Die 99 Cent Oper
Wer mit Musikdownloads Profite macht
Apple-Chef Steve Jobs klopfte sich kürzlich selbst auf die Schulter. Anlass: Sein Online-Music-Shop iTunes hatte stolze 25 Millionen Musiktitel verkauft. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Neben anderen planen jetzt auch die Braune-Brause-Abfüller von Coca Cola sowie der US-Handelskonzern Wal-Mart eigene Online-Music-Shops. Wal-Mart setzt dabei auf Dumpingpreise - und bei der US-Musikindustrie knallen längst Champagnerkorken.
Apples iTunes ging im April dieses Jahres an den Start und ist derzeit nur in den USA verfügbar. Angebot und Download erfolgen über eine spezielle Software, die zunächst ausschließlich für Apple-PCs, ab dem 16. Oktober aber auch in einer Windowsversion erhältlich war.
iTunes ist Verkaufsplattform und komfortables Abspielprogramm in einem. Musikfans, die für einen heruntergeladenen Titel 99 US-Cent ausgeben möchten, können derzeit unter mehr als 400.000 Titeln von den fünf großen Plattenfirmen und über 200 unabhängigen Labels wählen. 25 Millionen Songs wanderten in knapp neun Monaten über die virtuelle iTunes-Ladentheke. Frank Sinatras "Let it snow!" verhalf dem Online-Shop im boomenden Weihnachtsgeschäft über diese Hürde. Apple-Chef Steve Jobs hat sicher Recht, wenn er seinen Laden nun stolz "zum erfolgreichsten Online-Musikgeschäft" erklärt.
iTunes verdient am Download nichts
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25 Millionen verkaufte Musiktitel und für iTunes trotzdem keinen Cent Gewinn - so lässt sich die Geschäftsbilanz des erfolgreichsten Online-Musik-Shops vorläufig auf einen Nenner bringen. Trotz einer Download-Bilanz, die sich sehen lassen kann, verdient Apple bisher nichts mit seinem Online-Shop.
Lediglich in den Chefetagen der großen Plattenfirmen dürften derzeit die Champagnerkorken knallen. Denn von den 99 Cent pro Titel geht nach Angaben von Steve Jobs ein Großteil an die Plattenlabels. Die Konzernchefs halten nur die Hände auf und zählen ihre Copyright-Dollars. Kosten für den Musikvertrieb via iTunes entstehen ihnen nicht.
Umsatz der US-Musikindustrie konsolidiert sich
Die Online-Verkäufe durch Shops wie iTunes oder das wieder belebte Napster sind mittlerweile zu einer wirtschaftlichen Stütze für die amerikanische Musikindustrie geworden. Einer Studie des amerikanischen Marktforschungsinstituts Nielsen SoundScan zufolge musste die US-Musikindustrie 2003 bisher einen Umsatzrückgang von lediglich 2,2 Prozent hinnehmen. Im Vorjahr waren es noch gut 13 Prozent gewesen. Ohne die boomenden Online-Verkäufe wäre das diesjährige Minus doppelt so groß gewesen.
Das meiste Geld verdienen die amerikanischen Plattenlabels durch den Verkauf ganzer CDs, die einen Anteil von 96 Prozent am Gesamtumsatz haben. Entscheidend für die Umsatzentwicklung sei laut Nielsen SoundScan also die Frage, ob der Verkauf von Single-CD- und Einzeltiteln dem Absatz kompletter CDs schade. Das ist offenbar nicht der Fall. Zwar wurden 2003 wiederum weniger CD-Alben als im Vorjahr verkauft. Doch der Umsatzrückgang belief sich nur noch auf ca. 3 Prozent, während 2002 noch fast 9 Prozent weniger Komplett-CDs als im Vorjahr verkauft wurden.
Womit verdient iTunes sein Geld?
Der reine Musikverkauf bringt den Download-Läden bisher keinen Profit. Gewinn lässt sich offenbar nur über Umwege erwirtschaften. Dieser Umweg heißt bei Apples iTunes nicht Werbung, sondern hört auf einen anderen Namen: iPod, ein tragbarer Musik-Player, der sich gerade im amerikanischen Weihnachtsgeschäft zu einem veritablen Kassenknüller entwickelte. Aktuelle Bescherungszahlen liegen noch nicht vor. Doch bereits im vierten Geschäftsquartal, das im Oktober endete, spülte der iPod 121 Millionen Dollar in die Apple-Kassen und war damit bereits für sieben Prozent des Umsatzes verantwortlich.
