von 2,86 Milliarden Dollar übertroffen worden, den Sony im vergangenen Jahr erreicht hat. Und mitgeholfen hat dabei ausgerechnet ein Piratenfilm: der Erfolg von "Fluch der Karibik".

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