Auf der Suche nach Computerpower

Florian Rötzer 19.12.2003

Ein britischer Student wollte die Computer am Fermi-Lab zum Herunterladen von Musik und Filmen benutzen

Kürzlich erst hatte ein junger Brite Glück und erreichte einen Freispruch. Obgleich von seinem Computer aus ein DDoS-Angriff auf einen Server des Hafens von Houston ausgegangen ist, konnte man ihm die Tat nicht nachweisen. Einem britischen Studenten, der im vergangenen Jahr Computer des Fermi National Accelerator Laboratory für seine Zwecke nutzen wollte, wird vermutlich nicht so einfach davon kommen.

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Die Robert Rathbun Wilson Hall des Fermi Lab

In Großbritannien sind auch schon einige Männer der Strafe entwischt, auf deren Computer Kinderpornografie gefunden wurde. Die, so die Erklärung, gelangte aufgrund unbemerkt installierter Trojaner auf die Festplatte (Der Trojaner ist schuld). Genauso argumentierte der junge Brite, von dessen Computer aus ein Server des Hafens von Houston zeitweise lahm gelegt wurde (Schwieriger Schuldnachweis: Der angeblich von Crackern gekaperte Computer). Ob es stimmt oder nicht, so kann der Nachweis manchmal nicht erbracht werden, dass nicht unbemerkt vom Besitzer ein Trojaner eingeschmuggelt wurde.

Damit lässt sich offenbar das Eindringen des jetzt 18-jährigen Joseph McElroy in Computer des Fermi National Accelerator Laboratory, das sich in der Nähe von Chicago befindet, nicht erklären. Der Student, der das Eindringen bereits zugegeben hat, suchte in den Computern allerdings keine Geheimnisse und auch nicht nach neuen subatomaren Teilchen, die möglicherweise mithilfe des dort befindlichen Teilchenbeschleunigers gefunden wurden, sondern er wollte die große Computerpower nur anzapfen, um dort raubkopierte Musik und Filme zu speichern.

Als er in den Server eindrang, wurde dies aber bemerkt. Ein amerikanischer Staatsanwalt, der im Prozess gegen den Studenten aussagte, erklärte: "Die Vereinigten Staaten nahmen diesen Vorfall wegen der Art der Forschungseinrichtung sehr ernst. Sie hat geheime und nicht-geheime Netzwerke." Drei Tage lang wurde das Netz des Fermi National Accelerator Laboratory geschlossen, das US-Energieministerium benachrichtigte Scotland Yard, die dann den Einbruch bis auf McElroy zurück verfolgen konnten. Die amerikanische Regierung schätzt den Schaden auf 30.000 Euro, die der Student als Schadensersatz zahlen müsste. Zudem drohen ihm bis zu drei Jahre Gefängnisstrafe, sollte er verurteilt werden. Allerdings hatte der Student nicht versucht, in das geheime Netzwerk einzudringen. Von seiner Tat sei auch keine "Gefahr oder kein Risiko für die öffentliche Sicherheit" ausgegangen. Das Urteil wird das Gericht nächstes Jahr fällen.

McElroy hat offenbar zum Cracken der Computer ein eigenes Programm namens Deathserv geschrieben. Besonders gut gesichert scheinen die Computer beim Fermi Lab aber nicht zu sein. Immerhin ist er 17 Mal zwischen dem 10. und 25. Juni 2002 in das Netzwerk eingedrungen und hat Freunde darüber informiert, wie sie die Sicherheitsvorkehrungen überwinden können.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16366/1.html
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