Europa und der Mars - Wie geht es weiter?
Von einer deutschen Beteiligung am Aurora-Programm der ESA will Forschungsministerin Edelgard Bulmahn weiterhin nichts wissen
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn zeigte sich sichtlich erfreut über das erfolgreiche Einschwenken der europäischen Raumsonde Mars Express in den Orbit um den roten Planeten (Europa bringt erstmals Sonde in Umlaufbahn um einen anderen Planeten). Das sei ein "Meilenstein für die Wissenschaft in Europa", sagte sie am frühen Morgen des ersten Weihnachtstages im europäischen Bodenkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt, wo sie die Ankunft der Sonde mitverfolgt hatte. In der Tat hat die europäische Raumfahrt mit Mars Express ein wichtiges Etappenziel erreicht. Aber auf dem Weg wohin?
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| ExoMars Rover. Bild |
Bei der europäischen Weltraumorganisation (ESA) wird die weitere Erforschung des roten Planeten im Rahmen des Aurora-Programms vorbereitet. Ziel ist es, einen langfristigen Plan für die Erkundung des Sonnensystems zu entwickeln, der über die nächsten 30 Jahre verschiedene Etappenziele definiert. Am Ende dieser Zeitspanne könnte eine bemannte Mission zum Mars erfolgen.
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Das Programm knüpft gleichermaßen an die Erfahrungen der bemannten Raumfahrt im erdnahen Orbit wie auch an die Planetenerkundung mit Robotern an. "Die miteinander verflochtene Weiterentwicklung der Fähigkeiten in diesen beiden Strängen wird schließlich dazu führen, dass Europa in der Lage ist, bei einer zukünftigen bemannten Mission zum Mars eine Schlüsselrolle zu spielen", heißt es in einer Pressemitteilung der ESA anlässlich der erfolgreichen Abkopplung des Landemoduls Beagle 2 von Mars Express am 19. Dezember.
Aurora wird von fast allen ESA-Mitgliedsstaaten unterstützt. Von den größeren Staaten verweigert lediglich Deutschland die Teilnahme. Daran wird, wie es scheint, auch der Teilerfolg von Mars Express nichts ändern. Bulmahn will von Aurora weiterhin nichts wissen. Das könnte unter anderem daran liegen, dass sie bislang noch zu wenig darüber weiß.
Ihre Antwort auf die Frage, ob sie sich inzwischen eine Beteiligung Deutschlands am Aurora-Programm vorstellen könne, zeugte jedenfalls von einem bemerkenswerten Unverständnis der Intentionen Auroras. Viele Fragen seien ja noch gar nicht gelöst, sagte sie und nannte als Beispiel das Strahlenproblem, also die Frage, inwieweit Astronauten die Belastung durch kosmische Strahlung verkraften können. Abgesehen davon, dass manche Experten wie etwa Markus Landgraf, Vorsitzender der deutschen Sektion der Mars Society, ihr in diesem speziellen Punkt widersprechen würden, ist es nicht ganz leicht zu verstehen, inwiefern offene Forschungsfragen der Entwicklung eines Forschungsprogramms entgegen stehen sollen, das unter anderem gerade die Klärung dieser Fragen zum Ziel hat.
Zudem nimmt sich Aurora für die Beantwortung solcher Fragen auch reichlich Zeit: Ein bemannter Flug zum Mars wird derzeit für das Jahr 2030 oder 2033 angepeilt. Davor könnte im Jahr 2024 eine bemannte Mission zum Mond erfolgen, um Schlüsseltechnologien wie Lebenserhaltung oder die Ressourcennutzung vor Ort zu erproben. So lange wolle sie nicht warten, sagt Bulmahn. Sie wolle jetzt Ergebnisse und setze daher weiterhin auf die Erkundung des Weltraums mit unbemannten Sonden und Robotern.
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| Entwurf für Module im Rahmen des Aurora-Projekts zur Marserforschung.Bild |
Nun sind genau solche Missionen für die kommenden Jahre im gegenwärtigen Aurora-Plan vorgesehen: Im Jahr 2009 könnte ExoMars starten, bei der ein Rover auf der Marsoberfläche abgesetzt werden soll, um nach Lebensspuren zu suchen. Für das Jahr 2011 oder 2014 ist Mars Sample Return geplant, eine Mission, die Bodenproben sammeln und zur Erde zurück transportieren soll. Eine dafür erforderliche Technologie, die den Wiedereintritt schneller Raumsonden in die Erdatmosphäre ermöglicht, soll bereits im Jahr 2007 erprobt werden.
Einen Forschungs- und Entwicklungsplan über 30 Jahre zu entwerfen, heißt also nicht, dass dieser Plan erst nach 30 Jahren Früchte trägt. Wenn Bulmahn so etwas implizit behauptet, ist das entweder billige Rhetorik - oder sie ist schlecht informiert.
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| Mars-Habitat, das mit einem Mobile Pressurized Laboratory verbunden ist und Raum für sechs Astronauten bietenb soll. Bild |
Das Reizwort ist offenbar "bemannte Marsmission". Es scheint eine so starke suggestive Wirkung zu entfalten, dass Bulmahn (oder ihre Berater) einen langfristigen Plan, der eine solche Mission beinhaltet, mit der Mission selbst verwechseln. Wer Aurora auf die bemannte Mission zum Mars reduziert, hat das Konzept völlig missverstanden. Es geht nicht nur um diese eine Mission, es geht um einen neuen Rahmen für die Raumfahrt. Es geht darum, die europäischen Raumfahrtaktivitäten auf ein klares Ziel auszurichten, das von jedem Menschen verstanden werden kann, ein Ziel jenseits wirtschaftlicher und machtpolitischer Kalküle. Es geht darum, endlich ernst zu nehmen, was sowohl der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Sigmar Wittig, als auch der ESA-Wissenschaftsdirektor David Southwood in Darmstadt in Anwesenheit der Forschungsministerin betonten: Raumfahrt hat nicht nur wissenschaftliche, sondern vor allem kulturelle Bedeutung.
http://www.heise.de/tp/artikel/16/16410/1.html- Querverweis: (8.1.2004 19:37)
- Bitteschoen: (8.1.2004 19:35)
- interessant (30.12.2003 22:16)
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