"Ain't singin' for Pepsi - Ain't singin' for Coke"
"This note's for you", sang Neil Young vorzeiten und versprach in diesem Song, nur für seine Fans zu spielen und seine Musik niemals als billiges Werbevehikel für braune Brause oder Bier verwursten zu lassen. Der Umweg über iTunes und andere Onlineshops lässt ihn jetzt doch zumindest indirekt für Coca Cola oder Pepsi die ungeliebte Werbetrommel rühren. Denn die amerikanische Zuckerbrause wird per Online-Musik-Shops demnächst das Netz verkleben.
Coca Cola plant unter www.mycokemusic.com einen eigenen Download-Shop. Auf dieser Plattform, die zunächst nur für britische Trinker zur Verfügung stehen wird, sollen mehr als 250.000 Songs von 8.500 Künstlern kostenpflichtig angeboten werden, Preis pro Song 0,99 Pfund. Der Brause-Konzern aus Atlanta will mit seinem Shop offenbar keinen Profit erwirtschaften, sondern ihn als kostengünstiges Werbevehikel für sein braunes Zuckerwasser nutzen.
Die Konkurrenz im Brausegeschäft schläft nicht. Coca-Cola-Erzrivale Pepsi setzt auf die Popularität von iTunes und wird ab Februar mit kostenlosen Downloads einen neuen Werbefeldzug gegen Coca Cola starten. Jede dritte in den USA verkaufte Pepsi-Flasche soll dann über einen aufgedruckten Code verfügen, der zum kostenlosen Download eines Musiktitels via iTunes berechtigt.
Microsoft mischt mit
Wenn es ums Geldverdienen geht, darf auch Microsoft nicht fehlen. Der Softwarekonzern aus Redmond fährt im Online-Musikgeschäft offenbar eine doppelte Strategie. Fürs nächste Jahr ist im Rahmen des MSN-Portals zunächst ein eigener Musikshop geplant.
Seit Mitte Dezember 2003 bietet Microsoft in Zusammenarbeit mit dem Softwaredienstleister Loudeye außerdem die Software für schlüsselfertige Online-Musik-Shops an. Ziel ist es, dritten Unternehmen die komplette Software zu verkaufen, die nötig ist, um einen funktionierenden Online-Shop aufbauen und betreiben zu können. Mit dieser Software können Radiosendungen, Musik- und Videodateien sowie Klingeltöne für Handys angeboten werden.
Erste Großkunden hat Microsoft bereits an Land gezogen. So wird der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T Wireless die Software aus dem Hause Microsoft/Loudeye nutzen, um über seine mMode-Handys drahtlos Musik zu übertragen.
Kampfpreise bei Wal-Mart
Auch der US-Handelskonzern Wal-Mart hat inzwischen werbewirksam Blut geleckt. Seit Mitte Dezember können Wal-Mart-Kunden, die einen Windows-PC besitzen, in einem Testlauf Musiktitel von der Konzern-Homepage zum derzeitigen Kampfpreis von 88 Cent herunterladen. "64 Prozent unserer Kunden verfügen bereits über einen Online-Zugang", erklärte Kevin Swint von Walmart.com. "Daher sehen wir die Musik-Downloads als natürliche Erweiterung unseres Musikangebotes an." Die Vollversion des Wal-Mart-Musikportals ist für Anfang 2004 geplant (Jetzt beginnt das Rennen).
Wie sich das kommerzielle Online-Musik-Geschäft von iTunes, Napster und Konsorten im nächsten Jahr entwickeln wird, welche Online-Shops überleben und welche Läden sang- und klanglos untergehen werden, ist von vielen Faktoren abhängig und steht noch in den Sternen. Nur eines scheint jetzt schon klar zu sein: (Un)Heimliche Nutznießer sind die rührigen "Klageweiber" von der amerikanischen Musikindustrie.
http://www.heise.de/tp/artikel/16/16393/1.html- Stimmt... (26.12.2003 2:41)
- Liebe Musikindustrie, lieber Online-Shop-Anbieter (25.12.2003 19:24)
- *lol* genau! (24.12.2003 10:22)
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